Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 77 - Der Halley‘sche Komet, dessen Durchgang durch die Erdatmosphäre für den 18. Mai voraus-berechnet und gesagt war und der nach den Behauptungen französischer Astronomen entweder bei seinem Durchgange durch die Erdatmosphäre riesige Mengen Kohlensäure abgeben und ebensolche Mengen Sauerstoff von der Erdatmosphäre in sich aufnehmen, und wir und alles Leben auf diese Weise ersticken müssten, oder bei seinem Durchgange durch die Erdatmosphäre riesige Sauerstoff abgeben und ebensolche Mengen Kohlensäure in sich aufnehmen solle und wir und alles Leben ein solch riesiges Lustgefühl mit Todeswirkung verspüren und über uns ergehen lassen müssten, dass wir sterben müssten und wegen dieser prophezeiten tödlichen Wirkungen für Menschen und Tier überaus gefürchtet worden war, wurde hier am Fronleichnamstag, den 26.5. zwischen 10 - 11 Uhr nachts am südwestlichen Himmel mit seinem langen Schweife genau beobachtet. Von den prophezeiten, und befürchteten Wirkungen seines Durchganges durch die Erdatmosphäre ist gottlob keine eingetreten, auch nicht im geringsten Grade. Viele unserer Südslawen in Krain, Kärnten, Steiermark usw. haben wegen dieser Furcht Haus und Hof verkauft und trieben die unsinnigsten Dinge, so dass sich die Regierung einzuschreiten genötigt sah. 5. Juni Bischofsempfang „Grünburg hat mir einen schönen Empfang bereitet“, so sagte unser Hochwürdigster Bischof Dr. Rudolf Hittmair wortwörtlich zum Schreiber dieser Zeilen, als Hochderselbe das erstemal durch unseren Ort zur Firmung nach Leonstein fuhr. Aus diesem freudigen Anlasse war der ganze Ort beflaggt. Nachdem der Hochwürdigste Bischof auf seiner Fahrt von Gleink in Untergrünburg im Gasthofe des Herrn Artner, vormals Besitz der Frau Rosa Wegscheider, eine kurze Rast gehalten hatte, führ er durch den reich beflaggten Ort und unter den Klängen der sämtlichen Kirchenglocken und unter dem gewaltigen Donner der Kirchenböller und unter flotten Märschen der hiesigen Musikkapelle unter persönlicher Leitung ihres Kapellmeisters des Herrn Josef Englstorfer in der Nähe „Unterm Haus“ vor, wo Hochderselbe sofort dem Wagen entstieg und die Begrüßung entgegennahm. Zur selben war die gesamte Feuerwehr Grünburg und Steinbach unter dem Kommando ihrer verdienstvollen Hauptleute, des Herrn Alois Weinberger und des Herrn Johann Bichler von Steinbach, und eine große Menge Volkes in Spalierbildung aufgestellt. Der Hochwürdigste dankte in der bekannt liebenswürdigsten Weise den Begrüßenden für den schönen Empfang und setzte unter fortwährenden Händewinken seine Reise Steyr aufwärts fort. 6. Juni Firmung in Leonstein Ich war als Nachbar am Vorabende und am Firmungstage bei der Firmung in Leonstein. 28. Juni Um 3 Uhr nachmittags wurde der verehelichte Sensenarbeiter und Hausbesitzer in Pernzell 15, Karl Schiefer, beim Hereintragen ins Haus von einer Herzlähmung befallen und starb wenige Minuten darauf zu Hause im seinem Bette im 44. Lebensjahre. 30. Juni Philomena Pils, geb. Pangerl, Messerschmiedswitwe, wurde um 6 Uhr früh in ihrem Bette tot aufgefunden. Am Vorabende, am Feste Peter und Paul, ging sie noch ganz wohlauf mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohne „Peterlfeuerschaun“; um 1 Uhr früh sperrte sie noch einem Schlafgeher auf.

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