- 206 - 7 Jahre Nationalsozialismus in Österreich. Der II.Weltkrieg 1939 bis 1945 Der 2.Weltkrieg ist zu Ende. Der Chronist hat es unterlassen in den vergangenen Jahren seit der Besetzung Österreichs durch deutsche Truppen am 11. März1938, über die politischen Ereignisse und deren Auswirkung auf die engere Heimat und das Pfarrgebiet Grünburg zu berichten; einerseits um am Schlusse ein zusammenfasendes Bild zu geben, andererseits weil es für den Chronisten sehr gefährlich hätte werden können die wirkliche Wahrheit zu berichten. Es ist auch nicht die Aufgabe und auch nicht die Absicht des Chronisten ein Kapitel der Weltgeschichte zu schreiben, sondern einen Bericht der Nachwelt zu überliefern, wie weit sich diese furchtbare Zeit auf das Pfarrgebiet Grünburg ausgewirkt hat. Die nationalsozialistische Partei entfaltete auch in Grünburg in der Zeit des Verbotes von 1934 bis 1938 ihre rege Tätigkeit. Einige Intelligenzler - mehr Halbgebildete, und eine Zahl durch Propaganda und Geld verführter junger Burschen und Mädel bildete die illegale NSDAP (nationalsozialistische deutsche Arbeiter-Partei). Ältere Leute, insbesondere Hausbesitzer, Geschäftsleute, Bauern und einfache Arbeiter ließen sich nur wenige irreführen und auch im Orte Untergrünburg waren nur ganz vereinzelte Häuser Mitglieder der Partei. Die Partei aber verstand es, durch ständiges Provozieren den Eindruck einer gewissen Stärke zu erwecken. So wurden immer wieder Hakenkreuze gemalt und gestreut, Hakenkreuzfahnen aufgezogen, in den Bergen Hakenkreuze abgebrannt, Papierböller geworfen usw. Zu dieser Tätigkeit wurde besonders die Jugend missbraucht, welche für Taten reichliche Prämien aus dem Reiche erhielt (1 Papierböller werfen = 20 Schilling). Die Partei kam aber auch auf diese Weise nicht zum Ziele, denn die breite Masse des Volkes ließ sich nicht täuschen. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam im Frühjahr 1938 die Nachricht: Schuschnigg ist bei Hitler in Berchtesgaden. Bald drangen Gerüchte durch, dass der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg mehr oder weniger als Gefangener behandelt wurde, um ihm Zugeständnisse abzuzwingen. Die NAZI wurden frech; die hatten im geheimen ja schon die Zusicherung: Hitler werde eingreifen. Da kam der Aufruf zur Volksabstimmung durch Schuschnigg in einer Rundfunkansprache von Innsbruck aus. Alle Einsichtigen ahnten, dass die Lage ernst sei. Die Abstimmung am 13. März 1938 wäre zweifellos für die österr. Regierung günstig ausgefallen. In aller Eile - es waren ja nur einige Tage zur Verfügung, wurden die Vorbereitungen zur Wahl getroffen. Am Freitag, den 11. März 1938 abends fand im Gasthaus Rieder in Untergrünburg eine Versammlung der Vertrauensleute der vaterländischen Front statt. Immer wieder tauchten schon Gerüchte auf: Die Abstimmung werde nicht stattfinden! Verschiedene Meinungen, nichts Gutes, wurden immer wieder im Rundfunk berichtet. Der schweizerische Sender gab zwischendurch ständig Meldungen und Berichte über Truppenbewegungen an der deutsch-österreichischen Grenze, bis - wir konnten es alle nicht fassen - Bundeskanzler Schuschnigg die Volksabstimmung absagte. Bald darauf verkündete er seinen Rücktritt.
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