Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 130 - 8 Tage darauf war die Gemeindewahl, bei welcher die Christlich Sozialen und die Fortschrittspartei eine gemeinsame Liste erstellten. Es wurden gewählt 15 von der Fortschrittspartei (10 Schwarz, 5 Blau) und 9 Sozi. Dieser Kompromiss brachte der Christlich Sozialen Partei den Verlust eines Ausschusses zugunsten der Freiheitlichen. Es kam zustande besonders auf Drängen des H.H. Pfarrers von Leonstein und weil man eventuell die Möglichkeit eines Sozi-Bürgermeisters befürchtete. Von Herrn Eustachius Leitner, Förster im Unterwald, erhielt die Kirche ein altes eisernes Grabkreuz, welches der Gendarmerie für das Grab des Herrn Wachtmeisters Reinhold Tögel um 200 K verkauft wurde. Friedhofsfrage Dessen längst als notwendig erkannte, aber durch den Tod des H.H. Fierlinger und dann durch den Krieg in Vergessenheit geratene, Friedhoffrage kam über Betreiben des sogenannten Sonderausschusses der Gemeinde (der Gschaftlhuberei der @@@, die sich um die Kirche keinen Deut kümmern) wieder ins Rollen. Der Ortspfarrer erkundigte sich beim Herrn Notar Dr. Zimmermann um den dzt. geltenden Preis, welcher mit 8.000 - 10.000 K pro Joch angegeben wurde. Herr Gottlieb Stummer, Besitzer des Zeisermayrgutes, erklärte sich bereit, soweit es ihn und seiner Schwester Franziska betreffe, um diesen Preis für den Friedhof nötigen Grund herzugeben; auch die „Puderin“ von Windischgarsten würde nach seinem Sinne handeln. Jedoch die beiden Brüder, Christof Stummer „Plursch“ in Molln und Johann Stummer, Bindermeister in Pichl bei Windischgarsten, welche noch am genannten Gute widerrechtlich mit angeschrieben seien, währen dagegen. Der Pfarrer stellte an diese beiden die schriftliche Anfrage (November 1920) ob sie bereit wären sich mit einem Preis von 10.000 K pro Joch einverstanden zu erklären, worauf Christof Stummer antwortete er müsse sich das Objekt zuerst ansehen (es soll ausgesteckt werden), Johann aber antwortete: „Was? 10.000 K? - das zehnfache!“ Man sieht, wie ein Sozi horrende Forderungen stellt, wenn es sich um kirchliches handelt. Der Ortspfarrer hat inzwischen von der Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf auf seine Anfrage die Erledigung bekommen, dass eine Expropriierung gesetzlich statthaft sein. Über wiederholtes Ersuchen des Zeisermayr, Herrn Gottlieb Stummer, hat der Pfarrer von einer Expropriierung abgesehen, der Zeisermayr wiederholt mit Handschlag versprach: Die Kirche bekomme auf jeden Fall den zum Friedhofe nötigen Grund von ihm. Es werde der Streit mit seinen Geschwistern ohnehin bald beendet sein, und selbst für den Fall einer Grundteilung gebe er von seinem Grunde den nötigen Teil her. Es wurde vom Zeisermayr und Pfarrer circa ½ Joch, des in Betracht kommenden Grundes, mit Pflöcken ausgesteckt. Bald darauf waren aber die Pflöcke verschwunden; Zeisermayr behauptet dieselben nicht entfernt zu haben. Das Schloss Leonstein (Veichta) ging durch Kauf an das Land OÖ über; es ist das größte Landgut des Landes Oberösterreichs. Schon im Jahre 1918 wollte es die Firma Rotmayr und Hutja, Holzwarenfabrik in Molln - Leonstein, käuflich erwerben; die Grundverkehrskommission, welche mit Recht einer Entwertung durch Holzabschlägerung befürchtete, ließ es nicht zu.

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