Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 137 - Sofort wurden Erkundigungen bei der Glockengießerei St.Florian eingeholt, welche lauteten, fertige Glocken kosten derzeit 200 K pro kg, Glockenmaterial wurde zu 220 K in Kauf genommen, für Guss und Abreit wurde pro kg 80 K berechnet. Bei der sogleich einberufenen Komiteesitzung beim Baumgartner in Wagenhub wurde die Sache vorgetragen und besprochen. Es war damals ein kleiner Stillstand, ja sogar ein Rückgang in den Metallpreisen bemerkt worden, und so beschloss die Majorität mit Rücksicht darauf, dass wir die Glocke nur als Material kaufen können, weil sie für unseren Gebrauch viel zu groß war, den Pfarrer zu ermächtigen pro kg 240 K anzubieten. Das Anerbitten wurde aber vom Pfarramt Ybbsitz abgelehnt mit der Begründung, dass das dortige Glockenkomitee von der Forderung von 280 K pro kg nicht abgehen und so unterblieb der Kauf, was später von jedem Komiteemitglied aufs tiefste bereut wurde; denn der Geldwert sank unaufhörlich und immer rapider. Die Anfrage an die Glockengießerei in St.Florian brachten immer Vertröstungen, dass sie doch immer die billigsten Glockengießer bleiben werden, weil ihr Unternehmen nicht auf Gewinn berechnet sei. Anlässlich der Priesterexerzitien in St.Florian sprach der Pfarrer beim neuen Direktor der Gießerei, hochw. Herrn Johann Wolfsteiner vor - der frühere Direktor Hochwerte Herr Generalvikar Balthasar Scherndl war inzwischen gestorben, - und nahm in das Bestellungsbuch Einsicht. Wir standen auf Nummer 278 in der Effektuierung und die Effektuierung war bei 170 - 180. Der Herr Direktor konnte keine Aussicht auf baldige Ausführung unseres Auftrages in Aussicht stellen, „Vielleicht in einem Jahre, vielleicht früher, wenn sich manche Pfarreien die voraus stehen, streichen lassen und dadurch ihre Bestellung zurücknehmen“ Der Preis richtet sich jetzt nach dem Preise des Getreides und es würde 12 kg Weizen für 1 kg Glocke berechnet. Mutlos zog der Pfarrer von dannen, unter solchen Bedingungen war keine Aussicht auf Glocken. Getreide haben wir nicht, und der Preis des Getreides stand damals schon auf 4.000 - 5.000 K pro kg. Etwa 2 Monate darauf kam eine Verständigung von St.Florian, dass wir bis 3 oder 4 Monaten daran kämen; auch könnten sie, wenn wir unsere Bestellung aufrecht hielten, mit 62.000 K pro kg fix abschließen, sonst aber freibleibend. Der Pfarrer holte auch noch von anderen Firmen Offerte ein. Bei der Komiteesitzung Ende November 1922 bei Herrn Bgm. Aigner wurden die eingegangenen Offerte besprochen. Man sah sich erst vor einer unüberwindlichen Arbeit; 1030 kg a zu 62.0000 K sollten beschafft werden. Manche meinten man soll noch zuwarten, da ein Stillstand im Sinken der Kronen und ein Rückgang der Preise, namentlich der landw. Artikel und besonders des Viehes, eingetreten war, eine gewaltige Stockung in der Industrie und ein Zunehmen der Arbeitslosigkeit. Manche meinten man soll doch eine Glocke anschaffen. Es hatte den Anschein als ob man wieder zu keinen positiven Resultat käme. Da plädierte in eindringlichen Worten der Schriftwart des Komitees, hochw. Herr Cooperator Josef Putscher, für die Anschaffung aller 3 Glocken mit dem Hinweise, dass wenn es jetzt nicht zustande käme es in absehbarer Zeit nicht mehr möglich würde, namentlich mit Rücksicht auf die hohen Steuern und Lasten, welche den landwirtschaftlichen Besitzern in Aussicht stünden. Er fand sofort bei mehreren Mitgliedern gehör und es wurde die Begeisterung aufs neue wach. Niedernhuber sprach ebenfalls für Beschaffung 3-er Glocken auf einmal „Es ist ein Brenner“ sagte er.

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