Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 143 - Orgel Das Komitee blieb auch nach der Herstellung der Glocken noch bestehen als Kirchenverschönerungskomitee. Es hatte auch gar bald wieder Arbeit. Schon der selige Herr Oberlehrer Ahorner hat über die Orgel geklagt und noch mehr dessen Nachfolgerinnen Fräulein Aloisia Iglseder, Oberlehrerstochter von Steinbach, und Frau Rike Häuserer, Oberlehrersgattin in Grünburg, und endlich Frl. Maria Schoßtaler, Steinleitnertochter, die jetzige Organistin. In den letzten Jahren hat es oft arge Unannehmlichkeiten gegeben, wenn die Orgel mitten in den schönsten Aufführungen versagte, oft Töne fest und hart mitbrummten, stecken blieben, oder der Blasbalg schon so oft gepickt und geflickt, wieder einmal patzte; so war es auf dem feste Christi Himmelfahrt, so dass beim nachmittägigen Gottesdienste, wo doch immer die große Maiprocession der Steinbacher kommt, nicht mit der Orgel gespielt werden konnte. Für Peter und Paul stand eine große kirchliche Feier bevor, nämlich die Primizfeier des hochw. Herrn Carl Schellmann, eines Sohnes unserer Pfarre. Der Ortspfarrer hatte die Orgel durch den Sachverständigen Herrn Mauracher, Orgelbauer in St.Florian untersuchen lassen. Das Urteil lautete: Es seien sehr viele sogenannte kleinere Reparaturen notwendig, insbesondere an der Mechanik, ferner Belederungen, unbedingt ein neues Gebläse, Ausstauben der ganzen Orgel, Stimmen derselben, Ersatz der ausgebeulten Orgelpfeifen. Die Kosten der Reparatur wurden veranschlagt mit 9 - 10 Millionen Kronen, eine Garantie konnte der Orgelbauer aber trotzdem nicht übernehmen. Mit Rücksicht auf die Höhe der Kosten der Reparatur ohne Gewährleistung beschloss das Komitee einstimmig den Vorschlag des Orgelbauers eine neue pneumatische Orgel mit 7 klingenden Registern Oberoktav, Unteroktav und Pedalkoppel, anzunehmen. Die Kosten derselben beliefen sich bei Überlassung der alten Orgelteile, mit Ausnahme des Orgelpfeifenkastens, auf 33.400.000 Kronen. Ferner muss die neue Orgel von St.Florian mit 2 Wagen abgeholt und die alten Teile zugestellt werden. Außerdem müssen die 2 Orgelbauer für die Zeit ihrer hiesigen Arbeit gratis auf Kosten des Orgelbaufonds verpflegt werden. Weiteres sind die nötigen Zimmerleute und ein Calcant beizustellen. Die Verpflegung der Orgelmonteure übernahm in zuvorkommender Weise Herr und Frau Ziegler, Schlossermeister in Pernzell 95. Das Abholen der neuen Orgel per Wagen besorgten als Orgelspende Herr Josef Großteßner, Frächter in Untergrünburg № 104 und die Besitzer des Zeisermayrgutes in Pernzell № 85, Herr Gottlieb und Frl. Franziska Stummer. Den beiden Fuhrmänner wurden jedem 50.000 K als Zehrungsgeld verabreicht. Da Herr Großteßner mit seiner Fuhr erst spät abends einlangte und am nächsten Tag nach Steyr fahren musste, so besorgte das Fuhrwerk vom Hause Großteßner bis zur Kirche in zuvorkommender Weise der Rottenhuber, Herr Herrmann Grammer. Die alte Orgel ertönte zum letzten male am Fronleichnamstage, am Tage darauf wurde sie abgebaut. Der Aufbau der neuen Orgel erfolgte unter Leitung des Herrn Mauracher selbst in der Zeit vom 18. bis 28. Juni. Inzwischen behalf man sich mit einem Harmonium, das beim Seitenaltare der Mutter Gottes Aufstellung fand. Der Vereinbarung gemäß wurde beim Beginn der Arbeit 10 Millionen K bezahlt. Hierzu wurden aufgebracht: Von der Haunoldmühle 2 Millionen, vom Voitsberger 1.200.000 K, vom Ebner 1 Million. Die 2. Rate per 10 Millionen wurden vereinbarungsgemäß nach Fertigstellung überwiesen. Diese 10 Millionen hat die Sparkasse von Grünburg im Wechselkredite für 1 Jahr ab 3. Juli 1923 vorgestreckt. Der Restbetrag ist für 4 Monate, also bis 1. November 1923 zinsenfrei, nach diesem Termin aber mit 10% zu verzinsen. Möge es bald gelingen durch opferwilliges Zusammenarbeiten die großen Schulden abzustottern.

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