- 210 - Was das heißt wusste jeder. Dabei war Grünburg noch gut, denn es konnte sich rühmen einen verhältnismäßig vernünftigen Bürgermeister und Ortsgruppenleiter der NSDAP zu haben. Der erste Bürgermeister Priller, ein Bursche ohne jedes Ansehen der noch nichts gearbeitet und von seiner Mutter erhalten wurde, hatte nur eine kurze Amtszeit. Für ihn wurde Franz Raml, Besitzer des Klemgutes in Wagenhub 22 ernannt, und dieser blieb im Amte bis zum traurigen Ende der Partei. Ortsgruppenleiter war zuerst ein Arbeiter, Großtesner aus Untergrünburg. Wegen einer Rauferei wurde er abgesetzt und an seine Stelle trat Karl Staudinger, ein junger Schreiber in der Haunoldmühle, Sohn aus dem Gasthaus Staudinger in Nikola, Gemeinde Waldneukirchen. Später rückte er ein und kurz vor Kriegsschluss kam die Meldung, dass er sich in Norwegen erschossen habe. Nach ihm übernahm der Bürgermeister Franz Raml auch die Ortsgruppenleitung der Partei. Die männliche Bevölkerung von 17 bis 50 Jahre und darüber war zum Militär eingerückt. Nur wenige Bauern und einige Parteifunktionäre, welche die Stimmung in der Heimat aufrechterhalten mussten, waren noch hier. Als Ersatz mussten Ausländer aller Nationen als Arbeiter einspringen. In der Landwirtschaft waren besonders Polen eingesetzt, Mädel und Burschen, die in ihrer Heimat wie bei Sklavenjagden zusammengefangen wurden und an die Bauern dann zur Arbeit abgehen mussten, gleichgültig aus welchen Berufen sie stammten. Sie waren vollkommen rechtlos, durften nicht einmal die Kirche besuchen und wurden bei geringster Widersetzlichkeit gemaßregelt. Einen Polen zur Beichte zuzulassen war bei strengsten Strafen verboten. Einige Polengottesdienste wurden zwar monatlich einmal gestattet, aber die Bedingungen waren wieder derart, dass sie faktisch kaum möglich waren. In Grünburg fand daher auch nie ein Polengottesdienst statt. Manche besuchten den öffentlichen Gottesdienst gegen das Verbot; ich sah sie einfach nicht und es wurde auch nie eine Anzeige gemacht. Später wurden auch Ukrainer zur Arbeit eingesetzt. Wie glaubhaft berichtet wird, wurden diese, besonders Mädchen einfach auf den Straßen zusammengefangen wie sie waren, ohne dass sie von ihren Angehörigen Abschied nehmen oder aus ihrer Wohnung noch Kleidung usw. hätten holen können, auf der Bahn verladen und verschickt. Ukrainermädchen hatten im Unterhaus ein Lager und arbeitete in der Haunoldmühle. Andere waren im Gasthaus im Feuerbach einquartiert, welche bei der Steyrtalbahn am Oberbau arbeiten mussten. Diese wurden später durch männliche Ukrainer ersetzt. Bei den Bauern waren auch viele französische Kriegsgefangene tätig, welche fast ausnahmslos sehr tüchtig und fleißig sich allgemeine Achtung erwarben. Es war ein Bild des Jammers; man fühlte sich wie ein Fremdling in seiner Heimat. Man hörte ja mehr Fremdsprach als Muttersprache und hörte man singen, waren es die schwermütigen Klänge russischer Lieder. Dazu kamen noch die vielen Deutschen die hier Zuflucht suchten, Bombengeschädigte aus den rheinischen Gegenden, besonders aus dem Kreise Düsseldorf, und schließlich 4 Transporte Flüchtlinge aus Schlesien. Auch aus unseren Städten waren viele auf das Land gezogen um vor Bombenangriffen gesichert zu sein.
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