Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 26, Dezember 1965

anderen Ort zu erreichen, doch verblieben sic bis Dezember in der Stadt. Viele von ihnen starben, was den Stadtpfarrer veranlaßte, dem Magistrate bekanntzugeben, daß Platzmangel entstehen würde, wenn man sie weiter am Taborfriedhofe bestattete. Als letzte Ruhestätte für das Militär wurde daher eine Wiese nächst dem Plauzenhof vorgesehen. Im Jänner 1704 wurden dem Magistrat weitere 300 kranke Milizsoldaten angekündigt. Jedem von ihnen wären täglich 7/i Pfund Brot und vier Kreuzer Bargeld zu geben.30 31 * ) Als im Juli 1703 der Kupferschmiedgeselle Andre Pramberger als Grenz­ schütze aus bayrischer Gefangenschaft entfloh und den während dieser Zeit angefalle­ nen Sold beanspruchte, lehnte der Rat ab, da ihn nach seiner Ansicht die Haupt­ leute „wohl schwehrlich yber die gräniz hinaus Zu gehen obligirt" haben würden. Er müsse sich also selbst über die Grenze gewagt haben, daher sei ihm das Mißgeschick der Gefangenschalt zugestoßen. Außerdem hätte der Magistrat, falls er dem Ersuchen nachkäme, „yble Konsequenz zu befürchten."3') Das Jahr 1703 hatte mit der Vertreibung der Bayern aus Tirol geendet, 1704 brachte neue Schwierigkeiten, da Oberungarn durch Rakoczys Scharen beseht worden war. In Wien wurden in größter Eile um die Vorstädte Schanzen gezogen, da man einen Handstreich fürchtete. Aus Bayern drohte ein Einfall in das Land ob der Enns. In Steyr ließ der Magistrat die Befestigungen instandsetzen, durch Pallisaden verstärken sowie die Stadttore reparieren. Größere Mengen an Pulver, Blei und Lunten wurden angekauft. Ein Landschaftspatent, das am 15. Jänner 1704 im Rate vorlag, forderte die Stadtverwaltung auf „zu Rettung des in Gefahr stehenden Va­ terlandes", die Bürger in „ergäbiger Anzall, jedoch ohne die Stadt zu entvölkern", zu dem bei Eferding stehenden kaiserlichen Armeekorps als Verstärkung zu entsenden. Diesem Aufruf fühlten sich auch die Steyrer Stadtväter verpflichtet, nach vorhan­ dener Möglichkeit Folge zu leisten und sie wollten 400 Mann aufbringen. Noch am gleichen Nachmittage versammelte man die in den Musterrollen Verzeichneten und „weillen khain anderer modus bequem scheinen wollte wehr (wer) . . . diesen Zug mit Bey zu wohnen" hätte, wurden die Teilnehmer ausgewürfelt. Um die Verpfle­ gung des Aufgebotes bis zum Einsatzorte sicherzustellen, wollte der Rat das bei der Stadtkasse hinterliegende Geld der Schünnerischen Verlassenschaft verwenden, da keine anderen Mittel vorhanden waren.33) Als am folgenden Tage in Steyr bekannt wurde, daß die Bayern schon auf Wels anrückten, wurden die für den Einsah Bestimmten alarmiert. Ehe sie jedoch abmarschierten, verlangten sie zu wissen, von welchen Offizieren sie begleitet würden, welche Löhnung sie erhalten und ob man sie oder ihre Frauen und Kinder irgendwie versorgen werde, falls der eine oder andere verwundet würde. In Gegenwart des Bürgermeisters, des Stadtrichters sowie von 14 Räten wurden am Nachmittag auch zwei Hauptleute, vier Leutnants und weitere Dienstgrade aus den Reihen der Räte ..ausgelost". Zu Hauvtleutcn wurden die Mitglieder des Inneren Rates Georg Ulrich Schäffler und Wolfs Furthmüllner. Dieser hatte, als es an das Würfeln ging, erklärt, seine Hauptmannsstelle, die er bereits in der Stadtmiliz bekleidete, zurück­ zulegen. weil er viele Kinder besaß und sein Mautdienst eine Abwesenheit nicht zu­ ließe. Es wurde ihm jedoch bedeutet, daß man seinen Verzicht nur annehmen könnte, wenn er gleichzeitig auf das Bürgerrecht, die Ausübung des Mautamtes und über­ haupt auf alles, was er von der Stadt „geniiesset", verzichten würde.33) -°) RP 1703, 81, 115, 163, 197, 205, 210, 231; RP 1704, 13. 31) RP 1703, 140. ”) RP 1703, 58; RP 1704, 6, 15.. — Der bürgerliche Pulvermacher Matthias Danck- huber lieferte den Zentner Pulver zum Preise von 31 Gulden. Blei wurde um 15 Gulden je Zentner vom Handelsmann Johann Koller angeboten. 33) RP 1704, 16, 17. 18

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