- 98 - Der große Saal im genannten Gasthofe konnte die zahlreich erschienenen Volksvereinsmänner und Gesinnungsgenossen nicht fassen, so dass viele noch vor der Türe draußen stehen bleiben mussten. Nach einer herzlichen Begrüßung der Anwesenden und des Herrn Reichsratsabgeordneten Johann Kreilmeier und des Advokatur-Concipienten Dr. Stampf in einer Schilderung der Bedeutung des katholischen Mannes als Eckstein der Familie, der Gemeinde und des Staates und der Wichtigkeit des katholischen Volksvereins für die christliche Weltanschauung durch den Ortspfarrer Georg Fierlinger bestieg Herr Reichratsabgeordneter Johann Kreilmeier die Rednerbühne und erfreute uns mit einem interessanten 1 ½ stündigen Vortrag, dem alle mit der größten Aufmerksamkeit lauschten. Nachdem er den Zweck der Ortsgruppen im katholischen Volksverein geschildert hatte, wurde an die Konstituierung einer solchen geschritten und Herr Matthäus Gaspelmayr, Ebner, in Untergrünburg, als Ortsbevollmächtigter gewählt. Sodann schilderte uns der Herr Abgeordnete Kreilmeier hochinteressant die innere und äußere Lage Österreichs. Unter großem Beifalle, schloss Redner seinen begeistert aufgenommenen Vortrag, nachdem er die Erhöhung des Mitgliederbeitrages voll begründet hatte. Nach einer kurzen Pause, während welcher 20 neue Mitglieder sich meldeten, ergriff Doctor Stampfl aus Linz das Wort und erörterte in einer langen Rede den Zollschutz an der Südgrenze unserer Monarchie, sprach dann über die Gemeindewahlrechts- und Steuerreform und bewies den Zuhörern noch einmal ganz klar die Notwendigkeit der Erhöhung des Mitgliederbeitrages. Nach Beendigung dieses schwungvollen Vortrages dankte der Neugewählte, überaus tüchtige und redegewandte Ortsbevollmächtige Herr Matthias Gaspelmayr den beiden Herrn Rednern, zugleich die Bitte anschließend die Güte zu haben, und mit ihrem werten Besuche in einer der nächsten Versammlungen wieder zu erfreuen. Nach einem dreimaligen Hoch auf die höchsten Gewalten wurde die gewiss jedermann noch lange in Erinnerung bleibende Versammlung geschlossen. Das Jahr 1912 war ein sehr nasses Jahr. Vor lauter Regen konnten die verschiedenen Getreidearten schlecht blühen, daher ein schlechtes Ernteergebnis an Getreide; die Erdäpfel wurden bei uns im Schottergrunde schön, gut und mehlig, wohl faulten auch ziemlich viele Erdäpfel. Das Heu wurde vielfach fuchsrot vor lauter Regen, doch vor dem Verfaulen wurde es geschützt durch das Aufhängen auf die Kleehüfel, die in einem solchen Falle unschätzbar sind. Der Most, Birnmost, war wenig und die Qualität schlecht. Das Obst wurde vor lauter Regen nicht reif. 1913 5. Jänner Plauderstube Die erste Plauderstube der Ortsgruppe des katholischen Volksvereins am heute, Sonntag um 3 Uhr nachmittags, im Gasthofe „Unterm Haus“ des Herrn Franz Neuhauser erreichte ihren Zweck vollauf. Die trotz der „Rauhnacht“ zahlreich Erschienenen horchten mit gespanntester Aufmerksamkeit auf die hochinteressante Rede des Herrn Matthäus Gaspelmayr, Ebner in Untergrünburg, über die Ehereform in socialer Hinsicht und des hochw. Herrn Ortscooperators Ignaz Pötscher in religiöser Hinsicht. Geradezu packend und hinreißend war der Schlußappell des Herrn Cooperators mit seiner gewaltigen, alles erschüttender Stimme an die Zuhörerschaft, ja auf die Stimmen der Ehereform-Anhänger nicht zu hören.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2