- 107 - Die Dienstboten irrten im Erdgeschoß, getrauten sich nicht zu melden bis die kannten, dass der Fröhlich in der Reit es sei. Nun verkündete er die Mobilisierung. Da niemand heraufkam zu mir wegen eines Versehganges, so ließ es mir keine Ruhe und machte Licht und ging hinunter um mich nach der Ursache des heftigen Läutens an der Hausglocke zu erkundigen. Am anderen Morgen holte man mich schon um 6 Uhr früh zum Beichtsitzen. Am Platz oben standen schon alle, die Einrücken mussten, 30 an der Zahl. Einer trat vor, es war der Humpl in der Pernzell und sprach: „Geistlicher Herr, jetzt tun wir zuerst noch unsere Christenpflicht und dann gehen wir.“ Der Herr Pfarrer, soviel konnte er schon tun, spendete diesen Männern die hl. Kommunion und hielt eine Ansprache an dieselben. Einige kamen, an die ich mich noch erinnere sind: Sternberger, Kaufmann, Wagnerebner, junger Mesner, Grabner Hermann, Binder, Lieglhubersohn, Stampf in der Pernzell, Wagenhubersohn, Brösenhubersohn mit Namen Florian, Seppensohn im Ort, Galaschek, Werkmeister in der Haunoldmühle, Hasenleithner, Tischler, Rauscher, Tischler. Riedlhuber sollte auch einrücken, aber bevor er den Eisenbahnwagen bestieg, kam noch ein Curier aus Steyr, er sei befreit und müsse sogleich in die Waffenfabrik. Der Hörzing Josef, derzeit Eisenbahner in Linz, der junge Winkler in Untergrünburg, Kaufmann, der Zotter, Bauer in Pernzell, 2 Haidersöhne bei der Schul drüben, der Vater des Schülers Heidenbauer in der Haunoldmühle, Brandstettersohn in der Bachmühle, Schmied Neuhauser im Feyrerbach, Weinberger, Fleischhauer in Untergrünburg, dem war die Frau gestorben, er musste sein Geschäft zusperren und die Kinder allein zurücklassen. Ramoser, Taglöhner, musste auch einrücken, Hönigsohn im Florhaus, Ahorner Rudolf, Oberlehrersohn, Dr. Lugert, Richter in Grünburg, Stieglechner, wohnhaft beim Hönig im Florhaus, der junge Weinberger in Untergrünburg, Messerschmied und noch andere. Mit dem 2 h Zug fuhren die meisten weg. Ich ging hinunter zum Bahnhof Unterhaus. Was ich da gesehen und gehört, dieses Jammern der Weiber und Kinder, die ihren Gatten und Vater verlassen mussten ist unbeschreiblich. Das Herz hätte im Leibe dem zerspringen können, der diese armen Kinder und Frauen gesehen. Wirklich, da erinnert man sich an das Wort Kaiser Franz Josef I. als ein hoher Militär zu Sr. Majestät sprach: Majestät, wenn sie jetzt nicht losschlagen danken wir alle. Da soll der Kaiser geantwortet haben: Haben Sie schon einen Krieg gesehen? Nein Majestät war die Antwort. Dann erwiderte der Monarch: Dann kennen Sie das Wehe und das Unglück nicht das der Krieg bringt. So gut es ging tröstete ich. Als der Zug sich in Bewegung setzte, fing der Wirt Bichler in Steinbach, der ebenfalls fort musste, das Kaiserlied an, in das alle einstimmten. Solange wir den Zug sehen konnten sahen wir ihn nach, mit den Taschentüchern das letzte Lebewohl den tapferen Vaterlandsverteidigern zu winken; abends fuhren dann die letzten weg. In der Bevölkerung herrschte furchtbare Aufregung. Dieser Erregung ist folgendes Stückchen zuzuschreiben. Einige Tage nach der Mobilisierung wurde von Kirchdorf herüber telephoniert: Auf dem Wege nach Grünburg seien 3 russische Spione, als Radfahrer verkleidet. In Micheldorf hatten nämlich 3 Herrn von Grünburg, darunter ein Reichsdeutscher, Maschinist in der Schwarz’schen Kammfabrik mit Namen Siegl, Zigarren verlangt. Da von der dortigen Tabaktrafikbesitzerin die Sprache verdächtig war, wurde sofort die Anzeige erstattet.
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