Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 150 - Am Sonntag, den 26. Juli hatte die Fabriksfeuerwehr der Haunoldmühle eine Übung mit der neuen Motorspritze. Als Brandobjekt galt die Pfarrkirche. Die Spitze brachte das Wasser vom Tiefenbach bis über das Kirchendach, aber nicht über den Turm. Am 26. Juli feierte der liebe Nachbar in Leonstein, hochw. Herr Matthias Parzer sein 25jähriges Priesterjubiläum. Am Vorabende 17 Höhenfeuer, Fackelzug, Gratulation und Überreichung einer goldenen Taschenuhr als Jubiläumsgeschenk der Pfarrgemeinde Leonstein. Am Festtag feierlicher Kirchenzug, Festpredigt gehalten vom Regens des Priesterseminars in Linz, ehrwürdigen hochwürdigen Herrn Dr. Wenzl Grosau und assistiertes Hochamt unter zahlreicher Beteiligung des Dekanatsklerus und der Pfarrholden von Leonstein. Von 17. bis 19. August machte der Ortspfarrer eine Wallfahrt nach Maria Zell. Am 18. August war dortselbst ein infuliertes Kaiseramt, gehalten von Hochwst. Herrn Abt in St. Lamprecht mit großer Assistenz. Bestellt war das dasselbe von Herrn Krupp, Fabrikbesitzer in Berndorf, der mit allen seinen Angestellten demselben beiwohnte. Am 19. August teilte der Pfarrer Josef Neumayr in Maria Zell 734 hl. Communionen aus, zumeist an Wallfahrer aus Südmähren. Am Sonntag, den 23. August ½ 10 Uhr abends läuteten die Glocken der Pfarrkirche Feueralarm. Das Fliesenberger in Wagenhub № 13 der Eheleute Johann und Rosina Mayer stand in hellen Flammen und brannte bis auf den gemauerten Hausstock total nieder. Es verbrannten 2 schwere Ochsen, 4 Kühe, 6 Schweine, sämtliche Fahrnisse und Futter samt 40 Eimer Most, die ganzen Getreidevorräte und Heuernte. Der Schaden wurde auf 39.000 Schilling geschätzt, die Versicherung betrug insgesamt 16.000 Schilling. Das Unglück ist umso bedauerlicher als das Feuer zweifellos gelegt wurde. Der Besitzer und der Knecht waren nicht zuhause. Die Frau und die 4 Kinder, sowie die alte Mutter und das Dienstmädchen, waren schon im tiefen Schlafe und konnten mit knapper Not nur ihr eigenes Leben retten. Die wurden erst durch das Klirren der Fensterscheiben, die durch die Hitze zersprangen, aus dem Schlafe geweckt. Möge es gelingen den rücksichtslosen Täter zu eruieren und der verdienten Strafe zuzuführen. Bei den Löscharbeiten haben sich in hervorragender Weise beteiligt: Herr Carl Großteßner und Michael Schimpfhuber an der Spitze und die Fabriksfeuerwehr der Haunoldmühle mit der neuen Motorspritze unter dem Commando des Herrn Koberstein und Direktor Neubert, die Feuerwehr von Grünburg unter Wehrführer Herrn Hans Winkler, die Feuerwehr von Steinbach und der Landtrain Oberschlierbach von Nußbach. Die ganze Bevölkerung von Grünburg bemitleidet die brave strebsame Familie Mayer, die so hart von diesem Unglücke getroffen wurde, und wird fest zusammenwirken, um den Armen ausgiebig zu helfen, ihr Heim aufzubauen und einzurichten. Der wackere Wagenhuber, Herr Johann Leutgeb, hat den Anfang dazu gemacht, indem er den Verunglückten eine Kuh schenkte. Eintausendmaliges Vergelts Gott! Vivant Sequentes! Am 12. August verunglückte der Eisenbahnoberbauarbeiter Gradauer dadurch, dass ein sogenannter Rollwagen aus den Schienen sprang und ihn über die Böschung in den Steyrfluß schleuderte und auf ihn fiel, wodurch er eine Zerrquetschung des Kniegelenkes und einen komplizierten Oberschenkelbruch erlitt. Der Verunglückte wurde ins Spital nach Steyr überführt, wo ihn der Fuß am Oberschenkel abgenommen wurde.

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