Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 138 - Über Antrag des Vertreters des Patronats, Herrn Förster Neubacher, wurde beschlossen die Entscheidung über die Frage einer Volksversammlung anheim zu stellen, welcher für den Maria Empfängnistag um 3 Uhr Nachmittag im Unterhause anberaumt wurde. So trostlos die Versammlung aussah - es waren im ganzen nur etwa 30 Teilnehmer, und selbst vom Komitee waren einige Herrn nicht erschienen - so war sie doch völlig ausschlaggebend für das Zustandekommen des Unternehmens. Zufällig war an diesem Tage der Vertreter der Glockenfirma Karl Kutter anwesend, der auch am Turme den Ton der vorhandenen Glocke abgenommen und dass zu schaffende Geläute mit Stimmgabel vortrug. Er versprach dem Willen des Pfarrers gemäß ein neues Offert in Goldkronen zu stellen und als Teilzahlung weiche Scheiter 80 cm lang anzunehmen. Auch Herr Direktor Neubert, der zum ersten male als neues Komiteemitglied erschien, versprach von seiner Firma „Haunoldmühle“ einen möglichst ausgiebigen Beitrag zu erwirken. Das beste aber was diese Versammlung brachte war, sämtliche Komiteemitglieder zur gleichzeitigen Sammeltätigkeit zu bringen, während man bisher die ganze Sammlung dem Pfarrer und Bürgermeister auferlegen wollte. Einige Tage darauf war Komiteesitzung beim Metzenhuber, wo die ganze Pfarrgemeinde in Rayon geteilt und für jeden Teil 2 Herren als Sammler bestimmt wurden, die gleich in der nächsten Woche ihre Tätigkeit entfalten sollten. In Untergrünburg sollten sammeln die Herren: Bürgermeister und Schwarz, und zwar vom Haarbach bis zum Löschenkohl (Adelberger); in Schweinsegg Bürgermeister und Rottenhuber; vom Fröhlich in der Reit bis zum Tiefenbach H. Gaspelmayr und Löschenkohl; in Obergrünburg vom Tiefenbach bis zur Hirsau die Herren Neubacher und Ziegler; vom Kroißenbach bis Priethal die Herren Englstorfer und Schwarz. In der äußeren Wagenhub die Herren Großteßner und Wasserbauer; im Teil zwischen Feuerbach und Tiefenbach hochw. Herr Cooperator Josef Putscher und Michael Schimpfhuber; in der Pernzell vom Zeisermayr bis Brösenhub die Herren Johann Brandstetter und Georg Pernegger; von Brösenhub die ganze Sonnseite und obere Pernzell Johann Brandstätter und Steiner (Vorderkohlau). Die schattseitige Pernzell und Wurzerbauern hochw. Herr Pfarrer Josef Neumayr und Josef Grabner (Oberburgfell). Da Herr Schwarz in Untergrünburg seine Sammeltätigkeit mit Herrn Bürgermeister gleich am ersten halben Tage einstellte und sich kein Komiteemitglied erbittig zeigte seine Stelle auszufüllen, so ging der Pfarrer selber mit Herrn Bürgermeister 4 Halbtage in Untergrünburg sammeln, und zwar mit sehr zufriedenstellenden Erfolge. In Schweinsegg aber trat Herr Schwarz anstelle Rottenhubers. Der allgemeine Erfolg dieser organisierten Sammeltätigkeit war eine sehr erfolgreiche, wenn auch der eine oder andere Sammler, anstatt oder mit einer Spende auch etwas anderes einstecken musste. Am schlimmsten ging es dem Ortspfarrer selbst beim @@@@ in Pernzell (Franz und Rosa @@@). Diese Leute abhold jeder kirchlichen Feier und verhetzt und verbittert durch die liberalen Bauernzeitungen und Schriften, fuhren über den Pfarrer her, wie es überhaupt kein Mensch verdient. Auch die Worte des Begleiters Herrn Josef Grabner, Oberburgfellner, fanden kein Gehör und wurden barsch abgewiesen. Nebst den sogenannten „Meisterbauern“ in Wagenhub und den Cunctator @@@ in Pernzell ist der reiche @@@ in Pernzell, der einen großen schlagbaren Wald im Werte von mehreren 100 Millionen Kronen besitzt und kinderlos und ledig ist, der einzige landwirtschaftliche Besitzer, der zur Beschaffung der Glocken nichts hergegeben hat. Er lässt lieber sein Holz am Stamme verfaulen. Wie aus den einzelnen Sammellisten zu ersehen war wurde nebst Geld auch viel Holz gezeichnet - Blockholz und weiche Scheiter.

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