Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr, Heft 34, November 1796

1613 bringt Peuerl das einem Organisten und Schulmann viel näher stehende Vokalwerk heraus. Anstatt des Vorworts findet sich hier die von Peuerl gezeichnete und mit 1. Jänner 1613 datierte 85 ) Widmung an Georg Henckel von Donnersmarck, Herrn auf Gföhl und Wesendorf in Niederöster– reich. Persönliche Beziehungen zu diesem sind bislang nicht nachweisbar. Die Formulierung der Anrede „Meinem großgünstigen Herrn etc." ist stereo– typ und läßt weitere Schlüsse zunächst nicht zu. Auch daß der Widmungs– träger „ein sonderer Liebhaber vnnd beförderer, der löblichen Music, und Musicanten" sei , gehört zu den notwendigen Anknüpfungspunkten einer derartigen Widmung, die demnach auch unterstellt sein könnte. Anderer– seits läßt die Berufung darauf, er habe gehört, daß Henckel an den „Neuen Paduanen" von 1611 Gefallen gefunden hätte sowie der doch einigermaßen persönliche Ton doch annehmen , es sei nicht nur die Hoffnung auf eine entsprechende Geldzuweisung im Spiele. Schon die Tatsache, daß er Georg Henckel von Donnersmarck als Herrn auf Gföhl und Wesendorf bezeich– net, zeigt, daß Peuerl um dessen Persönlichkeit und Verhältnisse genau Bescheid wußte: Diese beiden Herrschaften hatte erst Georgs Vater (Laza– rus 1., als Handelsmann und ka iserlicher Hoflieferant der eigentliche Be– gründer des Reichtums dieser Familie) 1601 pfandweise an sich gebracht und 1608 von Kaiser Rudolf II. gekauft. In den eigentlichen Besitz Georgs sind sie - obwohl er sie früh benutzt haben wird - erst nach des Vaters Tod (1629) übergegangen . 87 ) Im übrigen ist aber Georg (1578 - 1636) keineswegs der bedeutendste oder reichste Sproß seiner Familie (sein Bruder Lazarus II., 1573 - 1664, wurde kaiserlicher Rat Ferd inands III. und 1651 der erste Graf der Linie) . Man wird also doch eher persönliche Gründe Peuerls anzunehmen haben, wobei vor allem an die Nähe Gföhl - Horn zu denken ist. Bedenkt man weiter Peuerls 1604 in Horn bereits akten– kundigen Ruf als Musiker bei gesellschaftlichen Anlässen, wäre denkbar, daß er z. B. bei Georgs Hochzeit 1605 zu Wien engagiert war. Ob daher auch das Silbergeschirr (üblicherweise dürfte sich ein Organist ein solches kaum geleistet haben können, es gehört aber zu den üblichen Geschenken bei derartigen Anlässen) stammte, das er ein Jahr später (1606) versetzte? Im übrigen könnte für dieses Vorwort wiederum das von Francks „ Neuen musikalischen Intraden " (1608) eine Vorbildfunktion 85 ) ausgeübt haben . Wieder anders gelagert ist der Druck von 1620. Art und Formulierung des Titelblattes entspricht dem Üblichen , die Widmung an den Herzog Johann Kasimir von Sachsen ist von Wagenmann gezeichnet (und mit Chrono– gramm bereits 1619 datiert). Zunächst ist darauf hinzuweisen , daß darin der Name des Komponisten wiederum nicht der von diesem selbst ge– brauchten Schreibweise entspricht, sondern der ursprünglichen schwäbi– schen Form Beurlin. Hier dürfte auch Wagenmanns Formulierung „mein günstiger Freundt" mehr als eine Floskel sein : Wagenmann kannte Peuerl offenbar sehr gut und er mag die Diskrepanz Peuerlin - Peuerl sogar bewußt gesetzt haben. Sogar daß die Widmung diesmal der Verleger ausspricht und nicht der Autor, könnte auf einer freundschaftlichen Zu– rechtweisung basieren (etwa so: laß mich das machen; das hätte ich dir gleich sagen können, daß bei einem kleinen Mitglied einer noch so großen Familie nichts zu holen ist; besser wählt man eine höhergestellte Persön- 24

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