- 211 - Im Pfarrhofe hatte ich anfangs des Krieges 2 Berliner Buben, später vorübergehend 2 Soldaten zur Erholung, und in den letzten Jahren, 2 Familien aus dem Rheinlande, eine Familie aus Steyr, eine Familie aus Neiße in Oberschlesien, und zum Schlusse noch einen Rittmeister mit Frau und Burschen einquartiert. War Österreich in den ersten Kriegsjahren von der unmittelbaren Kriegsentwicklung verschont geblieben, so hat auch diese Ruhe mit dem Näherrückens der Fronten ein Ende gefunden. Mit Beginn des Jahres 1944 begannen die feindlichen Flugzeuge auch über unseren Häuptern ihr schauriges Spiel. Von den oberösterreichischen Städten war Steyr das erste Opfer der feindlichen Bomber. Es war am 23. Februar des Jahres 1944 um die Mittagsstunde, da gab die Sirene der Haunoldmühle Fliegeralarm, und schon dröhnten die Motoren der feindlichen Bombengeschwader über uns hinweg Richtung Steyr. Wenige Minuten später war die Luft erfüllt vom Krachen der Flak und dem Donnern der explodierenden Bomben. Steyr erlebte den ersten Angriff. Viele Häuser im ganzen Stadtgebiete wurden in Trümmer gelegt. Eine Bombe ging auch in das Kaufhaus „Ecke" in der Enge, dessen Inhaber aber schon vorher vorsorglich die wertvolleren Einrichtungsstücke und Waren auswärts geschafft hatte, so auch in den Pfarrhof Grünburg. Am nächsten Tage, Donnerstag, den 25. Feb. gab es wieder um die Mittagsstunde Fliegeralarm. Wieder war die Luft erfüllt vom Brummen der Motoren, aber diesmal waren auch unsere Jäger zur Stelle, und über unseren Häuptern erlebten wir einen Luftkampf. Bald beobachtete ich einen Bomber der tiefer ging - und schon sah ich Flammen aus der rechten Tragfläche aufleuchten. Weiße Punkte zeigten sich in den Lüften; Die Besatzung war mit Fallschirmen abgesprungen, 11 Mann - und langsam schwebten sie in östlicher Richtung nieder. Das Flugzeug flog brennend weiter bis plötzlich die Tragfläche abbrach und der Bomber mit hoher Feuerfahne in acht Trümmer zerborsten in nördlicher Richtung niederging. Wieder folgte ein Angriff auf Steyr. Ein unheimlicher Höllenlärm setzte ein, gewaltiger und furchterregender als am Vortage. Diesmal waren die Steyrerwerke das Ziel und die Angreifer haben gut getroffen, die Steyrerwerke lagen in wenigen Minuten in Trümmer. Leider musste bei diesem Angriff ein Grünburger sein Leben lassen. Josef Schaffer wurde in einem sogenannten Splittergraben verschüttet und wurde am 2. März tot geborgen. Er liegt auf dem Friedhofe Grünburg begraben. Am Abend desselben Tages griffen abermals englische Flugzeuge Steyr an, aber mit wenig Erfolg. Dann hatte Steyr Ruhe bis zum Palmsonntag, den 2. April. Von Südosten kommend griffen diesmal hunderte amerikanische Bomber an und zerrstörten die Kugellagerwerke in Münichholz und, durch die künstliche Vernebelung irregeführt, wurde auch ein großes Gebiet bis nach Kleinraming verwüstet. Die abfliegenden Bombengeschwader flogen wieder über uns hinweg. Steyr blieb von da ab verschont, aber dafür kamen sie in andere Städte und Orte wie Linz und Wels.
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