Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 84 - Sonntag, den 5. August um 5 Uhr abends fand die Turmkreuzsteckung mit Knaufaufsetzung auf unserem Kirchenturme statt, die infolge eines Blitzschlages in den Kirchturm im heurigen Sommer notwendig geworden war. Kurz vor 5 Uhr wurde das frisch reparierte, neu vergoldete, mit Kränzen und Schleifen geschmückte Kreuz vom Ortspfarrer Georg Fierlinger geweiht. Der bestbekannte Kirchenturmrestaurateur, Herr Franz Samwald aus Ardagger in N.Ö. Bezirk Amstetten, nahm hierauf ohne gewöhnliches Gerüst, nur mit seinem äußerst einfachen Hängegerüst mit staunenswerter Geschicklichkeit und Bravour die Turmkreuzsteckung samt Knaufaufsetzung tadellos vor. Über dem Kreuze stehend hielt er dann an die versammelten Zuschauer und Schulkinder die übliche Ansprache und prostete hierauf auf Kaiser und Papst, auf den Patronatsherrn Sr. Excellenz Heinrich Graf von Lamberg in Steyr, den Bischof DDr.Hittmayr von Linz, den Ortspfarrer Georg Fierlinger und den Bürgermeister Johann Traunmüller von Grünburg, wobei er die entleerten Gläser in die Tiefe warf. Gegen 6 Uhr war die höchst spannende Turmkreuzsteckung beendet. Am Sonntag, den 6. August hielt die „Südmark“ im schönen Garten „Zum Unterhaus“ eine Versammlung ab, die einige Stunden hindurch ziemlich besucht war. Aus dem Enns- und Kremstale zog man heran. Abgeordneter Erb, Altbürgermeister Lang, Vorstand der Südmark und Bürgermeister Traunmüller aus Grünburg waren erschienen. Einige Damen zierten ihr Haupt mit Goldhauben, die zur alten guten Zeit bei festlichen Anlässen sittig Braut und Mütter trugen. Das 20. Jahrhundert, dass der Tradition den Scheidebrief gegeben, wunderte sich höchlich darüber. Wanderlehrer Schneider hielt einen Vortrag, in welchem er das deutsche Volk, namentlich die Bauern, Verräter an der Nation nannte. Den Bauern wurde ins Gewissen geredet - aber kein einziger Bauer war da. Weiter hieß es, dass der Friede zwischen Slawen und Deutschen nicht zu erwarten ist und es wurde die „Südmark“ als die einzige „und endliche“ Rettung des Deutschtums hingestellt. 2000 Bauernköpfe wurden angesiedelt und Süd und Ost geschützt gegen den vorschreitenden Welschen und Slowenen. Hilfe bot den „bedrängten“ Brüdern das „Reich“ in uneigennütziger Weise. Der Vortrag schloss mit einem Spruch des steirischen Dichters Kernstock an das deutsche Volk, der es verstand auch im „Priesterkleide“ deutsch zu sein. Heil-Rufe und „Lieb Vaterland magst ruhig sein, - Fest steht die Wacht an Rhein“ - waren die Antwort. Nach 6 Uhr zerrstreuten sich allmählich die Besucher, deren mancherlei Spielzeug zur besseren Belustigung zur Verfügung stand und ein jeder mag sich selbst Antwort gegeben haben auf die Befürchtung des Einleitungsredners, dass der Tag nicht ganz verloren geht. 6. August Sonntag nachmittags brannte ein Fleck Klee vom Pfarrhoffelde vor dem Mandorferhause lichterloh in die Höhe, der offenbar durch ein weggeworfenes, brennendes Zündhölzchen oder durch ein glimmendes Zigarettenstümpfchen bei der großen Dürre und Trockenheit in Brand gesteckt worden war. Zum Glück wurde der Brand von dem rasch hinzugekommenen Franz Felbinger gelöscht, bevor er das ganze Kleefeld ergriffen hatte. 11. August

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