Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 191 - Aushilfe leistete in zuvorkommender Weise H.H. Dr. Josef Grosam als Studiencollege und langjährigen besonderen Freund des Pfarrers. Eine schöne Jubiläumsgabe für unsere Pfarrkirche und zugleich eine nicht geringe Anteilnahme an der sogenannten Arbeitsschlacht war die kunstgemäße Renovierung des barocken Altars in der Kapelle (einst Hochaltar) mit der Kreuzigungsgruppe von Schwanthaler. Dieser sehr schöne Altar musste in den neunziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts als ein Opfer der sogenannten „gotischen Krankheit", die auch den damaligen Pfarrherrn von Grünburg nicht verschonte, dem jetzigen sogenannten gotischen Hochaltare weichen. Derselbe ist aber nichts anderes als eine bessere Tischlerarbeit des Tischlermeister Anton Sigel von Waldkirchen am Wesen. Man hätte wohl besser getan, wenn man damals das Geld für eine entsprechende Renovierung des schönen alten barocken Altars verwendet hätte. Leider ist das nicht geschehen, sondern man hat ihn in die Kapelle gestellt und ihm seinen weiteren Schicksale überlassen. Hier hat nun der Holzwurm fleißig an ihm genagt und was der nicht zerstören konnte, das hat der alte Mesner, oder ein sonst kunstsinnloser Mensch an ihm verbrochen. Man hat Schuhnägel und andere schmiedeeiserne Nägel in den Altar und in die Engel und Figuren eingeschlagen, man hat mit Draht die Flügel zusammengehängt, mit Leim alles verpickt, mit Bronze angestrichen, bemalt, Finger- Zehen- und Flügelteile, ja ganze Füße abgebrochen usw. - mit einem Wort unglaublich verwüstet. Da hat sich der Pfarrer, der unter so schonungslose Menschen gefallene war, erbarmt und hat den Altar kunstgerecht renovieren lassen. Zuerst wurde der Altar, um ihn vom Holzwurme zu befreien, dem Ludwig Exler in Linz, Johann-Konrad-Vogl-Straße 15 als Vertreter der BlausäuereVergasungen in OÖ. anvertraut. Diese Entwurmung geschah in der Totenkammer von 15. bis 24. Februar. Nun musste der Altar und sämtliche Figuren, Engel und Verzierungen, kurz Alles bis aufs Holz bloßgelegt werden, was eben durch die unverständige Beklopfung und Beschmierung mit Bronze sehr viel Mühe und Zeit erforderte. Dann konnte erst darangegangen werden die fehlenden und gebrochenen Teile zu ersetzen.

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