Aus Garstens Vergangenheit

Zum 1000 - jährigen Bestehen meiner Heimatgemeinde H. H u b m e r Verfasser: Dipl.Ing.Hermann Hubmer Herstellung: Eigenverlag

Inhaltsverzeichnis 1. Aus der frühen Geschichte von Garsten 3 2. Ein Schiffzug an der Enns •••■ 6 3. Ein Schützenfest in Dambach .. lA 4. In der Dambacher Taverne 25 5. Garstner Weinfahrt 33 6. Pestzeit

AUS DER FRÜHEN GESCHICHTE VON GARSTEN Es ist uns nicht bekannt,wie oft die Drehachse unseres Planeten sich seit seinem Bestehen in ihrer Lage verändert hat.Wir wissen nur,daß zu mindest im Zeitraum der jüngsten Erdgeschichte diese Achse eine Pendelbe wegung gegen die Erdumlaufbahn ausführt,was im Zusammenwirken mit anderen Faktoren einen Zyklus von l?o.ooo-3oo.ooo Jahren ergibt. In unseren Breiten bewirkte dies eine Aufeinanderfolge von Wärme- und Kälteperioden,begleitet von einem Vor- und Zurückgehen der Alpengletscher. Deren Schuttmassen wurden von den Flüssen weitertransportiert und in wei ten Schotterfluren mit Entstehung vieler Seen,Iioränen und Terrassen abge lagert.Unterschiedliche Ausdehnung und Höhenstufungen lassen einen mehr maligen Vorstoß und Rückzug der Eisdecke erkennen. Am Ende der letzten Eiszeitperiode vor etwa Zo.ooo Jahren war auch un ser Land von einer baumlosen Steppe bedeckt.Die Höhen des Böhmerv/aldes und der Süden unseres Bundeslandes waren vergletschert.Mammut und Wisent belebten neben Höhlenbär,Höhlenlöv/en,dem Alpensteinbock,Ren und Nashorn, Eisfuchs.Hamster,Ziesel und anderen Kleintieren diese Tundralandschaft. Um den lebensfeindlichen Winter Uberleben zu können,hielten diese Tiere ihren Wintersch1af.während die meisten Vögel oft weit enfernte wärmere Gegenden aufsuchten. Auch das pflanzliche Leben mußte sich diesen klimatischen Gegebenheiten anpassen.Das Gestein überziehende Flechten schufen allmählich den Boden für Moose,Gräser und Kräuter.Ihnen folgten die Bergerle mit ihren bunten Kätzchen,die stachelige Berberitze,deren leuchtend rote Beerentrauben im späten Sommer reifen,Waldrebe und Kernelkirsche,im moorigen Grund Zwerg weiden und Zv;ergbirken sowie noch etliche in ihren Ansprüchen bescheidene Sträucher der Nacheiszeit. Es war dies die vorgeschichtliche Periode der altsteinzeitlichen Jäger kulturen.AI Imählich wanderten mit dem Zurückweichen der Gletscher und mit Milderung des Ödlandklimas vor allem Kiefer und Birke aus dem Süden zu rück.Auerochs,Renntier,Elch,Rothirsch und andere Tierarten fanden hier ausreichende Lebensbedingungen,während das Mammut immer seltener v/urde. Damit begann zugleich ein wirtschftlich bedeutender Zeitabschnitt;das Seß haftwerden des Steinzeitmenschen,seine Wandlung vom Jäger und Nomaden zum Ackerbauer und Viehzüchter.Man domestizierte allmählich das kleine Urrind und das vorerst noch halbwilde Hausschwein und der Hund wurden zum Haus-

genossen und Jagdbegleiter. Hit der Seßhaftwerdung begann auch die schöpferisch-handwerkliche Tä tigkeit und darüber hinaus entwickelte sich ein reiches künstlerisches Schaffen mit besonderer Ausprägung in der Schtnuckherstel1 ung. Unser Land hatte durch die erwähnten glazialen Vorgänge seine Oberflä chengestalt erhalten.So grub im Verlaufe vieler Jahrtausende der Ennsfluß.der alte Fluvius Anisus.sein Bett in das Kalk- und [)olomitgestein der Mordalpen,wo er in wild schäumendem Lauf das Gesäuse durcheilt.Ruhi ger vierdend.durchströmt er dann die freundliche und vielgestaltige Vor alpenlandschaft,eingebettet in den Schotter der Niederterrassen,welche durchwegs von diluvialem Konglomerat in den höheren Uferbereichen beglei tet sind.Wo die Berghänge zurücktreten und allmählich das von sanften Höhenrücken begleitete,gegen die Donau hin sich erstreckende Flachland beginnt,nimmt er den Fluß Steyr auf,der am Rande der nördlichen Kalkal pen entspringt.Dieser hat dem Ort des Zusammenflusses mit der dort am Rande einer steil abfallenden Hochfläche errichteten Burg seinen Namen gegeben.Ob diesem Ort bereits vor und während der Römerherrschaft eine Bedeutung zukam,ist nicht bekannt.Vielleicht war hier eine Raststation auf dem Hege von der Lagerstadt Lauriacum in das Enns- und Steyrtal. Über eis Ursprungszeit der Steyr-Burg v/eiß lediglich die Sage einiges zu berichten,in welcher diese mit dem Hunnenkönig Attila in Verbindung gebracht wird.Darin hat der Zwergenkönig Laurin vermöge seiner Zauber kraft die schöne KünhiIde,Tochter des fürstlichen Burgherrn Bitwolf,in sein Reich mit dem Rosengarten in Tirol entführt.Im übrigen wird in die ser Sage Attila (Etzel) "an Schätzen reich" bezeichnet,was in Überein stimmung stünde mit der historischen Tatsache,daß vom damaligen Westen große Mengen an Gold an die Hunnen geliefert, wurden. Als gesichert gilt hingegen,daß diese Burg als "Styrapurch" erst nach dem Jahre 985/91 aus einer Notiz über die Mistelbacher Synode genannt wird.Die ausgedehnte Burgherrschaft Steyr v;ar jedenfalls schon gegen Ende des 10.Jahrhunderts im Besitz der Otakare als Markgrafen,eines Gra fengeschlechtes aus dem Chiemgau. Nach dem endgültigen Sieg über .die Ungarn im Jahre 955 hatte in unse rem Lande eine friedliche Aufbauarbeit begonnen und der Traungau erlebte eine starke Zunahme der Siedlungsdichte,verbunden mit verschiedenen Klo stergründungen.Neben solchen des Passauer Bischofs Altman stifteten etwa zur gleichen Zeit die Otakare die Benediktiner-Abteien Garsten und etwas später Gleink.lm Jahre 1082 erfolgte mit dem Passauer Bischof der Tausch

des Pi'arrgebietes Garsten gegen die Pfarre Behamberg und ZG Jahre später wurde Garsten,ursprünglich eine Stiftgründung für Weltpriester,eine Be nediktinerabtei .Diese fClostersiedlung,erstmals als "Garstina" urkundlich in der Iiistelbacher Synode aufscheinend,bildete sehr bald einen Ausgangs punkt für weitere Rodungen und damit für die Schaffung neuer bäuerlicher Ansiedlungen,die sich allmählich über den Garstnerbach hinaus bis zum unwegsamen Bergland im südlichen und südwestlichen Landschaftsteil er streckten . Das Ortsgebiet selbst mußte für eine Siedlung als besonders günstg er scheinen,zumal dort die vom linken Flußufer der Enns gegen Westen zu sich stark verbreiternde Niederung bogenförmig von den steilen Hängen jener Hochterrasse begrenzt wird,die sich bis zur Steyr-Burg hinzieht. Im nordöstlichen Teil dieser Niederung bildet der steile Terrassenhang für den Fluß einen mächtigen Querriegel und zwingt ihn so zu einer Sförmigen Doppelbiegung,genannt die "Böig".Damit ist dieses im Süden sich gegen den Fluß hin verengende fruchtbare Becken gegenüber den Nordwinden weitgehend geschützt. Zum Gedeihen dieser Siedlung trugen zahlreiche Schenkungen seitens der Otakare bei.So konnte sich das Kloster zu einem bedeutsamen religiös kulturellen Zentrum besonders für das Steyr-,Enns- und Gaflenztal ent falten,dem nebenbei auch politische Bedeutung zufolge der damaligen Ver flechtung zwischen weltlichen und kirchlichen Interessen zukam. Hit der Vorstellung,die Rodungstätigkeit in der Umgebung sei lediglich den vom Kloster dazu ausgesandten Fratres illiterati et barbati zuzu schreiben,würde man nur zum Teil den Tatsachen gerecht.Vielmehr brachten die Otakare aus dem Flachland Siedler hieher,denen sie Grund und Boden zur Urbarmachung übergaben.So entstand ein dicht besiedelter Landesteil mit gemischter Lehenszugehörigkeit seiner Bewohner:der kleinere Teil war dem Kloster,der andere dem Landesherrn,das heißt der Herrschaft Steyr Untertan.Beide hatten ihre Besitzungen verwaltungsmäßig in sogenannte Ämter eingetei11,wobei manche Überschneidungen bestanden.Beispielsweise lagen im Bereich des herrschaftlichen Amtes Mühlbach mehrere dem Kloster Garsten gehörige Bauernwirtschaften.Ein Teil dieser Güter wurde direkt vom Kloster verwaltet,der andere wurde über das MeierhofSystem bewirt schaftet.

EIN SCHIFFZUG AN DER ENNS Etwa eine halbe Wegstunde südlich von Garsten,dort wo der bewaldete Mangrücken des Damberges dicht an den Ennsflufl heranrückt und so dessen Lauf nach Norden umlenkt,quert ein flacher Felsriegel das Flußbett,über den das Wasser in vielen gekräuselten kleinen Wellen rauschend und in Eile hinwegsetzt.Hier weitet sich die Flußlandschaft nach Westen zu,wo sie dann in einigen niederen Stufen als fruchtbares,ebenes Ackerland ansteigt,das sich über einige Heilen am anderen Ufer fortsetzt.Dia süd liche Begrenzung bilden die von hier in mäßiger Steigung hinaufziehenden Höhenrücken mit zahlreichen ziemlich weit zerstreuten Gehöften.Diese sind zur Ortschaft Oberdambach zusammengefaßt,im Unterschied zu den Tal siedlungen in Unterdambach. Eben hatte ein am rechten Ufer sich flußaufwärts bewegender Schiffzug (also im "Gegentrieb") diesen Schwall hinter sich gebracht und näherte sich,an der Mündung des Dambaches vorbei,dem Anlegeplatz mit der Lad statt.Vier kräftige,auf dem für diesen Zweck seinerzeit angelegten Trep pelweg (Schiffweg) ausschreitende Pferde zogen im Tandem ein an einem Seil hängendes kleines hölzernes Schiff.Seine Länge reichte an die 20, seine Breite an die 4 Meter.Mittschiffs trug es einen kajütenartigen Aufbau zum Schutz von Fracht und Leuten bei Schlechtwetter.Zur Steuerung bei Naufahrt dienten je zwei hinten und vorne angebrachte Ruderbäume,wo bei letztere beide beim "Gegentrieb" eingezogen waren.Damit hiebei das Schiff nicht Wasser schöpfen konnte,war sein Heck,"StörT'genannt,baulich hochgezogen. Von den insgesamt 5 Schiffknechten hatte einer,der Aufleger,dafür zu sorgen,daß das Zugseil stets Uber die ufernahen Hindernisse hinwegkam. Ein anderer mußte mittels einer Stange,dem "Sparholz",den Vorderteil des Schiffes immer wieder vom Ufer abhalten,was besonders in Bereichen ge ringer Strömung erforderlich war,weil dort die Steuerung mittels der Heckruder allein nicht ausreichte.Das erste und dritte Pferd in der Rei he trug einen Reiter,bekleidet mit kurzer heller Joppe und dunklem Bein kleid,das bis knapp über den Knien in Schaftstiefeln steckte.Das Haupt bedeckte ein hoher,kegelstumpfförmiger Filzhut mit breiter,allseits ab stehender Krempe.Die übrigen Schiffleute waren ähnlich gekleidet. Sobald das Fahrzeug an der Ladstatt ordentlich festgezurrt war,ging einer der Vorreiter daran,die Pferde mit Heu und Wasser zu versorgen.

ml M Ennszillen. Zeichnung nach dem Fresko von 1699 am Kasten in Weyer an der Enns (Aus A. V. Pantz, Die Gewerke im Bannkreis des steirischen Erzbergs)

v/ährend die beiden anderen im Schiff tätig gei/esenen Knechte mit dem Ausladen etlicner in Fässern und Körben verstauter .laren begannen.Es wa ren vorwiegend gebündelte Zerreisenstabe für die beiden Zainhämmer im Tal drinnen,sowie verschiedene Gerätschaften für den täglichen Bedarf. Alles wurde säuberlich mit Angabe von Art.ilenge.Herkunft und Bestimmung im Gegenbuch vermerkt mit Unterscnrift und Gegenzeichnung.Ilan hatte es hier,wo eine Ladstatt und zuglaich eine wichtige Überfuhr bestann.so eingerichtet,daß bei ßedarf der Förge den Laastattlialter.auch "Fertiger" genannt,vertreten konnte und umgekehrt.Eben an diesem Tage oblag dem Förgen die eine wie die andere Tätigkeit,v/obei dem .iarenumschlag der zeitliche Vorrang gegenüber ciem Fahrdienst einzuräumen war. Zuletzt landete auf dem langen Tisch des Jarenmagazins ein leichtes Paketstiick mit der Bemerkung des "Sößthalers" (Schifführer); "Das da brauchst net im Büchl vermerk'n.Fiirg.s'is für dich,oder genauer g'sagt für dei '.Jeib von ihrer Hoahm in der Stadt.Die hat mir's übergebn mit der Bitt um Überbringung - und an schenen Gruaß dazua" "Davon woaß i nix,aber es wird scho seine Richtigkeit hab'n damit,./ird a Stoff sei oder a fertigs Gwandstiickl".mutmaßte der Förg nach kurzer Betastung das ßiindels,klemmte dieses unter den Arm und fragte "Mas kriegst denn dafür?" "Hat nix dergleich'n g'sagt,die Moahm.hat nur gmeint.daß es hoffentlich passen möcht". "Heine Alte is grad net dahoam,sonst hätt's es ihr glei selber übergebn können.Aber macht nix - komm mit hinüber auf a Stamperl.viel leicht kumt sie derweil". So gingen die beiden hinüber zum etwas höher gelegenen Johnhaus des Förgen,einem strohgedeckten eingeschossigen Bau mit Ziehbrunnen und Trog davor.An zwei Seiten grenzte daran ein gepflegtes Gemüsegärtlein,darin sonnseitig gelegen einige Beete mit Küchen- und HeiIkräutern.Das Ganze umhegt von einem Steckenzaun zum Schütze vor dem hauseigenen Kleinvieh, den genäschigen Hasen und anderem IJiIdzeug.Auf der anderen Seite zog sich ein kleiner Obstgarten hin bis an den Bach,wo ein russiger Kohlen stadel stand.Dieser diente zur Zwischenlagerung der im hinteren Talende erzeugten Holzkohle,die von hier aus mittels Schiffen oder Fuhrwerken landabwärts den Verbrauchern zugestellt wurde.Von der Rückseite des Hau ses gelangte man mit wenigen Schritten zu einem kleinen Schuppen, unter dessem weit vorspringenden Dach einige Bienenkörbe aufgestellt waren, deren Bewohner sich einer liebevollen Pflege seitens des Hausherrn er freuen konnten.

Die geräumige Stube,welche die beiden .länner über einen Vorraum betra ten,gewahrte durch zwei kleine Fenster einen freien Blick auf den nahen Fluß mit der Anlegestelle und von dort hinüber zum jenseitigen steilen Uferhang,dem flußseitigen Abfall einer sich ziemlich weit gegen Garsten zu erstreckenden Niederterrasse.An ihrem Nande,gerade gegenüber dem Fer genhaus,lag ein kleines dem Kloster gehörendes Bauernhaus,genannt der Spitzerhof.Entlang der anderen Nand zog sich eine fest verankerte Sitz bank bis zum ;lerrgottswinkel mit dem massiven Tisch davor,und von da he rum noch ein Stück weiter bis zur nächsten Zimmerecke.Zwei zu den beiden anderen Seiten des Tisches stehende einfache Holzbänke boten weitere Sitzgelegenheiten.Eine Kommode mit Klappult,Tintenfaß und Feder diente zu Schrei bzwecken.Dieses einfache,aus Kiefernholz gefertigte Mobilar er gänzte eine bunt bemalte Truhe und ein weiterer,aber kleinerer Tisch, bestimmt für auf die Überfuhr oder ein sonstiges Transportmittel warten de Leute.Überm Ecktisch schwebte in einem zierlichen metallischen Gehän ge unter der dunklen Holzdecke eine reich verzierte Öllampe aus hellgrü nem Glas.Den Platz neben der Tür zur angrenzenden Küche und dem Sciireibpult nahm ein mit dunkelbraunen Kacheln verkleideter gemauerter Ofen ein,in Kopfhöhe umspannt von drei Stangen zum Trocknen von Uäsche und Kleidung.Ein breites Zapfenarett an der '.land neben der Tür diente zur Ablage von Kleidung,Büchse,Pulverhorn,Kugelbeutel,Feuerschwamm und Zünd stahl sowie zweier Laternen. '.Jährend der Gast am Tische Platz nahm,holte der Förg aus dem im Herr gottswinkel eingelassenen,mit schönem Schnitzwerk verzierten Schränkchen eine Flasche "Gebrannten" samt Gläsern und schenkte beiden ein.'.Jie es der Brauch,rodete man ein wenig vom Jetter,erkundigte sich nach dem leib lichen Befinden und kam dann zum Neuigkeiten-Austausch.Beim Sößthaler dauerte es bis dahin überhaupt ein bißchen länger,zumal ihm Redseligkeit offenbar nicht angeboren war.Dazu mag auch sein harter,verantwortungs voller Beruf beigetragen haben.Schiffleute und Flößer mußten ganze ITänner sein.'.iageniut und beste körperliche Verfassung waren '/oraussetzung für iiire Bewährung im harten Alltag,in welchem sie sich mit den Kräften von ■.Jasser,'.Jind und Jetter auseinanderzusetzen hatten.Vielen von ihnen ist dabei der Fluß frühzeitig zum Grab geworden. "Vorig'smal hast mir von einer '.lilderersach'n bei euch drinnen was er zählt - is dabei schon was herauskomma?"wollte der Förg wissen. "Ah,du raeinst die Sach'n im Töllergrab'n,wo sie an Hirsch'n g'schossn hab'n im Losensteiner Revier.Da hat sich die Herrschaft Steyr großmäch-

tig dreing'miseht,denn es hat dera net g'falln,daß die Losensteiner all eine de Wildschütz'n abg'straft hab'n.Da Laussabach.hab'n sie erklärt, is a Rainbach im Jagdbezirk,die Uildbahn seit unvordenklich'n Zeit'n bei der Herrschaft losenstein,und daher hat Steyr nix zu sag'n.Ob und wel ches End die Sach' g'nommen hat,is mir net bekannt.Aber voriges Monat hat's dort nächtlicherweil wieder kracht und die Herrschaft Steyr hat an die Losensteiner wieder a Schreib'n g'schickt,in dem sie behauptet, das alleinige Recht der Abstrafung aus den alten Regalen zu hab'n.Der Laussabach,sag'n sie,sei zur Hälfte Losenstein,zur Hälfte Steyr und Graf Lamberg erklärt,er habe die ganze kaiserliche Herrschaft erhalt'n,somit a den Wildbann". "G'stritt'n wird alleweil",stellt dazu mit leichtem Kopfschütteln der Förg fest,"und unsre Herrschaft,ziemt mir,betreibt dös mit viel Fleiß und Ausdauer.Wann i da nur an die Streiterei zwisch'n ihr und dem Klos ter weg'n der obrigkeitlich'n Zug'hörigkeit vom Mayr z' Dambach denk', die an die siebzehn Jahr dauert hat!" "Tat mi groß verv/undern,wenn die jetzige Sach' mit den Losensteinern a kurzer Prozeß werd'n tat'IDa werd'n die Herrn Advocati sich dran recht guetlich tuan.Das Ganze is nämlich no verworrener word'n,weil inzwisch'n da Laussabach beim letzt'n Hochwasser auf etliche Klafter sei Rinnsal verlass'n hat und seither auf Losensteiner Gebiet und damit auf'n ßurgfried 'kerama is". "Unsereins könnt dazua eigentlich 1 ach'n,wann si die Herrn recht tüchtig streit'n",überlegt der Gastgeber,"aber schließlich san halt do mir,die 'Holden' und 'Hintersassen',wia sie uns Untertanen bezeichnen,die Dummen von denen sie ihr Geld eintreib'n". "Wenn's um die Garns'n geht" weiß der Sößthaler weiterhin von der Jägerei zu berichten "da is er empfindlich,unser Herr Obristlandjägermeister. Hat da unlängst das Forstamt Großraming von ihm an Verweis 'kriegt,weil 'sich eig'nmächtig unterstanden hat,durch seine Huebjager in der kaiserlich'n Wildbahn auf Gams'n jag'n z'lassn.Alle Förster dort habn a Zu schrift 'kriegt,die sie unterschreib'n hab'n müassen - die Gams'n g'hörn scho alleweil zur hohen Wildbahn,zur kaiserlich'n!" "Aber was die Wilderei anbeiangt",bringt der Förg seine Überzeugung zum Ausdruck,"da sind nua die Herrn vom Steyr-Forstamt samt dem Landesjäger meister schuld,die ja unter einer Deck'n steck'n.Die Schern sich net um kaiserliche Verordnungen,nach denen sie das überzählige Wild abschiaß'n son.t'n,das soviel Feldschad'n anrieht'.Wann alleweil mehr unerlaub-

terweis' an iJüdpret g'schoss'n wird,so tuan das die Leut nit zum Vergnüg'n,sondern aus Notwehr.Da bei uns herauß'n is ja net anders.Gar man cher Bauer vermag seine Abgab'n nimmer z'1 eistn.wei 1 dös IJild die Feld frucht vernicht'.I selber bin ja gleichfalls betroff'n" und auf die Kom mode weisend fährt er fort,"könnt dir die Aufstellung zeig'n,was an Ab gab'n den Urferleut'n an mich als Förg vorg'schriebn is und was sie tat sächlich erbring'n.nit dem Fergen- und Zillengeld und den Abgaben vom Kloster kann i net klag'n.aber über die Bauern mit dem Korn- und Haberndienst!" "Wann dös no länger so weitergeht".befürchtet der Sößthaler mit sorgen voller Miene,indem er sich zum Gehen anschickt,"brauch'n sich die Herrn nit wundern,wenn's wieder einmal staubt.Aber jetzt mÖaß'n mir mit unrer Fuhr' wieder weiter,sonst wird's uns finster,eh mir in Ternberg sein. Pfiat di!" Pferde,Reiter und die anderen Knechte waren schon bereit für die Wei terfahrt.Hit frischen Kräften und lautem Hüh setzte der Schiffzug seine Fahrt fort. Ein kleines Stückchen Weges flußaufwärts,wo besagtes ebenes Ackerland zum linksseitigen Ufer wechselt,zieht sich ein mäßig ansteigender Hang mit einem Sträßlein hinauf zur Hochterrasse,die sich nordwärts bis über Steyr hinaus erstreckt.Dieser Weg zählt zu den Altstraßen unserer Gegend, die schon zur römischen Besatzungszeit bestanden,in der Anlage aber weit in die vorchristliche Zeit zurückreichen.Er führt von Garsten her kom mend an dem alten Gehöft "Hayr in der Garsten" vorbei,wo einst ein römi sches Landhaus stand,Uber den Höhenrücken östlich des Garstnerbaches entlang zum "Hochstrasser",von wo er dann zur Enns absteigt und sich bei dem ehemaligen "Vischergut zu Sämigk" verzweigt. Der eine Teil findet seine Fortsetzung entlang besagter Ebene in Rich tung Ternberg,der andere steigt nach Überquerung der Enns an der Ausmün dung des Dambachtales vorbei zum Gasthagergütl auf.Von dort führt er,ei ner uralten Wegverbindung folgend,über das Mühlbachtal hinüber in die Gegend von Laussa und Losenstein. Dem Schiffzug folgend,trat bald zur linken Hand ein steiler,mit Wald und dichtem Buschwerk bedeckter Hang an das Flußbett heran.Die Strömung war hier an der "Eisen Hürt" sehr lebhaft,wo ein teilweise aus dem Was ser ragender Felsriegel für Flößer und Schiffer eine gefahrvolle Behin derung bildete und von diesen ein besonderes,mit Erfahrung verbundenes Geschick erforderte.Derzeit war der Wasserstand günstg.sodaß der Zug dieses Hindernis ohne größere Schwierigkeiten passieren konnte.

Kurze Zeit später war inan zum ausmUnaenden Mühlbaclitäl mit dem in al ten Urkunden erwähnten "ttulibach" gelangt.Sein Vlasser trieb die näder etlicher iiUhlen und Brettersägen in dem beidseitig von Hügelhängen be grenzten lieblichen Tal.Schon seit frühesten Zeiten klangen hier die Hämmer von "Feuerarbeitern".Zu dieser Zeit betrieben neben etlichen Hufund Wagenschmieden zahlreiche Klingen- und Nagelschmiede ihr Gewerbe; ebenso waren hier Heber,Binder,Korbflechter,Jagner,Rechen- und Gabelmacher und andere Handwerker angesiedelt.Die Hehrzahl der Bewohner lebte jedoch hauptsächlich von der Landwirtschaft. Entsprechend der hohen Bevölkerungsdichte dieser Gegend hatte schon frühzeitig die Hofmark Steyr das Amt Hiihlbach als einen seiner Verwal tungsbezirke errichtet,zu dem neben .'iühlbach die Ortschaften Ober- und Unterdambach gehörten.Von den über siebzig Untertanen waren Abgaben ver schiedener Art teils in Geld.teils in Maturalien zu leisten,wozu fall weise persönliche Dienstleistungen kommen konnten,die meist durch Geld zahlungen ablösbar waren.Da gab es vor allem das Rüstgeld,die Landsteu er,den Hein-,Schnitt- und Fischpfennig.An Naturalleistungen waren in dieser Gegend Hafer und Korn,Lämmer,Hühner.Schulterstücke und "Zinspal ten" (Leinwanddienst) üblich.Das Robotgeld,welches alle,auch die sog.be freiten .Ämter Neustift,Hindhag.Pfnurreut und Ebersegg zu leisten hatten, nahm der Amtmann jährlich am St.Georgentag ein. Die Rast des Schiffzuges war hier nur eine kurze gewesen.Nun galt es, ein unweit davon befindliches,dem "Eisen Hurt" ähnliches Hindernis,den "Rosenauer Wolf" zu überwinden.Unmittelbar oberhalb davon gab es eine starke FlußkrUmmung mit ruhigem Wasser,von dem ein kleiner Teil zur un terhalb des Schwalles am linksseitigen Ufer gelegenen Mühle geleitet wurde.Dieser Fluflabschnitt konnte nicht sosehr wegen des Schwalles sel ber,sondern wegen der dort herrschenden Unübersichtlichkeit für Schiffer und Flösser gefährlich werden,wie sich auch jetzt zeigen sollte. Als der Schiffzug sich etwa auf halber Höhe des Schwalles befand,steu erte,plötzlich aus der Flußkrümmung kommend,ein mit vier Mann besetztes Floß diesem zu.War schon bei freier Durchfahrt seitens der Flbsser höch ste Aufmerksamkeit und Manövrierkunst erforderlich,so galt dies im be sonderen Maß,wenn sich Fahrzeuge an dieser Stelle auf ihrer Fahrt kreuzSogleich gab der Sößthaler beim Ansichtigwerden des herankommenden Flosses lautstark an seine Leute entsprechende Anweisungen und seine an dieser Stelle knietief im Wasser ausgreifenden Zugpferde wurden durch Zurufe und Peitschenhiebe zu vermehrter Anstrengung angetrieben.So ge-

langte das Scniff schnell an den Hand der Fahrrinne,um damit dem Floß möglichst viel Platz zur Vorbeifaiirt zu bieten.Auf diesem v/arfen sich besonders die beiden vorderen Männer mit ganzer Kraft in die Huder,aenn man mußte auf engstem Haum Zivi sehen Schiff und den zum Teil aus dem .las ser ragenden Felsbrocken hindurch! Schon war man knapp an dem Schiff vorbei gekommen,da gab es einen das mächtige Hauschen des Wassers übertönenden dumpfen Laut:das Floß war auf einen in sehr geringer Tiefe befindlichen glatten Felsbrocken gestoßen, so daß es zwar in der Folge dröhnend und ächzend unbeschädigt darüber Iii nweggl i tt,dabei aber einen gewaltigen Ruck erhiel t.Qadurch verlor ei ner von den Männern das Gleichgewicht und stürzte rücklings ins Wasser. Dabei hatte er das Glück,nicht unter das Floß zu geraten und überdies nach einigen Metern Dahintreibens an einem aus dem Wasser ragenden Stein Halt zu finden.Von dort an das nahe Ufer zu gelangen,viar für ihn auch ohne fremde Hilfe nicht allzu schwierig,zumal er des Schwimmens kundig war.In dieser Hinsicht zählte er zu den Ausnahmen der damaligen Zeit und er tat gut daran,diese seine Fähigkeit streng für sich zu behalten,denn man pflegte lediglich Michtschwiamer für den Floßdienst einzustellen in der Über!egung,daß solche im Gefahrensfal1 mehr auf das Wohl des Floßes bedacht wären als Schwimmkundige. Bald darauf hatte der Schiffzug mit viel Peitschenknall und lauten Hu fen diese schwierige Passage hinter sich gebracht und war in das seichte Wasser der Krümmung gelangt,wo sich eine seit altersher benutzte Furt stelle befand,die auch Gelegenheit zu bequemem Uferwechsel bot.Zu diesem Zweck holte man die dazu abgerichteten Pferde samt den Heitern und dem Aufleger an Bord,und mit Hilfe auf den Grund reichender Stangen,gegen die man sich abstützte,hatte man in kurzer Zeit übergesetzt. Dann ging die Fahrt am linken,flachen Ufer in gewohnter Weise weiter, vorbei an einzelnen sich hinter Gebüsch und Bäumen duckenden Bauernhäu sern.Westlich davon,entlang eines langgestreckten und von mehreren Grä ben durchfurchten Hügels,zog an Feldern und Wiesen vorbei eine schmale Straße hinauf gegen den flachen Sattel und von dort hinab nach Steinbach im Steyrtal.Diese Verbindung zweier bedeutender Flußtäler mag schon in grauer Vorzeit - damals freilich nur als Saumpfad - von Bedeutung gewe sen sein,zumal diese Gegend Funden zufolge schon in der Frühzeit besie delt war.Später hatten die Römer den schmalen Pfad zu einem einfachen Fahrweg ausgebaut,und zu seinem Schutz mag dort oben am Sattel ein höl zener Wachtturm gestanden haben.Funde lassen uns weiterhin wissen,daß

1 Roßplätte (Einstellplätte) mit Schißfpferden, deren eines eben .einspringt". Ölbild von Adolf van der Venne

in jener Frühzeit etwa auf halber Hanghöhe gegen Schweinsegg zu kelti sche Schmelzöfen geraucht haben,beschickt mit magerem Erz aus dem Räume Ternberg-Uendbach. Eine kurze Strecke noch trennte das Transportschiff von seinem Tages ziel,dem Orte Ternberg,der in alten Urkunden als Dernbeck,Ternipach oder auch Ternperck aufscheint.Vielleicht gab es hier zur Römerzeit bereits eine Siedlung,worauf tlünzfunde schließen lassen.Der Kirchenbesitz dieses Ortes war im Jahre 1112 dem Kloster Garsten geschenkt worden,das Umland mit dem Amt Ternberg kam wahrscheinlich als Erbe von Traungauern an die Herzoge von Österreich.Jedenfal1s erscheint es im Jahre 1255 im landes fürstlichen Besitz.Daß die dortige erste Kirchengründung offenbar schon vor der Jahrtausendwende erfolgte,erhellt ein Vermerk in "Monumenta Germaniae Historia,Tomus VIII Austriacum Garstense" ,wo unter anno 865 ver merkt ist:"Adelwinus archepiscopus ad Ternberch dedicavit ecclesiam in honore santi Laurentii".Dazu findet sich im Original die Anmerkung "Wird u.a. erwähnt in der Schrift über die Bekehrung der Bajuvaren." Das Tal verengte sich nun immer mehr und die Ufer an beiden Seiten wurden steiler abfallend.Zwei mächtige aus dem Wasser ragende Felsen,ge nannt der "Wolfstain",mahnten die Schiffleute zu erhöhter Vorsicht.An den Berghängen jenseits des Flusses waren die Schatten weit hinaufgekro chen und weiter drinnen begann sich bläuliche Dämmerung über das Tal zu legen. Nachdem schließlich das Schiff an der dortigen Ladstatt fest verseilt worden war,strebten die Schiffleute samt Pferden müden Schrittes ihren Unterkünften zu.Am folgenden Tag sollte frühzeitig nach Löschung der Gü ter die Fahrt nach dem Endziel Kastenreith weitergehen.

EIN SCHÜTZENFEST IN DAMBACH Soweit man sich erinnern konnte,hatte in Dambach das jährliche Arm brustschießen stets am ersten Sonntag im Oktober stattgefunden.Auch an den Satzungen,Regeln und dem damit verbundenem Brauchtum gab es im Laufe der Zeit keine wesentlichen Veränderungen.Während man von seilen der Obrigkeit dem Büchsenschießen wohlwollend-förderlich gegenüberstand,be gegnete man dem Armbrustschieflen mit einem erheblichen Mißtrauen.Dies mag damit begründet gewesen sein,daß letztere Sportart praktisch lautlos und das Gerät für jedermann leicht erwerbbar war.Im BUchsensport hingegen sah man mit Recht eine willkommene vormilitärische und zudem für den Staat nahezu kostenlose Ausbildung. Allerdings waren während der Gegenreformation beide Schießsporte aus naheliegenden Gründen weitgehend verboten,wobei es erhebliche regionale Unterschiede gab.Beispielsweise herrschte in der Stadt Steyr,deren Be völkerung sich fast zur Gänze zum Protestantismus hatte bekehren lassen, strenges Ausübungsverbot,während man sich im südlich davon gelegenen Siedlungsbereich,wo es wenig Probleme mit dem Protestantismus gegeben hatte,weitgehend tolerant zeigte.Dessen ungeachtet trachtete man hier in Dambach bei der Ausübung des Armbrust- oder Ballesterschießens - wie es auch benannt wurde - nach außen hin möglichst wenig in Erscheinung zu treten.Man begnügte sich daher mit einem jährlichen Mahlschießen im Oktober.Auch der feierliche Schützenzug,wie er in früheren Zeiten üblich gewesen,unterblieb. Der Schießplatz selbst war eine Winkelschießstätte an der Rückseite der Derfler-Taverne.Eine Planke diente als Markierung des Standes mit einem auf vier Pfählen ruhenden,pultartigen Dach aus Reisig.Ebenso ein fach gestaltet war die Scheibenwand in Form von etlichen auf Pfosten ge nagelten Brettern,mit Girlanden aus Tannenreisig und Herbstblumen ge schmückt. Wie immer geschah die Einladung zum Schießen nach altem Brauch durch Ladmänner,von denen jeder einen blumengeschmückten Ladstock trug,ähnlich jenen der Hochzeitlader.Sein Anliegen trug er in lustiger,manchmal auch gereimter Form vor.Geladen wurden die Schützen selbst mit ihren Frauen und Mädchen,sowie deren Verwandte und Bekannte.Es war also eine weitge hend geschlossene Gesellschaft,die irgendwie am Schützenwesen Anteil nahm.Am Vorabend trafen die Ladmänner mit den Schützen zum Andingen beim

Wirt zusammen,mit dem sie alles das Mahl Betreffende besprachen und aus handelten.In dieser hinsichtlich Standeszugehörigkeit offenen Gesell schaft dominierten die Nagelschmiede,stellten sie doch den überwiegenden Anteil der Ortsbewohner. An der mit Tannengirlanden geschmückten Haustüre wurden die Gäste vom Wirt und dem Schützenmeister begrüßt,von wo man sie zum Schießstand hin term Haus begleitete.Wenige Schritte neben diesem war der Fahnlbaum mit den bunten Bändern als Wahrzeichen des Schützenmahls aufgestellt worden. Jeder Schütze zahlte zunächst beim Kassier seine Schußgebühr,worauf er einen Schußzettel mit Nummer erhielt,um sich dann zu einem der beiden Stände zu begeben,wo er auf seinen Aufruf wartete. ' Mit der Armbrust wurde stehend frei mit markiertem Bolzen auf eine etwa 12 Meter entfernte Scheibe geschossen; die Treffer wurden unmit telbar nach jedem Schuß vom sogenannten Zieler draußen durch besondere Gesten angezeigt,wobei nach altem Brauch dafür gesorgt war,daß der Humor nicht zu kurz kam.So verneigte sich beispielsweise der nach Art eines Hanswurst kostümierte Zieler bei einem guten Treffer und zog dabei seine Spitzkappe oder er kletterte nach einem besonders schönen Schuß auf die Kante der Scheibenwand,wo er seine Possen trieb und nur auf gutes Zure den mit Versprechungen wieder herabzuholen war.Erst nach Beendigung der jeweiligen Schußserie übergab man die lediglich mit einem kräftigen Zen trumspunkt versehene Scheibe dem Schreiber zum Auszirkeln und schrift lichem Festhalten der Treffer.Für jeden davon durfte sich der Schütze ein ßlümlein an den Hut stecken,der im übrigen beim späteren Mahl ein unentbehrliches Requisit darstellte. Neben dieser Hauptscheibe gab es noch eine Laufscheibe und zwar in der Art,daß eine in Kontur und Bemalung den Oberteil eines Türken darstel lende Scheibe ziemlich rasch über den Zielbereich gezogen wurde.Ein gu ter Treffer darauf erforderte natürlich besondere Geschicklichkeit. Nach Beendigung des Schießens erfolgte die Preisverteilung mit Vergabe der Beste,wobei dem schlechtesten Schützen ein Schweinchen ("Sau") über reicht wurde. Inzwischen war die Helle des Tages dem nun aufkommenden Zwielicht ge wichen.In der Wirtsstube zu ebener Erde,wohin sich zuletzt alle Gäste begeben hatten,waren trotz zusätzlich herbeigeschleppter Bänke die Sitz gelegenheiten rar geworden.Endlich erfolgte das mit Ungeduld erwartete Zeichen des Schützenmeisters zur Einnahme des Mahles in dem kleinen Saal im Obergeschoß,wohin sich nun alles geräuschvoll über die hölzerne Stie-

ge drängte.Etwa die Hälfte dieses Raumes nahmen wandseitig aufgestellte, schön gedeckte Tische mit Bänken und Stühlen ein,während der andere Teil als Tanzfläche rund um den die bunt geschmückte Holzdecke stützenden Pfeiler freiblieb.Nachdem die Schützen ihre Armbrüste an diesen Pfeiler gelehnt hatten,bewegten sie sich rings um ihn mit ihren Fauen und Mäd chen eine Weile gemessenen Schrittes.Dann begab man sich zu Tisch in lockerer Ordnung,jedoch weitgehend gruppiert nach Alter und Stand. Bevor man sich dem Tanzvergnügen hingab,war eine ausgiebige Stärkung, das Schützenmahl,vorgesehen.An Appetit mangelte es nicht,und die von der Küche heraufströmenden Düfte taten ihr übriges.Schon trugen starke Arme Tabletts mit den Speisen herbei,begrüßt von freudigen Mienen und Zuru fen der Gäste.Es gab Suppe,Rindfleisch mit allerlei Zutaten und gold braun gebackene Krapfen als Nachspeise.Dazu spielten die Musikanten auf. Alsbald war reges Geplauder aufgekommen mit neckenden Zurufen und Ge lächter hier und dort.An einer Tischrunde der Älteren mit Zainhammer meister Scharwöger.dem Förgen,dem Schmied in Mühlbach,den Nagelschmied meistern Tauberger und Kirchholzer sowie einigen Frauen und Verwandten von ihnen war man über das Wetter zum Austausch der Neuigkeiten des Alltags gelangt.Da jammerte die Ranftlbäuerin,da8 ihre beste Kuh in die sem Jahr nicht "aufgenommen" habe,was den Förgen zu der mit schalkhaftem Schmunzeln hingeworfenen Frage veranlaßte: "Stehst dich epper mit der Köblerin net guat?" "Warum sollt i mi mit ihr net guat stehn? Hat seit viel'n Jahr'n nia Streit geb'n zwischen uns,kann mi net erinnern " '"Es könnt' aber sein",gibt der Förg zu bedenken,"daß deine Kinder im Vorbeigehn ihr a Schimpfwort zuagruaf'n oder sonst was Beleidigendes antan hab'n.Früher hat sie sowas schnell vergeß'n,aber jetzt im Alter is' sie empfindlicher word'n und rechnet den Eltern an,wann sie die Kinder ärgern." "Werd meine zwoa Bengin dahoam in's! Gebet nehma in dera Sach'",versi cherte die Bäuerin und fügte nach Mutterart hinzu,"aber wann es sich so verhaltfi tät,dann is die Köblerin selber großteils schuld,denn die Kiner San halt so: wann sie merk'n,di6 betreffende Person ärgert si'und schimpft,dann fangt bei denen erst die Hetz an,aber ausbad'n können's dann die Eltern,denn die Fratz'n sein ja allemal g'schwinder als die Damit war ein Reizwort gefallen in einer Zeit,in der vielerorts die Scheiterhaufen rauchten!Man konnte indessen nie wissen,in welche Gegend

1 i Eine Hexe stiehlt einer Kuh (links) die Milch, indem sie einen Axtstiel melkt. Aus Geyler von Kaiserberg, Die Emeis, Straßburg ifi6.

des süddeutschen Raumes der nächste Funke dieses Wahnsinns überspringen würde. "Ihr habt da a unguats Wörtl fall'n lass'n",tadelte der Förg,"grad ihr, Ranftlbäurin,sollt net so leichtfertig in da Red' sein - nehmt mir's net übl.Die Trankl und Salb'n nehmt ihr von dera samt den nützlich'n Rat schlag dazua und soviel mir bekannt,hat die "Hex" den brochenen Haxn von Eurem Schwager mit ihren Händ'n und Plastern wieder z'recht'bracht." "Wofür mir bei der Belohnung bestimmt net knausrig g'v/es'n sein",begeg net die Bäuerin schnippisch diesem Vorwurf. "Wills gjaub'n",entgegnet der Förg,"aber damit,mein i,habt Ihr Euch net zugleich das Recht erkauft,von ihr als Hex zu red'n!" "Aber sie kann was",äußerte sich dazu der Tauberger,womit er sagen wollte, daß der Körblerin besondere Fähigkeiten obskurer Art eigen waren und fuhr fort: "wenn sie um Mitternacht bei Vollmond mit ihr'm Kräutersack bei an Haus vorbeigeht,ehvor sie dort sprüchemurmelnd steh'n bleibt,dann bleibt dort oane von den Jungküh'n für das Jahr unträchtig.Das is vor zwoa Jahr'n so g'west beim Stallbauern,das laß i mir net ausred'n!" "Und wia war des voriges Jahr mit dem Daxberger",erinnert sich eben die Kircholzerin','v/ia der geg'n Mitternacht hoamgangen is und bei der Kapelln an der Weggab'lung den Teufl übern Zaun springa siacht? I sag,bei euch drinnen geht manches net mit recht'n Dingen zua." "Und i sag",bemerkte dazu der Zainhammermeister,"beim Daxberger war nit der Teufl im Spiel,sondern der Bierdunst; ansonst'n hät' er inder ruassig'n G'stalt mit der queraufg'setzt'n zwoazipflig'n Haub'n den Grabnbauern derkenna vermög'n,der von sein Kohlnmei1er unterwegs war.Dös bin i nämlich scho längst innerword'n." Das damit ausgelöste allgemeine Gelächter ließ nicht erkennen,inwieweit dise "Spuk"-Erklärung akzeptiert worden war,und im übrigen lud bereits eine flotte Weise zum nächsten Tanz. Die Beschäftigung des Menschen mit dem Übersinnlichen reicht bekannt lich bis in die fernste Urzeit zurück,waren doch die jenem Bereich zuge hörigen Kräfte für sein Leben und über dieses hinaus weitgehend mitbe stimmend.Für unsere heidnischen Vorfahren war die ganze Natur belebt. Götter,Dämonen,Nymphen,Kobolde,Zwerge und andere Geistwesen wirkten al lenthalben in ihr und standen nach altem Glauben in reger Wechselbezie hung zum Menschen.Sie wurden an heiligen Stätten verehrt,es gab Priester und Priesterinnen sowie weise Frauen,welche die Zukunft voraussagen kon nten und sich auf Wundheilung,Kräuterwirkung u.ä.verstanden.Wahrschein-

lieh wirkten sie auch als Hebammen. Die Vorstellung von Mächten des Guten und Bösen wurde später bei der Christianisierung mitübernommen und dabei vieles abgewertet: Die einsti ge Gabe der Weissagung bei den Frauen wurde mit der Tätigkeit des Teu fels in Zusammenhang gebracht,sie selbst und die heidnischen Priester innen machte man zu Hexen.Ihr Handeln und Treiben galt fortan als böse und dämonisch,denn ihre Zauber- und Hexenkünste beruhten auf geheimen Kenntnissen der Natur.Diese war aber dem Machtbereich Luzifers,des Herrn der bösen Geister und der Holle,zugeordnet. Die also in christlicher Zeit als ketzerisch bezeichneten Praktiken der weisen Frauen,die sie meist in Verbindung mit magischen Handlungen vor allem unter den Armen auf dem Lande zur Anwendung brachten,trug ih nen ihre Verfolgung als Hexen ein.Doch nicht dieser Umstand allein war hiefür verantwortlich,denn bezeichnenderweise fällt der Beginn dieses Zeitabschnittes mit jenem des Aufkommens der studierten Ärzte zusammen, deren Künste sich größtenteils auf das aus dem Altertum überlieferte Wissensgut und das der Naturheilmittel stützte. Nach dem Tanz hatten sich die Tischrunden wieder an ihren Plätzen ein gefunden.Alsbald drehte sich das Gespräch am gleichen Tisch wie vorhin um Hexen,Kräuterweiblein,Wendterinnen,Berg- und Waldgeister und derglei chen. Jakob,den Schmied von Hühlbach,der bisher kaum zum Thema beigetragen hatte,bat man nun nachdrücklich um seine Meinung.Er als besonders in der Tierheilkunst,aber auch als Bader in der Anwendung von Pflastern und Salben sowie in der Kunst des Schröpfens und Aderlassens bewandert,müßte doch dazu eine haben! "Wann ihr scho Wert legt",begann er nach einem kräftigen Schluck in sei ner bedächtigen Art,"was i über derlei Sach'n denk',so muaß i sag'n.daß i mir bei den meisten net viel Gedanken mach'.insonderheit was Geister, Kobolde,Mahre und dergleich'n anbelangt.Mir is a no koans von derlei Wes'n begegn't".und mit einem spöttischen Lächeln zur Kirchholzerin ge wandt,"a no koa über den Hagzaun springender Teufl! Viel von unseren ßräuch' geht auf unsere heidnisch'n Urväter z'ruck und beruht auf Geisterglaub'n.Trotzdem red't ma bei denen net von Aberglaub'n.weil ma ih nen später a christlichs G'wand 'gebn hat und den Seg'n der Kirch'n dazua." "Wo aber hebt der Aberglaub'n an und wia wird aus an Kräuterweibl a Hex" wollte der Tauberger wissen.

"Da fragst aber z'vül auf oanmal".erwiderte der Schmied.dessen Stirnrun zeln auf rege Gedankenarbeit hinwies."....was Aberglaub'n is und was net.das b'stimmen seit langem die Doctores der Theologie und zuletzt der Papst.Zu den Hex'n und Kräuterweibern könnt' ma scho mehr sag'n; So wia mir uns beim Ansez'n und bei der Aussaat nach der Sonn.dem Mond und den Iierkreiszeich'n - nach Schein und Zeich'n.wia ma sagt - halt'n.so is' a beim Sammeln von Kräutern.Dabei ergibt si'.daß g'wisse Pflanz'n bei Nachtzeit und Vollmond g'sammelt werd'n mliaß'n.wias halt bei spielswei5 d' Köblerin macht.Was is denn dran B'sonderes? Bei den Bäum' is' grad so wichtig,daß ma sich danach richt'n tuat." Zum Tauberger gewandt fuhr er fort; "'Wia dei Vater nach dem Brand euer Häusl wieder aufbaut hat.hab i als Bua den Zimmerleut'n machmal zuag'schaut.und da hats g'hoaßn.das Holz dazua is' zwisch'n Christtag und Neujahr g'schlagn wordn." "Ja,hast recht",bestätigte der tauberger,"bei den Tischlern und Zimmerleut' halt ma si' nach den alten Regln,wo's hoaßt: Wer sein Holz zur Christmett fällt.dessen Haus wohl zehnfach hält." "Hei Vater".vermerkt dazu der Zausmüller,"hat g'sagt.das Bauholz soll ma schlag'n.wann der Mond am kloansten is'.dann dörrt es net undspalt si' net,und wann ma's in den letzt'n Dezember- oder den erst'n Jännertag'n schlägert.wird's net vom Wurm g'fressn und wird mit der Zeit alle weil härter.Schau dir das Auergütl an,wia das no dasteht seit über drei hundert Jahrn.koa Brett an der Gieb'lwand is' g'spaltn oder Verzog'n. Oder 's Mayr z'Oambach.d'Stöcklfurt.d'Ranftleit'n und etliche auf da Höh ob'n.die alle guatding mehr als dreihundert Jahr' steh'n." 'Worauf der Förg gerne wissen wollte.woher dem ZausmUller dies bekannt "Ja",fährt dieser fort,"das hat mir mei Ahnl - Gott hab ihn selig - er zählt.und der hat's vom seinigen Ahnl - zu dem seiner Zeit hab'n die Höf scho bestand'n!" Und so wurde von diesen und anderen Höfen.Mühlen.Schmieden.Brettersägen und anderen Altbeständen der Gegend erzählt und geplaudert. Man kam dann wieder auf die Beeinflussung irdischer Lebensvorgänge durch Mond und Sterne zu sprechen.Nach allgemein geübter Praxis pflanz te bzw.säte man Rüben.Rettich und Höhren nur bei abnehmendem.hingegen Kraut,Erbsen.Blumen und überhaupt alles.was nicht unter,sondern über der Erde fruchtet,bei zunehmendem Mond.Warum sollte da Mensch und Tier die sem Einfluß entzogen sein? Für den Schmied gab es hierüber keinerlei

Zweifel.Demgemäß waren die Himmelskörper auch sehr mitbestimmend bei seiner baderischen Praxis.Wenn er bei jemandem selbst oder bei dessen Roß zu Ader lassen oder schröpfen sollte,so ziehe er vorher immer sei nen Kalender zu Rate,in welchem hiefür die richtigen und die falschen Tage säuberlich vermerkt seien.Das habe mit Aberglauben,so versicherte er,nichts zu tun,sondern dies wären ganz alte Überlieferungen. "Weil mir aber vorhin von de' Hexn g'redt hab'n",verlautet die Ranftlbäuerin,"fal11 mia a sonderbare G'schicht ein,die mia d'Muater erzählt hat: Da hab'n im Lumplgrab'n die Mutzenleut g'lebt,wobei die Weiberleut von der Familie als Hexn bekannt war'n.I woaß net worum,aber einmal wol lten d'Jaga oane von denen abschiaß'n.Das hättn's aber nur dann z'wegbracht,wenn's in die Büchs'n statt der Kugl kloane Stückln von einer dreimal in Mariazell g'weihten Kerz'n tan hätt'n.So aber is'ihnen,durch den Krach erschreckt,die Hex wild entgegeng'fahrn und sie san auf und davon,als wenn der Teufi hinterher wär." Daß die Hexen nur einen beschränkten Schutzzauber um sich selbst legen konnten,erhärteten mancherlei Begebenheiten,wie etwa die folgende,von der Taubergerin erzählte: "Unterhalb der Rebensteinermauer steht das Maurer-Häusl.In dem hat vor Jahr'n a braver Mauer und in der Nachbar schaft die Söldenbäurin g'lebt.die in der Umgebung als Hex' bekannt war. Da merkt der Maurer-Hartl eines Tag's.daß seine oanzige Kuah koa Milch mehr gibt,was er auf an bös'n Bann der Nachbarin z'ruckführt.Damit er den löst,geht er her und steckt mit der Spitzn a Eis'nstangan in'Herd, bis' glühend wird,geht damit dreimal um's Haus und stößts dann unter der Dachtrauf in die Erd'.In der folgend'n Nacht is' d'Söldenbäurin g'storb'n." Von einer verhexten Begebenheit in der L,aussagegend wußte die FörgenFrau zu erzählen: "Da is im Revier am Platt'nberg drüb'n a Bauer wieder einmal als Wildschütz unterwegs g'wesn und war mit sein Rehbock durch die Loambichlerwand so um die Mitternacht aufm Hoamweg.Wia er das Hagtürl aufmach'n will,hinkt nur weinge Schritt entfernt auf an Haslsteck'n g'stützt,die in der dortig'n Geg'nd als Hex verschriene Bäuerin langsam vorUber.Wia der Bauer sie hat anred'n woll'n,war's spurlos verschwundn vom Hag." "Da hat halt dem Wilderer sei' Phantasie arg raitg'spielt",bemerkt dazu der Zaußmüller zweifelnd,worauf die Erzählerin ergänzend berichtet: "Was sagst aber dazua,daß am nächsten Horg'n der Sohn von der Bäuerin in's Haus vom Uildschütz'n komraa is' und ihn bitt hat,es möcht ihm wer

Hexen Hont Bafdung Crien (n?o~xs:3)

behilflich sein beim Anziehen seiner Mutter,die um Mitternacht gestorben sei ?" Es wäre sicherlich noch die eine oder andere "verhexte" Geschichte zum Besten gegeben worden,wenn nun nicht an einem der Nebentische Sanges freude aufgekommen wäre,die alsbald auch die übrigen Gäste erfaßt hatte. Von schönen Stimmen getragen,erklang manches Lied,dessen Inhalt meist dem Lebenskreis der Nagel- und Zweckschmiede,der Flößer,Schiffleute,Jä ger und Fuhrleute entstairmte. Mir San ja die lustig'n Hammerschmidgsöl1n, könn'ma dableib'n,könn'ma fortgeh'n, könn'ma toan,was ma wölln. San ma schwarz,san ma weiß, ja was liegt denn daran, solang si'a Hammerschmid awasch'n kann. Blau Monta,blau Irta,das is'uns alls oans. Wann ma a Geld hab'n,tan ma an Rausch hab'n, Wann ma an Rausch hab'n,hab'n ma koans. Gebt's Wein her,gebt's Bier her,gebt's Hollerschnaps, bei uns da geht's groß her, bei uns gibt's nix Krapps. Was is' denn das für a lumpige Herbergswirtschaft, mir haun ma d'Stuhl z'samm,mir haun ma d'Bänk z'samm, mir haun ma all's z'samm mit Kraft. Drum Hammerschmid,Hammerschmid,hammerts nur zua und wann ma gnua g'hämmert ham, geb'n ma a Ruah. Und schon erklang kurz darauf am Nebentisch ein Fuhrmannslied: Macht der Hahn in da Fruah den erst'n Krahrer, so röck i' mei' Köpferl auf d'Höh, i' bin halt a Fuhrmann a schwarer, nimm d'Peitsch'n in d'Hand und schrei hö. I'schrei hU,i'schrei hö, i'schrei allev/eil wUstahahö. r han halt zwoa kohlschwarze Rapperl, san eing'spannt in an vierzöllig'n Wag'n, i' han halt mei Freid,wanns' sehen trapperin.

dös kann i'koan Mensch'n net sag'n. I'schrei hü,i'schrei hö, i'schrei alleweil wüstahahö. r han halt a bildsaubers Maderl, is' g'schniazt aus an eigenen Holz, die wascht ma vom ';Jag'n meine Raderl, drum bin i'auf sie gar so stolz. I'schrei hü,i'schrei hö, i'schrei alleweil wüstahahö. Feste sind an sich,gleich,v/elchem Anlaß sie entspringen,den elemen taren Bedürfnissen des Menschen zuzuordnen.Sie heben ihn aus den Zwän gen und Fliehten des Alltags für eine Weile heraus.Während in diesem vorwiegend der Verstand regiert,so ist das Festgeschehen eine Domäne der Seele.Hier liegt der wahre Freiheitsraum des Menschen.Dort Profanes,den Notwendigkeiten des Lebens Verbindliches,hier kaum etwas an zwangsweise Verpflichtendem,zu Erledigendem oder zu Schaffendem.Das eine kann nicht ohne das andere bestehen.Nähme man,sofern dies ausführbar sein würde, einem Volk all seine Festlichkeiten,so stürbe seine Seele. Schwinge dich,schmucker Hammerschmiedgesel1,mit deinem Mädchen im fest lichen Reigen,halte es fest mit deinem starken Arm und lebe voll diesen fröhlichen Stunden,denn sie sind dir nur spärlich zugemessen.Von diesen wird deine Erinnerung zehren in späteren Jahren,wenn man dich als nutz losen Esser an fremden Tischen nur dulden und dir im Heu ein Nachtlager zuweisen wird! Über das Tal hatte sich längst nächtliche Dunkelheit gelegt,die nun in dem Maße einem fahlen Licht zu weichen begann,als der überm Damberg aufgestiegene Mond aus den zarten Wolkenbänken sich löste.Ein sanfter Wind rührte an den Kronen der mächtigen Birnbäume vor dem Hause am gegen überliegenden Wegrand.Ab und zu löste sich eine von den überreifen Früch ten und raschelte durch das Geäst zu Boden. Der Wirt hatte sich eine kleine Verschnaufpause gegönnt und war,zu gleich nach dem Wetter ausschauend,vor die Haustür getreten.Kathi,die Aushilfskellnerin,fand es an der Zeit,den Tanzboden einmal ordentlich zu lüften,zu welchem Zweck sie die beiden straßenseitigen sowie das dem rückwärtigen Hof zugewandte Fenster weit aufspreizte.Ein Gemisch ver schiedener Gerüche zusammen mit bläulichem Tabakrauch drängte sich dabei ins Freie,ebenso ein buntes Stimmengewirr,aus dem sich oftmals laute

Worte und fröhliches Lachen abhoben. Doch dieses Klangbild begann sich plötzlich zu ändern: Während eini ge erregte Männerstimmen an Lautstärke gewannen,verebbte das allgemeine Gespräch der anderen.Dies wertete der aus Erfahrung gewitzigte Wirt als Alarmzeichen und strebte sogleich,mehrere Stufen auf einmal nehmend,nach oben dem Streitherd zu. Dort war eben der Lairaer,seines Zeichens Zweckschmied,dabei,mit erheb lichem Stimmaufwand einen Burschen zu belehren,daß man hier ein "Dreintanzen" ohne Mahlbuschen auf dem Hut nicht dulde,und glaubte seinen Wor ten besonderen Machdruck geben zu müssen,indem er die Joppe seines Kon trahenten an der Knopfreihe in festen Zugriff nahm. "Laß deine Pratz'n von mir",quittierte der Bursch diese Handgreiflich keit und wurde von seinem nun die Szene betretenden Freund unterstützt mit der Drohung "Auslass'n,sag i',sonst könnt's sei',daß i'grob werd'!" Worauf sich die massige Gestalt des Wirtes dazwischenschob mit der Aufforderung "G'rauft wird bei mir net,net unter mein' Dach! Tragt eure Sach'n woanders-aus,wenn's scho sein muaß... geht von mir aus außi,aber net da herinnen." Diese als Vorschlag zu wertenden Worte entsprangen wohl der öberlegung des Wirtes,daß er seinen Gästen,an denen er heute gut verdiente,das Ver gnügen einer Rauferei nicht vorenthalten sollte; jedoch ohne wirtschaft liches Risiko seinerseits. Das Wörtchen "außi" gab offenbar den beiden Burschen,die sich als Hesserer aus der Laussa deklariert hatten,in Anbetracht ihrer strategischen Aussichtslosigkeit den Impuls zu einem spontanen Entschluß: ehe sich's die anderen versahen,waren die beiden zum hofseitigen offenen Fenster gestürzt und,schwupps,nach kühnem Sprung unten auf dem weichen Misthau fen gelandet.Während nach ein paar Augenblicken allgemeiner Verblüffung sich des Wirtes Miene ob solch willkommenen Verlaufs der Dinge erhell ten,begannen einige der Schützen die Verfolgung aufzunehmen; natürlich nicht auf dem luftigen Heg durch das Fenster,denn das wäre unter ihrer Würde gewesen,sondern polternd über die Stiege hinab. Für die Flüchtenden war der erzielte Vorsprung nur ein sehr kurzer gewesen,denn kaum waren sie auf die Straße gelangt,hinderten sie von hinten zulangende Hände am Weiterlaufen. "Heh",rief dabei einer der VerfQlger,"san dös sonderbare Bräuch',si' auf derlei Weis' z'druckn samt der Zech'l" "Wia dö ausschau'nl" stellte ein anderer fest,der den einen Ausreißer

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