Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 178 - Da nahm sich der Ortspfarrer und der Direktor der Haunoldmühle, Herr Alois Koberstein, der Sache an. Dieser sorgte für die Freimachung des Amtsraumes im Unterhause und stellte zweimal das Auto zur Verfügung und fuhr selbst mit H. Bürgermeister und Ortspfarrer zur Direktion nach Linz. Dem Ortspfarrer kamen bei diesem wichtigen Schritte sowohl bei der Direktion in Linz als auch bei der Generaldirektion in Wien seine Verbindungen mit einstigen Studienkollegen, die sich jetzt in einflussreichen Stellungen befanden, zu Gute. Noch im Juni 1930 war die Errichtung des Postamts bewilligt. Da auch an die Gemeinde eine von allen Behörden in Obergrünburg und von allen Standesvertretern gezeichnete Eingabe gemacht wurde, die Kosten von 1.500-1.800 Schilling zu übernehmen, konnte sich auch diese nicht mehr länger dem Projekte widersetzen obwohl die Untergrünburger zum Großteil verneinen, allein ein Recht auf ein Postamt zu haben. Bei der feierlichen Eröffnung, zu der der Pfarrer die Schulkinder als Zeugen kommen ließ, und eine ziemliche Anzahl der Interessenten erschienen war, sprach Herr Präsident Almoslechner über die Bedeutung eines Postamtes für seine Umgebung. Der Ortspfarrer dankte in seiner Ansprache allen die sich um das Zustandekommen verdient gemacht haben, insbesondere der Postdirektion, der Haunoldmühle und ihrem Herrn Direktor, dem Hausherrn Franz Neuhauser, H. Fischlmayr und Baumann, und nicht zuletzt der Gemeinde. Hierauf wurde die Gedenkschrift unterfertigt und dem Generaldirektor in Wien ein Gültigkeitstelegramm geschickt. Der 1. Rec. Brief ging vom Pfarramte an das bischöfliche Amt mit der Anzeige der Eröffnung des neuen Postamtes. Vom 1. November 1930 bis 31. März 1931 wird das erstemal ein Curs für landwirtschaftliche Fortbildung unter Leitung des Herrn Oberlehrer Macho gehalten. Den Religionsunterricht im Ausmaße von 8 Stunden, honoriert mit je 3 Schilling, hält der geistliche Herr Johann Huber. Volksbewegung im Jahr 1930: 50 Taufen, 7 Kopulationen, 26 Sterbefälle. Am Sonntag vor Weihnachten hielt der kath. Arbeitsbund in Herrn Matthias Schellmanns Gasthofe seine erste Christbaumfeier ab. H.H. Pfarrer als geistl. Beirat hielt eine Ansprache, die Kinder brachten mehrere Gedichte zum Vortrag und ein Weihnachtsstück zur Aufführung, die Mitglieder und deren Kinder wurden mit Lebensmittel beschenkt. Der Brunnen bei der Stiege ist Eigentum der Kirche. Die Kirche zahlt laut Kirchenrechnungen durch lange Jahrzehnte dem Riedlhuber, Pernzell 82, einen jährlichen Anerkennungszins. Den jetzigen Brunnengrander hat hochw. H. Pfarrer Georg Fierlinger machen lassen. Es ist auch sein Name G.F. ersichtlich. Die 3 Häuser 122, 123 und 124 (jetzt Sternberger, Matthias Schellmann und Lirk) haben laut Brunnenbücherl vom Jahre 1797 um das Trinkwasser aus diesem Brunnen alljährlich zum neuen Jahr beim Pfarramte bitten müssen und diese Liste eigenhändig im Brunnenbüchel fertigen müssen, damit kein Recht daraus wurde. Die Erhaltung des Brunnen - die Leitung ist sehr lange - geschah in der Weise, dass die Kirche gewöhnlich das Material (Lärchenholz) und die ob genannten Interessenten-Bittsteller die Arbeit leisteten. Da nun durch die Inflation die Kirche ihr ganzes Vermögen verloren hat (6.200 K = 62 Groschen), so kann sie unmöglich die Kosten für das Material auf sich nehmen.

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