Pfarrchronik Grünburg 1873 - 1968

- 112 - war ein einziger herbeigeeilt den Ehrentag mitzufeiern; der Herr Gasthof und Realitätenbesitzer Josef Leitner. Nach der kirchlichen Feier war mit Rücksicht auf die Kriegslage nur eine einfache Jause im Pfarrhofe. Es war gerade eine ungemein ernste Zeit - schon ¾ Jahre Weltkrieg - der sich erst jetzt recht bemerkbar machte auf dem Lande durch die ungeheure Teuerung der Lebensmittel, durch den Mangel an Getreide und Mehl. Die Regierung sah sich veranlasst um die Getreide- und Mehlvorräte zu strecken anzuordnen, dass die Hälfte Maismehl unter das Brot genommen werden musste und dass für jeden Kopf täglich nur ein bestimmtes Quantum an Mehl und Getreide verbraucht werden durfte. Zu diesem Zwecke wurden, vom 12. April angefangen, Brotkarten eingeführt und zwar erhielt die Person pro Tag 280 g Brot oder 250 g Mehl. Die Karten wurden wöchentlich in drei Kommissionen ausgegeben: I. in Untergrünburg, II. im Schulhause, III. in Leonstein. In der Kommission II teilten sich die Lehrpersonen und Geistlichen die Arbeit. Aber nicht nur das Brot wurde knapp, das Fleisch ungemein teuer, 1 kg gewöhnliches Rindfleisch 3 K 40 bis 3 K 60, 1 kg Schweinefleisch 5 K und darüber, 1 kg Fett Schweineschmalz bei 8 K, 1 Ei 13 Heller, 1 kg Butter 4 K; sondern auch das Vieh erreichte bald einen enormen Preis. Der Pfarrhof war durch die Versteigerung nach dem Tode des H.H. Pfarrers Fierlinger einfach geplündert, kein einziges Stück Vieh da, der neue Pfarrer musste sich ein Stück nach dem anderen auch immer teurer bei fremden Leuten kaufen (1 Kuh um 900 K, wie sie um etwa 400 K versteigert wurden). Der Pfarrer fängt unerschrocken in Gottes Namen an und er wird geben. Am 31. März abends traf der hochw. Herr Engelbert Lehner hier ein, der als Kooperator für Grünburg bestimmt wurde. Mai Vom Paramentenverein erhielt die Pfarrkirche 4 Korporalien und 12 Purificatorien. Verlegts Gott. Am 20. Mai mussten die freiwilligen Jungschützen einrücken, am 22. folgten ihnen die Veteranen (50-60 Jahre alt). Letztere kamen zum Großteil bald wieder zurück, zum Teil wurden sie zu Bahn und Brückensicherungen verwendet, erstere kamen nach Bad Hall und dann nach Südtirol unter Führung des Herrn Leutnante Dolleschal von Untergrünburg. Kriegsmetallsammlung Zur Kriegsmetallsammlung wurden von der Pfarrkirche gespendet: 2 Pauken aus Kupfer, eine zinnerne Ampel und ein Messingrauchfaß. Mit Bewilligung des Hochwst. bischöfl. Ordinariats und der Patronatsherrschaft Steyr opferte die Pfarrkirche die gesprungene Meßglocke (61 cm Durchmesser, 166 kg schwer) an die Heeresverwaltung für Kriegszwecke und wurde am 18. Juni nach Linz geschickt. Diese Glocke trug die Aufschrift: „Sebastian Lecherer goß mich in Steyr 1702“ 11. Juni

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2