- 198 - Am 2. Juni erwarb der Ortspfarrer käuflich das Haus № 188 in Untergrünburg von Herrn Goldmann in Wels um einen Kaufpreis von 8.000 Schilling und ließ als neuen Besitzer das kirchliche Pfarrarmeninstitut in Grünburg anschreiben. Das Haus wurde im Jahre 1931 im Auftrage eines gewissen Herrn Graf, Beamter in der Haunoldmühle erbaut. Da dieser „Graf" außer einer Anzahlung von 100.- für den Bauplatz nichts zahlen konnte, verblieb das Haus dem vertrauensseligen Baumeister, der von Herrn Goldmann zur Auszahlung der Arbeiter ein Darlehen aufgenommen hatte. Dieser drängte auf Bezahlung seines Guthabens und erstand das Haus bei der Versteigerung. Der Bau des Hauses kostete rund 23.000 Schilling. Daher erschien es dem Pfarrer als besondere Gelegenheit dasselbe um 8.000.- zu erwerben; außerdem ist das Haus bis zum Jahre 1961 steuerfrei. Es war ein @@@@@ Zahnarzt dran dasselbe zu erwerben um mit seiner Lebensgefährtin, einer katholischen geschiedenen Frau, sich darin niederzulassen, was der Ortspfarrer durch den Ankauf dieses Objektes am besten verhindern konnte. Freilich kommen zu obengenannter Kaufsumme noch verschiedene, nicht unbedeutende Auslagen wie z.B. Übertragungsgebühren, Notariatsgebühren, Vermittlungsgebühren, ferner Anschaffung eines neuen eisernen Gartengitters, sowie zweier neuer Türen für Keller und Waschküche, eines Kellerfensters, einer Falltür für den Dachboden, Verschlagen und Anwerfen einer Mansarde, tiefer legen der Wasserleitung und Anschaffung einer neuen Messingpipe, Neuherstellung sämtlicher Schlüssel und andere Reparaturvervollständigungen. Das Haus wurde im Volksmunde "Graf-Villa" genannt, obwohl es niemals, auch nur zum Teile, Eigentum des Herrn Graf war. Es soll daher in Zukunft diese Bezeichnung verschwinden und das Haus, das unter den besonderen Schutz des hl. Josef gestellt wurde, nur mehr „St. Josef" heißen. Es war die Absicht des Pfarrers das Haus für eine Kinderbewahranstalt zu verwenden. Da aber die einzelnen Räume des Hauses viel zu klein erschienen, wird es vorläufig als Heim der Caritas-Schwestern von Grünburg benützt, welche Sommerfrischler, besonders Mitglieder der Kongregation, zur Erholung aufnehmen. Am 13. Juni starb nach langjährigem Leiden Frau Katharina Schoßthaler, Bäuerin am Steinleitnergute in Pernzell № 70. Sie war eine musterhafte Mutter, eine große Wohltäterin der Kirche und eine liebevolle Gönnerin der Geistlichkeit. Es hat sich im Klerus das Wort herausgebildet: Wer nicht in „Steinleiten" war, war nicht in Grünburg. Genannte Frau hat unter anderem den besseren schwarzen Vespermantel für die Pfarrkirche gewidmet, ferner allen Primizianten dieser Pfarre ein eigenhändig gefertigtes wertvolles Rochett zum Primizgeschenk gemacht. Vielen Kaplänen war sie eine besorgte Mutter, so dass ihr Haus ihnen eine zweite Heimstätte wurde. Zur Beerdigung waren außer der Ortsgeistlichkeit noch erschienen: Die hochw. Herren Johann Eibl, Pfarrer in Zell am See, Dr. Carl Schellmann, Lehramtskandidat in Graz und Michael Hierzenberger, Kooperator in Liebenau, viele andere hochw. Herren, die persönlich nicht erscheinen konnten haben ihre Kondolenz in tief bewegten Worten schriftlich zum Ausdrucke gebracht. Der Ortspfarrer hielt ihr in der Kirche einen warmen Nachruf und feierte an ihr besonders das Priestermutterherz. Der Herr über Leben und Tod wird der guten Steinleitnerin, die ihr langjähriges Leiden mit beispielloser Geduld ertragen hat, den verdienten Lohn nicht vorenthalten.
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