Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 126 - Der immer größer werdende Mangel an Petroleum und Kerzen und ungeheure Teuerung derselben veranlasste den Pfarrer, das lang gehegte Projekt der elektrische Lichteinleitung in Kirche und Pfarrhofe zur Ausführung zu bringen. Es scheint dazu eine Gelegenheit sich zu bieten, in dem eine Most- und Obstverwertungsgesellschaft aus Linz den Plan hegte, auf den Gründen des Unterhauses, zwischen Straße und Bahnhof, eine Obst- und Mostverwertungsstelle zu errichten und zum Betriebe die elektrische Kraft von Leonstein bis Unterhaus zu leiten. Es wäre demnach nicht schwer gewesen die Lichtleitung in Unterhaus anzuschließen. Durch die Umtriebe der Sozialdemokraten und namentlich eines gewissen Genossen Buchmann, der das Unterhirsengut in der Forstau auf billige Weise an sich zu bringen verstand (Buchmann ist Eingewandert aus der Tschechoslowakei und Apostat) wurde das Unternehmen unmöglich gemacht und daher die Zuleitung der elektr. Kraft vereitelt. Der Pfarrer wendete sich nun an die Messererinnung in Steinbach. Diese sagte die Einleitung und Stromabgabe zu, jedoch unter der Bedingung, dass die Lampe mit 180 K bezahlt werde und die Freileitung vom Feuerbache an, neu und entsprechend auf Kosten der Lichtabnehmer gemacht werde. Die Kosten wären somit ins Ungeheure gestiegen. Da der Pfarrer in Erfahrung brachte, dass die Haunoldmühle noch übrige elektr. Kraft habe, wendete sich derselbe an Herrn Betriebsleiter Neubert, welcher ihn in zuvorkommender Weise die Stromabgabe zusicherte und auch die Besorgung der Materialien und Ausführung der Arbeiten durch seine geschulten Arbeiter versprach. Es wurde nun eine Vereinigung der Lichtinteressenten gegründet und zum Obmann der Pfarrer, zum Schrift- und Säckelwart Herr Kaufmann Rudolf Sternberger, gewählt. Zu diesen Lichtinteressenten gehörten: Pfarrkirche, Mesnerhaus, Pfarrhof, Rudolf Sternberger, Johann Pölz, Theresia Oberndorfinger, Ehrenbrandtner Sebastian, Gottlieb Stummer Zeisermayr, Franz Brandhuber, Binderhäuschen Pölz, Theresia Auer, Schule, Franz Haider, Kienast, Baumann, Lirk, Demberger, Unterhaus, Grabner Franz, Riedlhuber, Kirchdorfer, Forsthaus, Gemeinde Grünburg. Später kam noch dazu Mandorfer und Carl Rauscher. Jedoch die Firma, welche den Kupferdraht mit 28 K pro kg offerierte lieferte nur ein Drittel des bestellten Drahtes. Um endlich doch zu einer Außenleitung zu kommen, fuhr Herr Pfarrer zu Herrn Viktor Werndl in Unterhimmel und erreichte durch das große Zuvorkommen dieses Herrn, das der noch fehlende Draht innerhalb 8 Tagen geliefert wurde; so konnte das erstemal am Sonntag, den 15. Dezember, das elektrische Licht am „Kirchbüchl“ erstrahlen. Für die Kirche hatte Herr Betriebsleiter Neubert einen 3-armigen Leuchter mit je 100 Kerzenstärke gespendet. Vergelts Gott! Ebenso wurde der monatliche Anerkennungszins auf 1 K herabgesetzt. Die Kosten der elektr. Lichtanlage für Kirche und Mesnerhaus und zum Teil für den Pfarrhof wurden gedeckt durch das Ergebnis einer Sammlung bei den geldkräftigen Leuten. Die Absicht bei den Seitenaltären Lichterkränze in die hl. Statuen anzubringen, konnte trotz der größten Bemühungen des Pfarrers nicht verwirklicht werden, weil die Materialien einfach unerhältlich sind. Hoffentlich kann dieses Vorhaben bald zur Ausführung gelangen. Von der Herrschaft Steyr wurde zur Einleitung des elektr. Lichtes in Kirche und Pfarrhof 1.000 K gespendet. Zu Weihnachten spendete Frau Kathi Schoßtaler, Steinleitnerin, einen schwarzen Vespermantel (Preis bei Katschtaler in Wien 1.200 K) Vergelts Gott!

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