Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 90 - 1912 Unfall Ein bedauerlicher Unfall stieß am letzten Freitag, den 19. Jänner, dem hiesigen Spengler und Hausbesitzer in Untergrünburg № 49, Herrn Pauli Ondrasek zu, als er um 10 Uhr abends vom einem Gasthause in Steinbach a.d Steyr nach Hause gehen wollte. Er glitt auf den steinernen Stufen vor dem Gasthause aus und stürzte rücklings mit dem Hinterhaupte auf dieselben. Er zog sich dadurch eine schwere Verletzung des Kopf zu, musste versehen werden und wurde über ärztliche Anordnung am Donnerstag, den 25. Jänner, von seiner Wohnung aus nach St.Anna in Steyr überführt. Er ist erst im vorigen Herbste aus Ternberg nach Grünburg übersiedelt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. 26. Jänner Wurde der verwitwete Zimmermann und Hausbesitzer in Obergrünburg № 227, Herr Josef Dietl, vulgo Reiterer, in ehrenvoller Weise im hiesigen Friedhofe beerdigt, nachdem er nach nur zweitägiger Krankheit und nach Empfang der hl. Sterbesacramente im 83. Lebensjahre gestorben ist. Derselbe diente zur vollsten Zufriedenheit seiner Herrenleute durch 54 Jahre als HammerZimmermann im Sensenwerke des Herrn Ludwig Zeitlinger in Obergrünburg, Schmiedleithen, und wurde von seinen Herrenleuten geliebt, geschätzt und geehrt. Als 30 Jahre seiner Dienstzeit voll waren wurde er zum Herrentisch geladen, dabei gefeiert und von seinem Dienstgeber mit 30 blinkenden Silbergulden beschenkt; als 50 Jahre seiner Dienstzeit voll waren wurde er in gleicher Weise geehrt und mit 100 Stück Blinkenden beschenkt. Bis fast zu seinem Tode ließ ihn sein Dienstherr mit den Zimmerern mitarbeiten, wenn er auch bei seinem hohen Alter nicht mehr viel ausrichten konnte, und entlohnte und verköstige ihn. Als er starb, schickten ihm seine Herrenleute einen schönen Trauerkranz, auf dessen Schleifen die Widmung stand: „Die letzten Grüße unserem lieben Reiterer“. Zu dessen Leichenbegängnis stellte Herr Zeitlinger seine Pferde zur Verfügung, schickte die Arbeiter zur Geleitung der Leiche mit und nahm am Leichenbegängnisse und am hl. Requiem teil mit seinem Sohne Herrn Rudolf Zeitlinger und seinen Töchtern Frls. Johanna und Hermine Zeitlinger, die in einem Wagen nachfuhren. Möge Herr Dietl, vulgo Reiterer, sich beim himmlischen Herrn ebenso groß verdient gemacht haben und an ihm einen ebenso gnädigen Herrn gefunden haben, wie es bei seinem irdischen Herrn der Fall war. 26. Jänner Hungrige boshafte Raben Wer jetzt Gelegenheit hat, den vulgo „Kletzenberg“ zu besteigen, der kann beobachten, wie Raben das Strohdach eines Bauernhauses vollständig zerzausen und zerfetzten. Der Bauer steht ganz ratlos diesen hungrigen, boshaften Raben gegenüber; hat er sie auf der einen Seite verjagt, fliegen sie auf der anderen Seite wieder zu. Die verschiedenartigsten Scheuchen stehen auf dem Dache, doch alles umsonst. Der Besitzer trägt sich schon mit dem Gedanken das gute luftige Strohdach mit einem teuren Ziegeldach zu vertauschen. Oder weiß jemand ein Mittel gegen diese boshaften Raben außer tödliches Blei und sauberes Ausdreschen der „Schaub“ vor dem Aufdecken?

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