- 157 - mit einer Vertretung der Schulkinder, eine Deputation der Frauenorganisation mit ihrer Obfrau Maria Schellmann, eine Vertretung der mar. Jungfrauenkongregation, Abordnungen des kirchlichen Volksvereins und Bauernbundes und eine ziemliche Volksmenge aus der Nähe. Die Nichte des hochw. Herrn Primizianten, Agnes Schmiedinger, trug ein Begrüßungsgedicht recht lieb vor, wobei der Ortspfarrer den Neupriester im Namen der Pfarrgemeinde begrüßte und auf die Wertschätzung des Priestertumes von Seite des geistlichen Volkes hinwies. Es folgten dann noch kürzere Begrüßungsworte von Seite der Spitzen der einzelnen Deputationen, worauf der Gefeierte in gewählten und eindringlichen Worten für den schönen Empfang seinen Dank aussprach. Mit dem H.H. Primizianten waren noch zwei ungeweihte Priester gekommen: H.H. Ansorge von Steyr, Vorstand, und Anton Lumetsberger von Mitterkirchen und einige Herrn Alumnen. Im Pfarrhofe wurden den Herrn vom Klerus eine Jause verabreicht, womit die Feier ihren Abschluss fand. Trotz des Regens ließ es sich die Bevölkerung nicht nehmen abends einen Fackelzug zu veranstalten und ein Feuerwerk abzubrennen. Besondere Bewunderung erregte ein herrliches Transparent mit Priesterinsignien und Sinnsprüchen - verfertigt vom Stationsleiter Herrn Traunfellner - welcher im Pfarrhof über der Eingangstür am Kanzleifenster prangte. Am Festtage selber hatte der schon monatelang dauernde Regen doch soweit ausgesetzt, dass man den Einzug in die Kirche und den Auszug ungestört halten konnte. Vor dem Pfarrhofe gruppierten sich zahlreiche Festgäste und reihten sich in den Festzug. Der Klerus war wegen des Sonntags nicht gar so stark vertreten. Die herrliche Primizpredigt über das Wirken des Priesters hielt hochw. Herr Alois Samhaber, Coop. in Natternbach. Der Musikchor, verstärkt durch einige Herrn Alumnen, dirigiert vom Herrn Oberlehrer Macho, leistete Vorzügliches. Die Pfarrkirche war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt und konnte alle Teilnehmer nicht fassen. Als Primizkurat fungierte Karl Aigner, das Söhnlein der hiesigen Bürgermeisterseheleuten Georg und Maria Aigner, in recht lieblicher Weise. Beim hl. Amt assistierten dem Neupriester: H.H. Ansorge und Lumetsberger, und als Presbytantsassistent der Ortspfarrer. Beim Auszug gab es ein großes Gedränge, weil sich die Leute nicht Zeit ließen; viele drängten durch die Sakristei hinaus. Auch die Gruppe der „Goldhauben" konnte es nicht erwarten bis sie daran kamen beim Auszuge. Und als der Pfarrer vorwurfsvoll an die Frauen mit den Goldhauben die Frage stellte: "aber warum gehen Sie denn durch die Sakristei?", erwiderte die sonst so ehrfürchtige Frau Maria Brandhuber in Obergrünburg 143 im Festschmucke der Goldhaube: „damit's Ihnen ärgern können!" Die Bauernbundmitglieder, welche ihren Platz in der Empore auf der Epistelseite hatten, folgten beim Auszuge ihrer eigens von Waldneukirchen ausgeliehenen Fahne nicht mehr, sodaß der Obmann H. Gaspelmayr mit einigen Männlein allein als Gruppe „Bauernbund" blieb. Dass er für diesen Verstoß auch den Ortspfarrer beschuldigte war nicht recht. H. Bezirksobmann hat das zwar eingesehen, aber doch die Kündigung seiner Obmannstelle aufrecht erhalten. Im Pfarrhofe war die offizielle Beglückwünschung durch den Klerus und eine unendliche Aufsagerei von Gedichten von weißen Mädchen, wobei nur die allernächsten etwas verstehen konnten. Sämtliche Kinder erhielten von der Kath. Frauenorganisation ein Kipfel. Die mar. Jungfrauenkongregation von Grünburg und Steinbach wurden vom Pfarrer mit einem Frühstück - Kaffee und Brot - bewirtet. Dann ging's in die einzelnen Wirtshäuser zum Mahle.
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