Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 23 - Begräbniszwistigkeiten Am 1. Juli starb im Schmiedleitnergraben, der in der Folge der neuen Brücke und der zugemauerten alten Straße von der grünburger Seite her beinahe abgesperrt ist, der Schuhmachergeselle, Vinzenz Jandl beim Schuhmacher Schatz. Letzterer wurde aufgehetzt die Leiche in Leonstein begraben zu lassen und erhielt auch von der Polit. Behörde trotz Protestation des Pfarramtes, das auf die üblen Folgen hinwies, die Erlaubnis. Weil der Pfarrer zur Beerdigung in Leonstein nicht sogleich einwilligte, und nur um einen Scandal zu verhüten nachgab, entstand ein Spottgedicht „vom todten Schustergesellen“, verfasst vom Steiner, dem Schreiber des Ludwig Zeitlinger in der Schmiedleiten, das von unwahren Vorwürfen strotzte zur Freude des Gesindels. Von dieser Zeit an werden gewiss auch andere in diesem Graben wohnende Pfarrkinder die Überführung ihrer Leichen an den nächstgelegen Friedhof Leonstein verlangen. Kapellenbau Am 30. September wurde nach dem Segen processionsweise zur Kapelle gegenüber der Schule hinabgezogen und dieselbe vom Pfarrer eingesegnet; die Kapelle wurde auf Anregung des Bauern am Langgute Florian Burghuber neu erbaut und sollte für die Leichenbegängnisse von Obergrünburg und Pernzell als Absetzstation gelten. Das schöne Crucifix in der Kapelle ist aus Innsbruck. Goldene Hochzeiten Im Herbst dieses Jahres feierte der alte Ladenführer Martin Felbinger und seine Frau und der Reiterer in der Pernzell unter allg. Betheiligung die goldene Hochzeit, wo zwei Männer ministrieren, die vor 50 Jahren bei der ersten Hochzeit Ministranten waren. 1878 Die hiesige brave Unterlehrerin Romana Schraffl beginnt zu kränkeln und starb am 10. Februar an Tuberkulose im 22. Jahre nach wiederholten Empfange der hl. Sterbesacramente; das Leichenbegängnis fand am 12. Februar unter großer Betheiligung statt. Am Mittwoch nach dem 6. Sonntage nach Ostern wurde das 25-jährige BischofJubiläum unseres geliebten Oberhirten auch in unserer Pfarre durch einen feierlichen Gottesdienst mit Te Deum gefeiert. „Kirchenvater“ Simon Pöllhuber gestorben. Im Juni starb der verdiente, streng konservative Zechprobst Simon Pöllhuber am Riedlhubergute in der Pernzell; er hinterließ 100 fl für den Thurmbau; statt seiner wurde Anton Mitterhuber am Humplgute in der Pernzell ernannt. Neuer Patron der Pfarre Grünburg Im Juli wurde der langwierige Process entschieden, der zwischen den Söhnen des verstorbenen Grafen Lamberg in Steyr - die aus der nichtstandesgemäßen Ehe mit einer Ökonomieaufseherstochter in Böhmen geschlossen, namens Katharina Sch. entsprossen, und der ungarischen und salzburgischen Linie geführt wurde - und zwar zu Gunsten der ungarischen Linie, deren Haupt der alte Graf Rudolf Lamberg war, dessen Tochter, welche mit

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