Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 194 - glücklich, dass er sich eine schwere Verletzung des rechten Oberarms und der rechten Schulter zuzog. Am 27. Juni 1936 hat sich in der Nähe des Baumgartnerhäuschens in der Wagenhub der Pappenfabrikarbeiter Matthäus @@@@@ an einem Baum aufgehängt. Die Ursache dieses Selbstmordes dürfte in materiellen Schwierigkeiten zu suchen sein, da ihm vom Verdienste Alimente für 3 Kinder abgezogen wurden, und so fast nichts übrigblieb. Da der Arzt Sinnestrübung als Motiv bezeichnete, wurde ihm ein einfaches kirchliches Begräbnis bewilligt. Anlässlich des Todestages, des am 25. Juli 1934 verstorbenen Märtyrerkanzlers Engelbert Dollfuß, wurde für denselben in unserer Pfarrkirche ein hl. Requiem celebriert. Das Libera wurde beim Kriegerdenkmal gehalten. An dieser Trauerfeier nahmen Vertreter der Behörden und Vereine teil. Von 15:20 h bis 15:40 h wurde mit allen Glocken geläutet zum Andenken an die Sterbestunde des Kanzlers. Vom 24. Juli 18 h bis 25. Juli 18 h waren die Trauerfahnen ausgehängt und von 20:30 h bis 21:30 h die Häuser beleuchtet. War der 25. Juli für ganz Österreich ein großer Trauertag als Gedächtnis des Todes unseres Bundeskanzlers, so war Sonntag der 26. Juli ein großer Freudentag für Grünburg, galt es doch das 40-jährige Priesterjubiläum des Ortspfarrers zu feiern, der schon mehr als 21 Jahre in Grünburg gewirkt. Die Festfeier war so großartig, dass es sich der Pfarrer niemals so erwartet hätte, und er war umso mehr überrascht, als er bis zum Festtage keine Ahnung hatte von den zahlreichen Veranstaltungen und Ovationen. Am Vorabend war bengalische Beleuchtung der Pfarrkirche und großes Feuerwerk mit Raketen auf der Wiese neben dem neuen Friedhofe. Beim Pfarrhofeingang war ein Transparent mit einem großen weißen sichtbaren „40" und bei der Haustüroberlichte ein solches mit der Inschrift „1896 Ein Hoch dem Jubilar 1936". Kirche und Pfarrhof waren reich mit Kränzen und Blumen geschmückt, Triumphbögen waren errichtet. Böllerschüsse verkündeten weithin den Beginn des Festes. Die Feuerwehren von Grünburg und Haunoldmühle und Wagenhub unter Vorantritt der Musik marschierten mit Lampions und Fackeln beim Pfarrhofe auf. Nach einem Ständchen der Musik brachten die Kommandanten der Wehren, Herrn Winkler, Direktor Koberstein, Großteßner und Schimpfhuber ihre Glückwünsche zum Ausdrucke. Der Jubilar dankte und lud die Musik und Feuerwehren auf einen Dämmerschoppen ins Unterhaus. Von den hochw. Herren waren gekommen: Als Festprediger der Firmling des Jubilares Hochw. Herr Dr. Josef Häupl, Philosophieprofessor, der von Unterach angereist ist; der H.H. Stadtpfarrer von Zell am See in Salzburg, hochw. Herr Johann Eibl, ein alter Grünburger, der 1917 hier seine Primiz feierte, und H.H. Johann Preis, Pfarrer in Aurolzmünster, ein ehemaliger Cooperator von Grünburg, und H.H. Carl Schellmann, Lehramtskandidat in Graz, und zur nachmittägigen Feier H.H. Dechant Alois Flieher von Molln, H.H. Pfarrer Litzenfellner von Steinbach und H.H. Pater Virgil Petermayr Pfarrer in Adlwang.

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