Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 139 - 1923 So wurde anfangs Jänner die Bestellung gemacht und die Anzahlung per 20 Millionen geleistet. Die Glocken wurden vereinbarungsgemäß von der Firma Carl Kutter in Wien XIV nach Station Steyr geschickt, von wo sie am 12. März vom Besitzer des Niedernhubergutes in Wagenhub, Herrn Carl Großteßner, abgeholt wurden. Als Fuhrmann fungierte Herr Klausriegler, Wegmacher. Als Helfer zum Verladen von der Bahn auf den Wagen gingen mit nach Steyr die Herren Josef Wasserbauer (Baumgartner), Hermann Grammer (Rottenhubersohn), Franz Gaspelmayr (Ebnersohn). Die Glocken wurden in Untergrünburg bei der Pfarrgrenze (Schimmerer) vom Clerus, Bürgermeister, Glockenkomitee, Musik und einer noch nie gesehenen Menschenmenge erwartet und unter dem Jubel der Kinder und flotten Klängen der Musik in den Ort geleitet. Beim Fahren über die Grenzbrücke ertönten die Salutschüsse des Rottenhuber von Schweinsegg. Etwa um ½ 7 abends kamen die Glocken im Pfarrhofe an und wurden in die Tenn eingestellt. In der Zeit bis zur Weihe wurden die neuen Helme von Herrn Schlossermeister Ziegler aufmontiert, die Helme sind eine Arbeit des Zimmerpoliers Stephan Brandhuber. Die viele Besucher der Glocken, schon in den ersten Tagen des Hierseins, zeigten welches Interesse die Leute an der Wiederbeschaffung derselben hatten und nach den Äußerungen, dass alle mit der Ausführung sehr zufrieden waren. Selbstredend wurden die Glocken gleich nach ihrer Ankunft photographiert. Sie sind mit sehr schönen Ornamenten geziert, Bilder und Inschriften sehr würdig und deutlich und richtig. Die Glocken sind genau ebenso groß wie die Abgelieferten: Die Große 550 kg, Ton G, geweiht dem Hl. Georg, Bilder desselben und Wappen mit Inschrift: Den Helden im Weltkriege 1914-1918 der Pfarrgemeinde Grünburg. Die Zweite: 310 kg, Ton B, geweiht der Mutter Gottes und dem Hl. Josef, deren Bilder und Inschrift: St. Maria et Joseph orate pro artis num et in bora mortis nostrae. Die Dritte: 170 kg, Ton D, geweiht den Hl. Florian und Sebastian. Am 25. März 1923 war Tag der Glockenweihe. Der herrlichste Frühlingstag. Obwohl der Vereinbarung entgegen auch die Pfarre Waldneukirchen Glockenweihe hielt, war eine ungeheure Menschenmenge zur Teilnahme an der Glockenweihe in Grünburg zusammen gekommen. Ich meine, so viele Leute waren noch nie zugleich bei der Kirche in Grünburg. Der Festzug ging vom Pfarrhofe aus. Die katholische Frauenorganisation hat den Glockenwagen und die Glocken selbst aufs herrlichste geschmückt, selbst leibhafte Engerl waren auf dem Wagen. Die Bespannung des Glockenwagens besorgten der Niedernhuber und der Rottenhuber, als Vorreiter fungierte Zeisermayr Franz und der Rottenhubersohn. Den Zug eröffnete die Schuljugend, dann kam die Musik, die freiwillige Feuerwehr, kath. Frauenorganisation, mar. Kongregation, Mädchen, Glockenkomitee, Klerus, Glockenwagen, Glockenpatinen, Ehrendamen, Behörden, Volk.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2