Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 163 - Altsängerin am Grünburger Kirchenchor. Seit ihrer Jugend sang sie alle Sonn- und Feiertage in der Pfarrkirche Grünburg zu Gottes Lob und Preis. Der Herr selbst wird ihr überaus großer Lohn sein. Zu Allerheiligen 1927 wurde als Bodenbelag für die Kirche ein Kokus-Teppich um den Betrag von 360 Schillinge angeschafft; geliefert von der Firma Katschthaler in Wien. Zuzüglich wurde ein neuer Altarteppich um 100 Schilling angeschafft. Am 4. November erkrankte der Ortspfarrer plötzlich an einen sehr heftigen Ischias, sodaß er über einen Monat das Bett hüten musste und bis Weihnachten nicht celebrieren konnte. Zum Feste Maria Empfängnis leistete der hochw. Herr Katechet Egger von Steyr über Verwendung des mit hochw. Herrn Canonicus Strobl seelsorgliche Aushilfe, vermutlich auch im Beichtstuhle. Am 25. Dezember starb im Schlosse Veichta zu Obergrünburg (Oberösterr. Landgut) der hochwohlgeborene Herr Gustav Thomas Graf Schmidegg Sar Ladany. Derselbe wurde mit Bewilligung des Pfarramtes Grünburg auf dem Friedhofe in Leonstein beerdigt. In der Pfarrkirche Grünburg wurde für ihn ein Requiem am 3. Jänner 1928 gehalten. Graf Schmidegg war lange Bezirkshauptmann in Kirchdorf und als solcher allgemein sehr beliebt. Im Jahre 1906 ging er in Pension und ließ sich dauernd im Schlosse Veichta (damals dem Grafen Salburg gehörig) nieder. Während und nach der Kriegszeit machte sich H. Graf Schmidegg sehr verdient um die Kriegswitwen und Waisen. Er war auch Präsident der Ortsgruppe Grünburg des Krieger-Witwen und Waisenvereins von der Gründung bis zu seinem Tode. Ehre seinem Andenken! Am Weihnachtstage, während des Frühgottesdienstes, heulte die Sirene vom Turme der Haunoldmühle. Es brannte das Presshaus der Nußgrub in Wagenhub 9. Sämtliches Inventar in diesem Gebäude fiel dem Feuer zum Opfer: Mostreibe, Pressen, 12 Spindeln, 10 Eimer Futter, einige Wägen, Laden und dergleichen. Brandursache unaufgeklärt. Wahrscheinlich Brandlegung. Durch das rasche Eingreifen der haunoldmühler Feuerwehr wurde das Wohnhaus gerettet. Für die Abbrandler wurde am Neujahrstage ein Opfergang abgehalten, welcher 120 Schilling eintrug. 1928 Am 3. Jänner 1928 starb in Obergrünburg die Sensenwerksbesitzerswitwe Frau Maria Zeitlinger, 80 Jahre alt. Aufgrund ihrer letztwilligen Anordnung wurde Sie nach Steyr zur Veräscherung überführt. Die Frau war nicht offiziell aus der kath. Kirche ausgetreten, konnte aber wegen ihrer ausdrücklichen Anordnung ein kirchliches Begräbnis nicht erhalten. Der altkatholische Religionsdiener nahm die Aussegnung beim Sterbehause vor und begleitete die Leiche nach Steyr. Dortselbst fand nach der Verbrennung eine Leichenfeierlichkeit in der protestantischen Kirche statt. Frau Zeitlinger hat die traurige Berühmtheit die Erste aus der Pfarre Grünburg zu sein, die, die von der katholischen Kirche so streng verbotene, Feuerbestattung wählte. Am 17. Jänner feierte Herr Leopold Fischlmayr, Stationsleitner im Unterhaus, Ortsschulratsobmann, Gemeindeausschuss, und Obmann der Sektion Grünburg des Deutsch-Österr. Alpenvereins mit seiner Gemahlin das Silberne Ehejubiläum. Sowohl bei der kirchlichen

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