- 216 - Neue Glocken Schon im Frühjahr 1946 trug ich mich mit dem Gedanken durch Sammlung von Altmaterial die Beschaffung neuer Glocken anzubahnen. Wenn schon nicht so kurz nach dem furchtbaren Kriege alle 3 Glocken beschafft werden konnten, so wäre die Erwerbung einer oder zwei Glocken schon eine wertvolle Verschönerung des Gebäudes und eine bedeutende Erleichterung bei späterer Vervollständigung. Am Ostersonntag 1946 teilte ich diese, meine Gedanken, von der Kanzel der Bevölkerung mit und bat in den Häusern Umschau zu halten nach Kupfer, Bronze und Zinn. Bei der Pfarrkirchenrat-Sitzung im September 1946 wurde nun die Sache ernstlich besprochen und beschlossen ein Glockenkomitee zu berufen. Anfangs Dezember trat dieses Glockenkomitee zum ersten Male zusammen, aber es zeigte sich, dass wichtige Persönlichkeiten übersehen wurden. Am 22. Dezember 1946 trat das endgültige Glockenkomitee zur ersten beschließenden Sitzung zusammen. Es wurde unter Begeisterung beschlossen, nach einem Kanzelaufruf am Weihnachtstage, zwischen Weihnachten und Neujahr die Altmaterialsammlung von Haus zu Haus durchzuführen. Das Ergebnis der Sammlung war ein sehr erfreuliches. 377 kg Kupfer, 283 kg Bronze und 64 kg Zinn wurden gesammelt, sodaß zwei Glocken gesichert waren. Darunter waren 2 Bruchstücke der ehemaligen großen Glocke von Admont, welche im Kriege gesprengt wurde. Ein Soldat, der dabei war, nahm 2 Bruchstücke mit und Herr Ebert in Untergrünburg spendete sie für unsere Glocken. Am 29. Jänner 1947 wurde dieses Material in die Glockengießerei St. Florian gebracht und von Bevollmächtigten die Verhandlung aufgenommen. Herr Alois Koberstein, Direktor der Haunoldmühle, trat dabei dafür ein, dass gleich das ganze Geläute bestellt werde und auf Empfehlung der Glockengießerei mit erhöhtem Gewichte, wegen des schönen Klanges und versprach, er werde das fehlende Material beschaffen. So hofften wir im Juni 1947 im Besitze der neuen Glocken zu sein. Leider aber, ging nicht alles so schön, wie wir dachten. Direktor Koberstein hatte das restliche Material in Tirol, das von den Franzosen besetzt ist, aufgetrieben, aber inzwischen kamen gesetzliche Metallbewirtschaftungsvorschriften und bei Lieferung des Metalls wurde es von den Franzosen beschlagnahmt. In Folge der Bewirtschaftung war es nun schwer Metall aufzutreiben, da die meisten Bestände den Weg des schwarzen Marktes gingen und horrend teuer waren. Auch wollten wir nicht diesen dunklen Weg gehen, denn wir wollten die Glocken ehrlich erworben haben. So kamen schwere Sorgen, zumal auch eine Geldabwertung vor der Tür stand und das gesammelte Geld in Gefahr war. In dieser Situation beschloss der Pfarrkirchenrat im September 1947 vorerst nur 2 Glocken gießen zu lassen. Da, im letzten Augenblicke, gelang es durch Vermittlung des Ing. Schiffer (ein Jude!) das restliche Zinn aufzutreiben, nachdem wir Kupfer und Bronze aus Kriegsmaterial mühsam aufgebracht hatten. Nun war der Weg frei und die Freude groß.
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