Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 20 - 1876 Dieses Jahr beginnt mit einem traurigen Todesfall, des edlen, recht katholischen Bezirksrichters Franz Seraphius Krenn. Derselbe hatte am 3. Jänner abends bei seiner gewöhnlichen Tischgesellschaft sich noch recht gut unterhalten, trank des Abends vor dem Schlafengehen wie sonst seinen Tee, und um 4 morgens fand ihn sein Töchterchen Marie tot im Bette. Eine allgemeine Trauer erweckte dieser Tod. „Der gute Bezirksrichter ist gestorben", hieß es in jedem Munde. Tiefreligiös gab er durch Kirchenbesuch und Empfang der hl. Sacramente ein erhebendes Beispiel dem Volk und auch seinen Beamten. Im Jahre 1870 wurde er für den oberösterreichischen Landtag candidiert von den Konservativen, deren Grundsätze er vertheidigt unbekümmert ohne Spott und Tadel. Er hatte zur Frau eine Tochter des Schulleiters von Steinbach Joseph Waldeck, dessen Söhne - Franz, Professor der Exegese in Linz (+ 1864) - Fritz, ein Jesuit (später ausgetreten) - Josef, Lehrer in Steinbach, als Schulleiter in Ottensheim (+) - Karl, Domorganist in Linz - waren. Das Leichenbegängnis am 7. dieses Monaths war großartig - die Thränen, die aus allen Augen so bitter flossen geben Zeugnis von der Liebe, der sich der Verstorbene erfreute. Der hochwürdige Herr Dechant, die Pfarrer von Molln, Leonstein, Hr. Cooperator von Steinbach, Pieslinger - zwei Herren Professoren von Kremsmünster wohnten der Leichenfeier bei. RIP. 6. Jänner In Steyr brannte der Stadtpfarrturm ab. Am 11. Februar starb die Schneiderswitwe Elisabeth Ginstl, die durch 9 Jahre ununterbrochen mit von der Gicht verkrümmten Händen und Füßen voll Geduld darniederlag, von ihrer Tochter gepflegt. Am 11. März begannen die Beichtlehren; in dieser Quatemberwoche wurde die Korn und Hafersammlung eingehoben. Am 7. Mai wurde verkündet: Wie am Tage der Beichtlehren für die Verheirateten gesagt wurde, bedarf unsere Kirche und der Thurm einer gewaltigen Reparatur, diese kann nur durch mehr Beiträge geschehen; wer also die Liebe und Anhänglichkeit an seine Pfarrkirche hat, wird zu einem frommen Beitrage eingeladen und zu diesem Zwecke in dieser Woche zu sammeln aufgefangen. In der Wagenhub ging der Salzbichler, Franz Richter - in der Pernzell der Riedlhuber, Simon Pöllhuber - in Obergrünburg Heinrich Sommerhuber; für Untergrünburg wurde wegen der schlechten Industriegeschäfte die Sammlung aufgeschoben. Die Sammlung ergab circa 1000 fl, welche sogleich im Volkscredit eingelegt wurden. In der Bittwoche wurde die Procession in der gewöhnlichen Ordnung abgehalten.

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