Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 78 - 5. Juli zog sich der Pfarrer Georg Fierlinger im Zuge eines Versehganges zum Oberrohregger, Herrn Sternberger, auf dem Heimwege auf der Hutterer-Eben, auf den unmittelbar stark durchnässten, schlüpfrigen Lehmboden durch einen Sturz eine schwere Sehnenzerrung zu. Er schleppte sich noch mühsam bis zum „Steinleithner“ herab, wo ihm unwohl wurde und von wo er, vom stets hilfsbereiten Steinleithner Sebastian Schoßthaler in eigener Person mit seinem Ochsengespann, in den Pfarrhof heimgeführt wurde. Fast 4 Wochen lang konnte er das Bett nicht verlassen, da er auf den kranken Fuß nicht stehen konnte. Gott sei Dank dass es so ausging! Am Sonntag, den 31. Juli um 8 Uhr abends schlug der Blitz unter furchtbarem Krachen in den Dachfirst gerade über der Haustür des Gasthauses Oberndorfinger in Obergrünburg und zertrümmerte Ziegel, schleuderte meterlange Holzfetzen vom Dachgebälke herab und riss einen gut meterlangen Mörtelstreifen von der Stirnmauer des Hauses herab. In der Küche, wo sich die Wirtin und die Tochter befanden, durchlöcherte der Blitz Emailgeschirre, brannte in Holzgeschirren Löcher aus, fuhr in der Küche herum, in die Holztrittlingswerkstätte hinaus und dann in die Erde. Zum großen Glücke wurde niemand verletzt. 18. August Das 80. Geburtsfest des Kaisers wurde hier in würdiger Weise gefeiert. Um 9 Uhr vormittags Gottesdienst mit Te Deum. An demselben beteiligte sich die hiesige Gemeindevertretung mit Herrn Bürgermeister Johann Traunmüller, der hiesige Ortsschulrat mit seinem Obmann Johann Oberndorfinger, Deputationen des hiesigen Veteranenvereines und der Feuerwehr mit ihren Hauptleuten, den Herrn Adolf Philipp und Alois Weinberger, die Schuljugend mit ihren Fahnen, der Lehrkörper der hiesigen Volksschule, die k.k. Beamtenschaft des hiesigen Bezirksgerichtes, Steueramtes, Grundbuchamtes, mit dem Richter Herrn Dr. Lugert, Herr k.k. Notar Dr. Max Bernhauer, Herrn k.k. Steuerverwalter i.P. Max Bernard, Herr k.k. Postmeister Raimund Geyer, Excellenz Graf Lamberg’scher Revierförster Herr Quido Kalab, die hiesige k.k. Gendarmerie, die hiesige k.k. Finanzwache, dann die hiesigen Sommergäste mit höheren Militärs in Uniform. Nach dem Hochamte, dessen Hauptteile mächtige Böllersalven markierten, sangen mit Begeisterung die Schulkinder stehend im Vereine mit den Erwachsenen Strophen des Kaiserliedes. Der Hochaltar war mit Naturblumen reich geziert. Viele Privathäuser und die öffentlichen Gebäude waren beflaggt. Unmittelbar nach dem Kaiseramte am 18. August wurde der verwitwete, ehemalige Messerfabrikant, zuletzt privat in Untergrünburg, Herr Ferdinand Grasbon, im hiesigen Friedhofe beerdigt, nachdem er am Dienstag, den 16. August nach längerer Krankheit und Empfang der hl. Sterbesacramente im 83. Lebensjahre verschieden war. Ihrem alten Mitbürger, der durch ein halbes Jahrhundert die Messerfabrikation im größeren Stile betrieben hatte und viel Geld hier umgesetzt hatte, gaben mehrere Gemeindeausschüsse mit Herrn Bürgermeister Johann Traunmüller, Deputationen des hiesigen Veteranenvereines und der Feuerwehr mit ihren Hauptleuten, die Messerergenossenschaft mit ihrem Vorstande Herrn Ludwig Deinberger, frühere Kaufleute, viele Verwandte, Bekannte, Nachbarn und Freunde des Verstorbenen von Grünburg und Steinbach das letzte ehrende Geleite zum Grabe. Mit Herrn Grasbon ist wiederum ein Stück Alt-Grünburg ins Grab gesunken.

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