Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 133 - Er hoffte noch in Eile nach Hause zu kommen, musste aber beim Oberndorfinger (Wirt) unterstehen, da es schon zu gießen angefangen hatte. Er setzte sich an die Stirnseite des 1. Tisches bei der Türe zum Nebenzimmer und schaute gegen die Kirche. Auf einmal ein heftiger Blitz und Donner zugleich. Der Pfarrer sah, dass es im Friedhof vor der Kirche in die elektr. Lichtleitung eingeschlagen hatte. Der Blitz führ an dieser Lichtleitung in die Kirche hinein, brannte aber bald den Draht ab und hüpfte am Plafond unter der Emporkirche von Stuckaturdraht zu Stuckaturdraht weiter, indem er eine Menge von Löchern im Mörtel am genannten Plafond schlug. Die meisten von diesen Löchern hatten das Aussehen als ob man mit einer Flinte auf den Plafond geschossen hätte; an mehreren Stellen waren bedeutende Teile des Mörtels herab geschlagen. In der Kirche befand sich zur Zeit eine Frau aus Kirchdorf, welche in den kurzen Stühlen gegenüber der Kanzel kniete und betete. Ihr geschah nichts, sie kam mit dem Schrecken davon. Auch die Kirche hat selbst keinen Schaden bekommen. A fulgure et tempestate! Libera nos Domine! Versorgungshaus, Kindergarten Am Sonntag, den 31. Juli war um 10 Uhr Vormittag die Einweihung des neuen Versorgungshauses in Untergrünburg durch den Ortspfarrer H.H. Josef Neumayr und zugleich die Eröffnung des Kindergartens. Die Sparkasse Grünburg hatte das Versorgungshaus gebaut, konnte es aber wegen des Kriegs nicht ganz vollenden. Namentlich fehlte noch die Inneneinrichtung, die Wasserleitung und Spülerkasten. Die dazu vorhandenen Wertpapiere wollte man wegen Tiefstandes des Kurses nicht hergeben, später wurde die Sache ganz unmöglich. Daher wurde in den ersten Kriegsjahren das Versorgungshaus zur Unterbringung von Flüchtlingen aus Galizien, polnische Juden, welche sich durch ihre Unsauberkeit - sie waren voll Ungeziefer - und Schiebereien bald unbeliebt machten. Nach dem Zusammenbruche wurden sie abgeschoben, das Haus wurde gereinigt, und die Ortsarmen konnten einziehen, was der Wille des Pfarrers schon im Jahre 1915 war. Die Leitung des Hauses übernahm die ehrw. Franziskanerschwestern von Linz durch die Zuvorkommenheit des geistl. Vaters des Hochwst. Herrn Prälaten Dr. Josef Lohninger. Bekannt sind diese Schwestern hier geworden durch Schwester Christine Reischenböck, welche als Säuglingsfürsorgerin und Mütterberaterin im Dienste des Landesjugendamtes schon einige Monate früher hergekommen war. Schon bei der Gründung dieses Hauses war vom Komitee die Absicht, nebst Fürsorge für die Armen, soll ein Teil des Hauses einer Kinderbewahranstalt dienen. Bei Übernahme in die Obhut der Gemeinde wurde daher beschlossen, zur Verwirklichung der Idee eines Kindergartens ein Komitee zu ernennen, welches als Proponentenkomitee gelten sollte und sich mit dieser Aufgabe zu beschäftigen hatte, einen Kindergarten und seine Lebensfähigkeit zustande zu bringen. Das genannte Komitee beschloss nach dem Muster in Garsten einen Verein „Kinderschutz“ zu gründen, um den Kindergarten erhalten zu können. Als Leiterin wurde eine Franziskanerschwester erbeten. Der Kindergarten floriert seit dem ersten Tage seines Bestandes, obwohl die Herren Sozi in der Gemeindestube ausdrücklich erklärt haben, sie werden den Kindergarten sabotieren. Sie haben nämlich von Auswärts (Steyr!) den Auftrag überall sozialdemokratische Vereine („Kinderfreund“) zu bilden. In Grünburg ist ihnen ihr Plan nicht ganz gelungen, sie sind vom Sozi-Zentrum aufgehetzt. Dazu gehören vermeintlich der Lehrer Buchegger und Reitsam von Steinbach. Möge der zuständige Kinderfreund über seine Anstalt wachen und sie schützen! Politik hat doch im Kindergarten nichts zu suchen!

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