Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 89 - Der Sarg war mit herrlichen Kränzen von Verwandten und Berufskollegen geschmückt. Herzzerreißend war das Schluchzen und Weinen der untröstlichen Gattin im geschmückten Leichenhause und am Grabe. 22. December Rauchfangfeuer Freitag um 6 Uhr früh brach im Rauchfange des Herrn Johann Wiltsch in Untergrünburg Feuer aus und brannte in hellen Flammen beim Zylinder hinaus. Die Feuerfunken flogen bis in die Umgebung von Unterhaus herum und über den Steyrfluß hinüber. Zum Glück regnete es um diese Zeit in Strömen, das Feuer hätte aber bei dem fürchterlichen Sturme in der heutigen Nacht und in der Frühe und bei trockener Witterung für die Nachbarhäuser mit Holzschindelbedachung und Strohdach verhängnisvoll werden können. Ursache des Brandes war viel Pech und Ruß im Zylinder. Zur Löschung des Brandes erschienen sämtliche Arbeiter der hiesigen Zeluloidwarenfabrik des Herrn Hans Schwarz. December Die Christbaumfeierlichkeiten in hiesiger Pfarre und Gemeinde fanden am Sonntag, den 10. December für die armen Kinder der Feuerwehrmänner, am Sonntag den 17. December für die Kinderbewahranstalt, jedesmal in Herrn Twerteks Gasthof in Untergrünburg und am Samstag, den 23. December im hiesigen Schulhause für arme Schulkinder statt. Die entsprechenden Ansprachen und Danksagungen bei den letzteren Veranstaltungen hielt die hiesige Pfarrgeistlichkeit. 31. December Hochwasserschäden Das gar nicht bedrohende letzte Hochwasser des Steyrflusses richtete in der Haunoldmühle in Obergrünburg furchtbaren Schaden, in dem ein großer Teil der neu zementierten Wände des Werkkanales, sowie die halbe Wehre unter furchtbarem Krachen von den dosenden Fluten am Sonntag um 6 Uhr früh weggerissen wurden. Der Steyrfluß wurde vom Werkkanal ganz abgelenkt, sodaß nicht ein Tropfen Wasser durch denselben fließt und das ganze Werk vollständig stehen muss. Es wird Wochen - und vielleicht auch Monate - brauchen bis das Wasser wieder gefangen werden kann. Die Unglückstelle bietet einen traurigen Anblick dar. 1911 Trockenheit Das Jahr 1911 war ein trockenes Jahr, besser gesagt der Sommer. Es regnete vom Sonntag, den 16. Juli bis 14. August keinen Tropfen. Am 4. August setzte wohl ein kleiner Sprühregen ein, doch ein ausgiebiger und fruchtbarer Regen wurde es nicht. Der kam erst nach nochmals 3-4 Wochen Trockenheit. Das Jahr war aber trotzdem ein gutes zu nennen. Wohl Grummet und Klee waren auf dem steinigen Boden längs des Steyrflusses sowohl im Feld wie auf der Wiese verdorrt, aber Korn, Weizen, Hafer, Gerste etc. gedieh gut, die Quantität und besonders die Qualität des Mostes war ausgezeichnet. Das Kraut war im Bezug auf die Kopfgröße klein, aber die Köpfe waren steinhart, fest wie Stein, feinrippig und sehr ausgiebig, wenigstens im Pfarrhofgrunde, wo das Kraut früh gesetzt zur rechten Zeit zweimal tüchtig mit Abort-„Adel“ gedüngt worden war und gleich darauf gründlich gehäufelt worden war und dann ließ man ihm vollkommene Ruhe bis zur Krauternte.

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