Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 208 - Die Partei beherrschte mehr und mehr das ganze Leben und wer andere Meinung zu äußern wagte, musste befürchten bei Nacht von der Gestapo, der berüchtigten allmächtigen geheimen Staatspolizei abgeholt zu werden. Man musste sich mit dieser Tatsache abfinden und man lernte langsam das Schweigen. Die Predigten wurden streng überwacht, geheim, aber auch durch lange Zeit offiziell durch ständige Anwesenheit eines Gendarmen. Die Beschränkung der Redefreiheit und die Einengung des christlichen Lebens waren ein Hauptgrund warum mein Vorgänger Pfarrer Josef Neumayer mit 1.10.1938 sich in den Ruhestand zurückzog. Mit 1.8.1938 wurde zunächst die staatsgültige Eheschließung der Kirche entzogen und mit 1.1.1939 traten die Standesämter auf allen Gebieten anstelle der bisher katholischen Matrikelführung Zunächst war im öffentlichen Leben ein gewisser Aufschwung zu beobachten, der manche mit dem Nationalsozialismus versöhnte. Die Arbeitslosigkeit hörte auf. Freilich, der Weitblickende konnte beim Ansteigen der Kriegsindustrie nicht froh werden, denn die Gefahr des Krieges stieg gespenstig empor. Das Sudetenland, die C.S.R. wurden besetzt, unter denselben Methoden und Vorwänden wie Österreich, und schon begann es zu zündeln in Polen. Wir wussten zu gut aus Erfahrung wie die NAZI es machten. Zuerst wurden Verbrechen verübt, Sprenganschläge gemacht, Zusammenstöße provoziert und wenn die Staatsautorität Ordnung machen wollte und Verbrecher eben als Verbrecher behandelte, dann wurde in die Welt hinaus geschrien: „Das Deutschtum wird verfolgt". Und so kam, was kommen musste, was man im 3. Reiche längst vorbereitet hatte: Der Krieg! Bei Nachts wurden die alten Weltkriegsdiener einberufen und nach Polen geschickt. England und Frankreich erklärten den Krieg. Polen war rasch überrannt. Die alten Wehrkriegssoldaten kehrten meist heim, dafür wurden die jungen Leute eingezogen und ausgebildet. Sieg folgte auf Sieg - wir wurden müde vom ewigen Fahnenhissen, sodaß viele sie lieber gleich hängen ließen. Die NAZI schwelgten in Siegessicherheit. Immer mehr Männer wurden eingezogen, schließlich auch die Alten und die 17. und 18.- jährigen Buben. Der Kampf gegen Kirche und Christentum ging weiter und bald zeigte sich das wahre Gesicht des Nationalsozialismus. Mit allen Mitteln wurde die Abfallpropaganda betrieben, viele sind ihr leider zum Opfer gefallen. In Grünburg sind 82 Personen aus der Kirche ausgetreten. Dürres Laub, das vom Baum fiel! Es war nicht schade um diese toten Glieder der Kirche. In manchen Orten hat die Austrittsbewegung ziemlich große Formen angenommen, so in den Städten. Das Gebiet Windischgarsten - Hinterstoder - Molln hat sich in diesen Jahren auch einen zweifelhaften Ruf erworben. Das kirchliche Leben wurde ganz in die Kirche verwiesen. Im Bezirke Kirchdorf waren in den letzten Jahren alle Prozessionen auf öffentlicher Straße verboten. Der Kreis Kirchdorf war überhaupt in kulturkämpferrischer Hinsicht immer an der Spitze.

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