- 207 - Wir waren sprachlos als die Worte aus dem Lautsprecher klangen: „Wir weichen der Gewalt! Gott schütze Österreich". Die Klänge der österreichischen Bundeshymne waren der Abschiedsgruß um das freie hoffnungsfrohe Österreich. Schon meldet die Schweiz den Einmarsch deutscher Truppen in Österreich, angeblich um „das Deutschtum in Österreich zu schützen". Wir gingen auseinander, gedrückt, traurig. Schon sah man braune Uniformen auf der Straße. Auf dem Heimwege trösteten wir uns mit dem Gedanken: Vielleicht waren doch manche Berichte vom Nationalsozialismus übertrieben; es wird auch im neuen Staate einen modus vivendi geben. Niemand ahnte, dass diese Nacht der Anfang einer so furchtbaren Zeit, so furchtbaren Elends, und eines so vernichtenden Krieges werden sollte. Die NAZI triumphierten. Am 12.3.1938 (Samstag) wehten schon Hakenkreuzfahnen von manchen Häusern. Am Vormittag dröhnte die Luft von den hunderten Flugzeugen, die vom Reich herkommend über uns hinwegbrausten. Mir klang das Dröhnen lange noch in den Ohren und ich musste immer daran denken, wenn später die amerikanischen Luftgeschwader über uns dahinzogen. Am 13.3. (Sonntag) kam Hitler selbst nach Linz, umjubelt von den Nationalsozialisten, die aus dem ganzen Lande dort zusammen kamen und von vielen, die von diesem Taumel mitgerissen wurden. Vom Rathaus in Linz verkündete Hitler offiziell den Anschluss Österreichs an Deutschland. Alle Ämter wurden von Nationalsozialisten besetzt. Der Bürgermeister in Grünburg Johann Traunmüller, ein nationalgesinnter aufrechter Mann wurde noch in der Nacht von 11. auf 12. März seines Amtes enthoben und Priller Rupert aus Obergrünburg, ein 27-jähriger Bursche, zum Bürgermeister bestellt. Die führenden Persönlichkeiten der vaterländischen Front wurden verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Sternberger Rudolf von Obergrünburg 122 und Hermann Raberger, zwei stramme christlich deutsche Turner, wurden 3 Wochen in Haft gehalten weil die Partei vermutete sie hätten Waffen verborgen. In der Übergangszeit war es dann ziemlich ruhig, wohl auch mit Rücksicht auf die Abstimmung am 10.4.1938 damit der Hitler seinen Gewaltstreich rechtfertigten konnte. Diese „freie" Volksabstimmung, bei der zu beiden Seiten der Wahlzelle ein SA Mann als Beobachter stand, ergab 99 % Ja-Stimmen für Hitler. Bald begann nun die neue Zeit sich auszuwirken. Alle christlichen Vereine und Organisationen wurden aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt. (Volksverein, kath. Frauenorganisation, kath. Burschenverein, Gesellenverein, christl. Turnverein, und schließlich auch religiöse Vereine wie Mädchen Kongregation usw.).
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