Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 51 - 1894 Am 17. Februar hat Leopold Gsöllhofer, verehelichter Hausbesitzer und Drechslermeister seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Da derselbe nach ärztlichen Ausspruche geistesgestört war, bekam er ein kirchliches Begräbnis. Im August verließ der hochw. Cooperator Matthäus Gruber Grünburg. Er wurde vom Hochwst. Herrn Bischof an die Universität nach Innsbruck geschickt, um sich auf das Lehramt für antike Sprachen „Latein und Griechisch“ vorzubereiten. Nach Vollendung seiner Studien wurde er Professor am bischöflichen Knabenseminar Petrinum in Urfahr. Sein Nachfolger in Grünburg als Cooperator wurde der hochw. Herr Alois Vorhofer. Für diesen war Grünburg der erste Seelsorgeposten, da er eben aus dem Priesterseminar kam. H.H. Vorhofer ist in Mauerkirchen am 16. 1. 1869 geboren und am 29.7.1894 zum Priester geweiht. Derselbe hat sich in Grünburg ein Denkmal gesetzt, indem er das Gartenhäuschen vor dem Pfarrhof verfertigte. Am 3. October ertrank im Steyrfluß der Sensenarbeiter Kaspar Krammer. Derselbe fiel in der Agonitz beim Überfahren über die Steyr ins Wasser und wurde in der Haunoldmühle im Schleusenfluder aufgefunden; er wurde in die Totenkammer übertragen und am Friedhof in Grünburg beerdigt. Am 2. December wurde Anna Maria Enzensömmer auf dem Wege zur Kirche oberhalb der Kirchenstiege vom Schlage getroffen und ist sogleich gestorben. Neuer gotischer Hochaltar. An der Rückwand ist eine blecherne Tafel mit folgender Inschrift: „Dieser Hochaltar wurde 1894 vom Kunsttischler Anton Siegl in Waldkirchen am Wesen verfertigt und am 22. Juli 1894 vom H. Herrn Dechant Alberik Plakolmer in Gegenwart sämtlicher Nachbarspriester und einer niemals da gewesenen Volksmenge feierlich benedicirt.“ Die Statuen sind vom Bildhauer Maroder von Gröden in Tirol. Die Kosten des Altars belaufen sich beinahe auf 2000 Gulden. Die Statuen auf 300 Gulden, es wurde diese Summe durch jährliche Sammlungen des hochw. Herrn Pfarrers Ferdinand Kerschbaumer zusammengebracht. Auf dieses Werk scheint H.H. Pfarrer Kerschbaum stolz gewesen zu sein. Er hätte aber weit besser getan, wenn er den alten Hochaltar belassen und ev. renoviert hätte. Der alte schöne barocke Altar ist jetzt in der Seitenkapelle, wo dessen Hintergrund die Kreuzigungsgruppe bildet (eine Arbeit von Bildhauer Schwanthaler). Ebenso ist auch das schöne große einmalige Hochaltarbild, darstellend den hl. Georg zu Pferde, jetzt in der Seitenkapelle. Der neue gotische Hochaltar ist keine Künstlerarbeit, sondern etwas bessere Tischlerarbeit. Die Krabben und Türmchen etc. sind nur lose aufgesteckt, und fallen leicht herab oder zerbrechen leicht. Die Statuen sind unnatürlich steif und stehen künstlerisch weit hinter den alten Statuen der Kirche. Der alte Hochaltar ist wohl sehr reparaturbedürftig. Er ist viel wurmstichig, den Engeln fehlen Fingern, Zehen, Füße, ja auch die Flügel sind gebrochen. Die Seitenausläufe des Tabernakel in Schneckenform, auf denen die großen Engel knien, sind jedenfalls erst später gemacht wurden und passen gar nicht zum schönen Barocktabernakel. Ebenso passen auch nicht die Sockel, auf denen die schönen Figuren der Kreuzi-

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