- 213 - Die Führung des Volkssturmes (Herr Rieder in Untergrünburg) und die einsichtigen Offiziere brachten aber dem General endlich bei, dass weiteres Kämpfen und die Verteidigung von Grünburg sinnlos sei. Die Truppen wurden wieder abgezogen und marschierten Richtung Klaus, kehrten aber wieder zurück, jedoch ohne General. Über die Nacht zum Sonntag waren über 100 Mann verschwunden. Niemand mehr bis auf einige junge Hitzköpfe wollte kämpfen. Samstag, 5. Mai vormittags kam der Rittmeister (ein Wiener) heim und teilte uns mit: „Die Amerikaner rollen an. Ich gehe in die Berge". Alles war in Auflösung. Viele Soldaten verschafften sich Zivilkleider und verschwanden. Gegen Mittag fuhren die ersten amerikanischen Panzerspähwagen in Grünburg ein, kein Schuss fiel, die weißen Fahnen wurden gehisst. Nachmittags sah man auch in Obergrünburg die ersten amerikanischen Spähwagen. Die größte Sorge war überstanden. Grünburg war kampflos über die gefährliche Zeit hinweggekommen. Kein Menschenleben war zu beklagen, kein Haus zerstört, die Arbeitsstätten erhalten. Alles atmete auf. Nachmittags kamen auch die Volkssturmkolonnen von Klaus wieder zurück. Sie hatten Befehl erhalten nicht in die Kämpfe einzugreifen. Alles warf die Waffen weg, alles strebte der Heimat zu. Für uns war der Krieg zu Ende. Bis abends waren circa 1000 Mann Amerikaner in Grünburg und nahmen in den Häusern Quartier. Es war ein wirres Durcheinander. Die ersten Verordnungen der amerik. Militärbehörde wurden angeschlagen. Soldaten und Volkssturm marschierten auf den Straßen, Fahrkolonnen zogen dahin, alles in Sorge, wie man am besten aus diesem Wirbel herauskommt und heim. Am Sonntag mussten alle Waffen abgeliefert werden. Die Soldaten gingen aufgelöst ohne Waffen nach Grünburg ins Sammellager in Gefangenschaft; es war ja noch Krieg. Alle Häuser waren voll von Menschen und Herden durchziehender Verbände. Auch der Pfarrhof war jede Nacht voll besetzt von wandernden Volkssturmmännern und Soldaten.
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