Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 91 - Am 30. Jänner starb in Wien der ehemalige Ackerbauminister und frühere Landeshauptmann von Oberösterreich, Excellenz Dr. Alfred Ebenhoch; ganz Oberösterreich trauert um diesen einzigen Mann! Seine Leiche wurde nach Wels, O.Ö. zur Beerdigung überführt. 9. Februar Tod aufgefunden Freitag, um ½ 8 Uhr früh wurde in Wagenhub 84 die Taglöhnersgattin Theresia Klausriegler in ihrem Bette tot aufgefunden. Sie stand im 63. Lebensjahre. 14. Februar, Mittwoch um 1 Uhr nachts starb in Obergrünburg 156 nach langer Krankheit und wiederholtem Empfange der hl. Sterbesacramente der verehelichte private und goldener Jubelbräutigam Herr Johann Michael Löschenkohl im 82. Lebensjahre. Freitag, den 16. Februar bewegte sich ein großer Leichenzug unserem Friedhofe zu; er galt dem Johann Michael Löschenkohl, vulgo „Schnauzbart-Michl“, Messerer, Brotausträger, zuletzt privat in Obergrünburg; er war ein stets gut aufgelegter Mensch, voll Scharren und Schnurren und konnte kein Kind beleidigen. Viel hielt er auf seinen mächtigen Husarenschnurrbart, den er wohl pflegte und betreute und der ihm auch den obengenannten Vulgärnamen eintrug. Über 20 Jahre war er Brotausträger beim Bäck beim Gattern und versorgte bis in die jüngste Zeit herein die Bewohner auf den Schlierbacher-Bergen mit Brot aus seinem Buckelkorb. Der Verblichene feierte am 13. November 1910 sein goldenes Ehejubiläum; er stand damals im 80. Lebensjahre und schwang wiederholt bei der abendlichen JubiläumsTanzunterhaltung sein Tanzbein. Und kaum hat er sich in die Ruhe begeben so war es, als müsste sich auch an ihm das Sprichwort bewahrheiten: „Wer rastet, der rostet“. Es setzte sich bei ihm eine Lungenentzündung als Rost an und brachte ihn um. 23. Februar Der Borkenkäfer Der Schreiber dieser Zeilen machte dieser Tage an den Fichten um den Pfarrhof herum die Wahrnehmung, dass mehrere Fichten an den Wipfeln dürr werden, dass die Rinde sich dort abschält und der Stamm nackt wird, während die unteren Partien des Baumes gesund und die Äste grün sind. Da haust der Borkenkäfer, dachte er sich und ließ sogleich mehrere Fichtenstämme fällen und untersuchte sie. Und wirklich fand sich dieser gefürchtete, winzig kleine Forstschädling mit seinen braunen Flügeldecken und mit dem etwas dunkleren Kopfschild in unzähligen Exemplaren und in noch mehr schneeweißen Larven vor. Er ließ auf dieses Ergebnis hin sämtliche kranke Bäume fällen und das Holz samt Reisig verbrennen. Denn am nächsten schönen Februartage hätten die Käfer einen Ausflug mach können und wieder andere Waldbestände anstecken können. Daher Achtung auf den Borkenkäfer! 11. März Zigeunerplage Kaum ist der Winter dahin, als auch schon wieder die Zigeuner - diese ungebetenen Wandervögel - hier sind. Am Montag machte eine Truppe Zigeuner mit mehreren Wägen und Pferden auf der Straße in Unterhaus Rast, während die Männer zechten und die Weiber in den Häuser herum bettelten und den Leuten lästig fielen. Gegen Abend fuhren sie in Richtung Leonstein weiter.

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