Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 123 - ter, Personalunterlagen, Gestionsprotokoll, Kassajournal, usw. alles ins Kleinste wurde genau geprüft und alles in größter Ordnung gefunden. Am nächsten Tage gingen sehr viele Gläubige zu den hl. Sakramenten um den vollkommenen Ablass der canon. Visitation zu gewinnen. Der feierliche Einzug vom Pfarrhofe aus war um 8 Uhr. Nach der gemeinsamen Präparativ zelebrierte der Hochwürdigste eine hl. Pontificalmesse, bei der das deutsche Messlied „Hier lieg von Deiner Majestät“ und nach der Wandlung „Deinem Heiland Deinem Lehrer“ vom Volke gesungen wurde. Etwa 40 bis 50 empfingen aus der Hand des Bischofes die hl. Kommunion. Am Schlusse der Pontifikalmesse war sakramentaler Segen, dann die gemeinsame Verrichtung der Ablaßgebete und die Predigt des Hochwürdigsten. Hochderselbe behandelte in meisterhafter Weise das Thema: Der Geist, der bei der hl. Firmung über die Firmlinge herabkommt (der hl. Geist ist ein Geist der Wahrheit, ein Geist der Stärke, ein Geist der Liebe) Möge dieser hl. Geist immer recht Herrschen in den Herzen der Pfarrholden von Grünburg! Nach der Predigt war Prozession auf den Friedhof, dortselbst Libera. Das hl. Sakrament der Firmung wurde ebenfalls im Friedhofe gespendet an 373 Firmlinge. Der Ortspfarrer betete, auf einem Grabhügel stehend, die 3 göttlichen Tugenden und das Vorbereitungsgebet vor. Der Hochwürdigste betete beim Kirchenportale die Herabrufung des hl. Geistes. Zweimal musste der Bischof die Runde um die Kirche machen. Es war ein herrliches, erhebendes Bild, das die Firmlinge und ihre Paten boten - man musste unwillkürlich an die Bergpredigt Jesu denken. Es war aber auch eine große Wohltat für die Firmlinge und Paten, dass im Freien gefirmt wurde, die Kirche wäre ja viel zu klein gewesen und es wäre ein fürchterliche Gedränge entstanden. Dank dem lieben Gott, der uns einen so herrlichen Bischoftag geschenkt hat. Die Schlussgebete wurden ebenfalls am Kirchenportale gebetet, von wo auch der bischöfliche Segen erteilt und die Firmlinge entlassen wurden. Viele wollten sich vom Bischofe gar nicht trennen und begaben sich abermals in die Kirche. Nach Vollendung der kirchlichen Funktion erfolgte die eingehende Visitation des Gotteshauses, der Sakristei, Paramente und Wäsche, des Kirchenchores. Überall wurde alles in größter Ordnung gefunden. Auch im Friedhofe wurde genau Ausschau gehalten. Im Pfarrhofe wurden empfangen die Herrn Landesgerichtsrat Chimani und Dr. Bischoffshausen, die Vertrauensfrau der katholischen Frauenorganisation und Vertreter des Burschenvereins. Außer dem bischöfl. Sekretär Hochw. Dr. Ohnmacht waren von den Nachbarspfarren erschienen: H.H. Pfarrer Matthias Parzer von Leonstein, Kooperator Dobler von Waldneukirchen und Kooper. Bachinger von Steinbach. Nach dem Mittagmahle besichtigte der Hochwürdigste auch den Garten und das lauschige Plätzchen unter dem Nussbaum, wo er einige Minuten in Gesellschaft des anwesenden Klerus verweilte. Auch spendete er im Pfarrhofe einem Firmling aus Vorderstoder noch das hl. Sakrament der Firmung. Um 2 h Nachmittag fuhr der Hochwürdigste nach Molln um dort ein krankes Kind zu firmen. Nach seiner Rückkehr um 5 Uhr verabschiedete sich Hochderselbe vom

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