Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 79 - 29. August Erschossen aufgefunden wurde Montag, den 29.8. um 5 Uhr in Wagenhub, der ledige Bauernsohn von der Ortschaft Emsenhub № 1, Pfarre Adlwang, Johann Steinbacher im Alter von 40 Jahren. Er hat die schreckliche Tat im trunkenen Zustande verübt. Er diente als Herrschaftskutscher durch 10 Jahre, teils in Tirol, Vorarlberg und zuletzt in der Schweiz, von wo er im Juni 1910 heimgekehrt war. Sein Leichnam wurde in die hiesige Leichenkammer überführt. Das Motiv des Selbstmordes war unbekannt, man hörte von einem vorausgehenden heftigen Zwiste im Elternhause. 19. September Leopold Gruber, ehemaliger Gastwirt im „Unterhaus“, seit mehreren Jahren Privater in Bad-Hall, starb nach kurzer Krankheit am 17.9. im 80. Lebensjahre. Der Verschiedene hatte eine sehr verdienstvolle militärische Vergangenheit hinter sich, die er seinerzeit während seines Hiersein in „Unterhaus“ in der Steyrer-Zeitung in recht interessanten Feuilletons selbst schrieb. Im Jahre 1862 wurde er als Feuerwerker verabschiedet. Im Abschied heißt es unter anderen Worten ehrender Anerkennung: „Hat den Feldzug 1859 in Italien mitgemacht und wurde für sein tapferes Benehmen in der Schlacht bei Solferino mit der silbernen Tapferkeitsmedaille I geehrt“. Da er in seiner Zeit in päpstlichen Gebieten diente, besaß er auch die päpstliche Medaille Sr. Heiligkeit Pius IX. Außerdem schmückten seine tapfere Soldatenbrust die Kriegsmedaille, das Militärkreuz, und die Jubiläumsmedaille. Gruber war auch Gründer des Militär-Veteranenvereins von Haag, N.Ö, Vorstandstellvertreter des Militärveteranenvereins Grünburg und Ehrenmitglied des Militärveteranenvereins Bad-Hall. Dementsprechend hatte auch das Leichenbegängnis militärischen Charakter. Die Veteranenvereine von Haag, Grünburg, und Bad-Hall waren corporativ in ansehnlicher Stärke ausgerückt und begleiteten mit wehenden Fahnen den einstmals so tapferen Waffenbruder. Auch die in Bad-Hall zur Kur anwesenden Herrn Offiziere mit Herrn Oberst von Traun ehrten den Toten durch ihre Teilnahme an der Leichenfeier. Seine letzten Lebenstage hatte der Verstorbene in der Familie seines Schwiegersohnes, des Herrn Gendarmerie-Wachtmeisters Steinmann zugebracht und mit seinem stolzen Selbstgefühle eines verdienten Kriegers, wenn er sich 50 Jahre jünger düngte und er von seinen Erlebnissen erzählte, aber auch mit dem unverwüstlichen Humor eines echten Soldaten, der Späße macht und keinen verdirbt. In der sechziger Jahren war Gruber Wirtspächter auf dem Kirchenwirtshaus, gegenwärtig Zachl in Sierning, wo ihn der Chronist als gebürtiger Sierninger zum ersten male kennen lernte. Herr Gruber war überall allgemein beliebt und geachtet. Ehre seinem Andenken. 23. September Verunglückt beim elektrischen Aufzuge in der Pappefabrik der Haunoldmühle ist Freitag, um 7 Uhr abends der 19-jährige Arbeiter von Forstau Karl Hofer. Er wurde mit eingedrücktem Kehlkopfe am Aufzuge, der stehenblieb, hängend aufgefunden. Der Unglückliche wurde losgemacht, und in die Fabrikskanzlei gebracht, wobei er bald darauf nach Empfang der hl. Ölung starb. Dienstag, den 27. September, bewegte sich ein langer Zug von Arbeitern, Trägern und Fakturanten, von denen die beiden letzteren Gruppen mit weißen Schärpen geschmückt

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