- 131 - Glockenaktion Durch den Verkauf des Schlosses Leonstein an das Land kam die Pfarre Leonstein bald zu Glocken. Das Land OÖ hat mit dem Gute Leonstein auch das Patronat über die Pfarrkirche Leonstein übernommen, und weil es das einzige Patronat des Landes OÖ ist und das Land durch den Kauf ein sehr großes Geschäft gemacht hat, hat das Land OÖ die große Glocke für die Pfarrkirche in Leonstein mit circa 550 kg hergestellt. Die kleinere Glocke wurde durch freiwillige Gaben, besonders hat sich die Firma Rotmayr und Hutja gezeigt, zusammengebracht. Am letzten Sonntag nach Pfingsten war die feierliche Weihe dieser beiden Glocken durch H. Herrn Professor Wenzl Brand, der als Landesrat den H.H. Landeshauptman vertrat. Als Patin fungierte bei der großen Glocke die Frau des Verwalters des Landesgutes Leonstein Herrn Rendl, bei der kleineren Frau Hutja. Der Preis eines Kilogramms Glockenmaterials stellte sich damals nach Angabe des H.H. Pfarrers Parzer von Leonstein auf 126 K. Die Feier der Glockenweihe in Leonstein war sehr schön und für die ganze Pfarre war dieser Tag ein großer Freudentag. Der Pfarrer von Grünburg, der auch dazu eingeladen war, fasste nun den festen Entschluss auch in Grünburg sogleich mit einer Glockenaktion zu beginnen. Am Maria-EmpfängnisTag 1920 bei der Frühmesse trug er seinen Plan den Pfarrholden zum erstenmal vor. Herr Josef Felbinger, Holzhändler in Steyr, ein alter „Stoan-Grünburger“ der am 31. Oktober starb, hat in seinem Testament 1.000 K für die Glocken der Grünburger Pfarrkirche, wo er einst Ministrant war in den 60-er Jahren, gewidmet. Der Pfarrer gab gleich 1.000 K dazu; so war der Anfang vom Glockenfonds gemacht. Die Gaben flossen anfangs zahlreich, sodass für Dezember schon über 10.000 K in der Sparkasse Grünburg waren. Zur Förderung dieser Glockenaktion wurde ein eigenes Glockenkomitee gegründet. Denselben gehören an: Der Pfarrer als Obmann, der Cooperator als Schriftrat, die beiden Zechpröbste, der Vertreter der Herrschaft Steyr als Patronatsherrschaft, Herr Förster Ludwig Neubacher und Herr Matthias Gaspelmayr, H. Bgm. Georg Aigner, H. Hans Schwarz, Fabrikant, H. Anton Farthofer, Vertreter der Arbeiter, und H. Josef Englstorfer. Herr Pfarrer richtete an die Patronatsherrschaft Steyr die Bitte, doch die zweitgrößte Glocke mit 310 kg herzustellen, mit dem Hinweise auf das Beispiel der Patronatsherrschaft in Leonstein. Zugesagt wurden sogleich 20.000 K. (im Jänner 1921!). Die Haunoldmühle spendete 8.000 K, Sensenwerk Schmiedleiten 5.000 K, Fabrikant Schwarz 2.000 K, Land OÖ 4.000 K bar und 6 Festmeter Buchenholz usw. Die Spenden flossen ziemlich reichlich. Außerdem beschloss das Komitee an Sonn- und Feiertagen eine eigene Festsammlung für die Glocken in der Kirche zu halten. Die Sparkasse beschloss über Ersuchen des Pfarramtes 5.000 K zu spenden und ein unverzinsliches Darlehen von 100.000 K auf 1 Jahr zu geben. Kurz, es wurde fleißig gesammelt, aber infolge der rapid sinkenden Valuta zerschmolz fast alles wie Schnee in der Sonne. Schon waren Oktober 1921 etwa 140.000 K in der Grünburger Sparkasse, aber - dem Pfarrer stiegen die Grausbirnen auf - das Glockenmaterial war schon auf 400 K pro kg gestiegen und stieg noch fest. Das mühsam zusammen getragene Geld in der Sparkasse wurde danach immer weniger statt mehr und daher hieß es von diesem Sparen ablassen. Das Komitee beschloss daher einstimmig in einer Sitzung am 1.IX. 1921 das Geld aus der Sparkasse zu nehmen und dafür Eisen zu kaufen.
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