Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 19 - würdigste Bischof, der mit Canonicus Baumgartner und Dechant Purschka ankam, von mir und dem Herrn Cooperator Mair empfangen und begrüßt; es war stockmauerfinster und regnete; im Schritte fuhren die Pferd den Wagen bis zum Pfarrhof - begleitet von nur zwei Fackelträger und etlichen Neugierigen - beim Pfarrhof stieg der H.H. Bischof aus, segnete alle, worauf ein Fackelträger, der edle, herzensgute, kindlich naive Krämer am Platze - Georg Kronegger sagte: „Gute Nacht, Herr Bischof!" Der Bischof lächelte, erwiderte freundlich den Wunsch, nahm etwas Suppe zu sich und zog sich zurück. Derselbe wohnte im Zimmer des Pfarrers; Canonicus Baumgartner schlief im Fremdenzimmer - der Dechant im Cooperatorzimmer, ich und Cooperator im Speisezimmer, der Bediener im Archiv, der Kutscher blieb mit den Pferden im Unterhaus; meine Schwestern Fanni und Resi in der Küche. Bei Nacht fiel Canonicus Baumgartner im Bette durch, was einen großen Lärm verursachte. Am 13. October um 6 Uhr celebrierte Canonicus und Dechant und Cooperator die hl. Messe. Regen und Schnee, kalt, die umliegenden Berge schneeweiß; um 7 Uhr vom Pfarrhof weg Einzug in die Kirche; der Herr Pfarrer von Steinbach war hier, die Gemeindevertretung, Schulkinder, weiße Mädchen, die beiden Herren Pfarrer von Molln und Leonstein kamen auch. In der Kirche las der Hochwürdigste die hl. Messe unter Gesang des Volkes. Dann frühstückte er und hielt die Predigt über die erste Christengemeinde in Jerusalem und wie jede christliche Gemeinde sein soll; nach der Predigt ward die Firmung an ca. 400 ertheilt. Nach der Firmung las ich die Schlussmesse, und um ½ 12 Uhr zogen wir wieder in Procession zum Pfarrhof. Empfang des Hrn. Bezirksrichters Kren, des Bezirksvorstehers Scherer, des Grafen Salburg, der Gemeindevertretung. Untersuchung der Kirchenrechnung und Stiftbriefe. Um 2 Uhr einfaches Mittagsmahl, bestehend aus Suppe, Bratwürsten mit Kraut, garniertes Rindfleisch, Hasenbraten, Enten, Torte, Kaffee; nach dem Speisen Vorstellung des Klerus; Ernennung des Pfarrers und Cooperator, ich bewunderte die Güte und die Liebenswürdigkeit des Bischofes. Um 3 Uhr Abfahrt nach Waldneukirchen, in Untergrünburg besuchte noch der Hochwürdigste den Gemeindevorsteher und den Bezirksrichter. Not. Beim Trocknen der nassen Schuhe des Bischofes wurden dieselben unvorsichtig verbrannt. Multa bona invenit in Grünburg - Verba Epp. rev. in libro baptismali. Im Sommer am Anfang des Herbstes hielt sich hier zur Sommerfrische Dr. Friedrich Eichhorn von Linz samt Frau und Söhnlein auf; ein biederer ehrlicher Schwabe. Seine Frau stickte zur Kirche zwei schöne weiße Polster. Im October wurde in Steinbach von den H.P. Jesuiten in Steyr eine Mission abgehalten, der natürlich auch von unserer Pfarre viele beiwohnten. Wir beide, Coop und Pfarrer, leisteten im Beichtstuhl Aushilfe.

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