- 209 - Inzwischen waren fast alle Klöster aufgehoben und entweiht, nur Schlierbach und Reichersberg blieben den Orden erhalten. Die klösterlichen Schulen wurden alle geschlossen. Die Jugend gehörte dem Staate. Der Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen war zwar mit Rücksicht auf die öffentliche Stimmung noch gestattet, aber vielen Priestern war aus nichtigen Gründen der Zutritt zur Schule verboten. Der Besuch des Religionsunterrichtes wurde aber den Kindern freigestellt und es durften Kinder den Religionsunterricht nur besuchen wenn die Eltern in der 1. Schulwoche schriftlich das Verlangen stellten. In Grünburg haben meist alle Kinder den Religionsunterricht beigewohnt. Es war nur mehr eine Frage der Zeit bis der Religionsunterricht gänzlich untersagt worden wäre. Auch war es vielfach ohnehin ein vergebliches Bemühen der Katecheten, gegen allen Einfluss des nationalsozialistischen Gedankengutes mit wenigen Stunden geordneten Religionsunterricht aufrecht zu erhalten. Die Lehrerschaft in Grünburg war zur Gänze vom Glauben abgefallen und war bewusst gegen das katholische Christentum tätig. Aber trotzdem konnte ich in Grünburg im Vergleich zu anderen Orten recht zufrieden sein. Die Eltern waren stramm. Wohl gab es im ersten Jahre auch hier unter einigen größeren Kindern Opposition gegen den Katecheten, aber energisches Auftreten machte diesem Spucke bald ein Ende und, da der Glaube an den Sieg langsam schwand und das Volk erkannte dass es „verführt" sei, standen auch die Kinder mehr zum Priester als zu den jungen Lehrerinnen. Auf den Kriegsschauplätzen war die Wendung eingetreten. Auf allen Kriegsschauplätzen mussten die deutschen und verbündeten Truppen zurück. Die Siegesstimmung der NAZI wurde bescheidener. Aber trotz aller Niederlagen verstand es die Propaganda die Parteianhänger an der Stange zu halten und an den Sieg hoffen zu lassen. Wir aber konnten uns einer gewissen Freude nicht erwehren, gab es doch keine andere Möglichkeit vom NAZI-Joch und Terror frei zu werden, als durch die Niederlage des 3. Reiches und damit den Nationalsozialismus. Es war ja grauenhaft und fast unglaublich welche Verbrechen und Massenmorde im Namen des 3. Reiches von Partei, Gestapo, und SS begannen wurden. Auch einige Grünburger schmachteten in den berüchtigten Konzentrationslagern. Viele Priester der Diözese waren in Haft, viele ohne jedes Gerichtsverfahren und ohne Grund, nur weil sie der Partei nicht genehm waren; und jeder musste gegenwärtig sein über Nacht von der Gestapo abgeholt zu werden; Scheingründe waren ja immer vorhanden, aber auch eine Verleumdung eines gehässigen NAZI genügte. So saß auch Dr. Karl Schellmann, Benefiziat in Neukirchen am Walde, ein Sohn der geachteten Familie in Untergrünburg 107, fast 2 Jahre im Gefängnis, weil er „verdächtig" war feindliche Rundfunksendungen abgehört zu haben. Alte Leute, die dem deutschen Volke nichts mehr nutzen konnten, oder Schwachsinnige, wurden in die Ewigkeit befördert. So wurden 2 Männer aus dem Versorgungshause Grünburg „Wurm Karl" und „Spital Hermann", wie sie im Volksmunde bekannt waren, fortgeschafft und man hat nie mehr etwas von ihnen gehört. Eine Tochter vom Langegger in Pernzell 41, zeitweise geistesgestört, starb in Brandenburg.
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