Führer durch Österreichs Kunststätten - Die Stadt Steyr in Oberösterreich

29 die Steyrer doch immer mehr zu denselben hin und nahmen der Hßitjc nach Prediger in der gemeinde auf. Selbst die vom Stifte garsten bestellten Pfarrer der Stadtpfarre waren nicht mehr verlässlich. Auch machten sich die Wiedertäufer neuerdings breit. Äudj die Türkenkriege, die jetzt fast ununterbrochen wüteten, wurden Steyr fühlbar. Ä.ber dank der Bürger­ garbe kamen diese bösesten Feinde nicht bis in die Stadt, sondern begnügten sich 1529 mit der Verwüstung der Umgebung. Für die Zukunft wurden dann vom ganzen Lande wirksame Vorkehrungen für die Verteidigung getroffen, die allerdings alle Städte sehr hart belasteten. Sie bewährten sich aber und 1532 wurden die Türken kräftig abgewiesen. Der Protestantismus nahm rasch an Anhängern zu und seit 1545 sind in Steyr alle Kirchen, einschliesslich der neuen grossen Pfarrkirche, in Händen der Neugläubigen. Vom 1. bis 20. September 1547 tagten in Steyr die Stände von Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain und beschlossen, beim Kaiser vorstellig zu werden, dass ihnen der Empfang der Kommunion unter beiden gestalten bewilligt werde. 1559 wurde in Steyr das protestantische gymnasium, die Lateinschule, im ehemaligen Dominikanerkloster errichtet. Unter Maximilian 11. gewann der Protestantismus am meisten an Anhängern, denn 1565 erhielten die landesfürstlichen Städte freies Ausübungsrecht des neuen Glaubens. Äber unter seinem Sohne Rubolf begann die Gegenreformation, die all­ mählich auch in Steyr durchgeführt wurde. Wohl hatten sich die Steyrer gegenüber den Bauernrevolten von 1594 und 1595 sehr wacker gehalten und denselben den Einlass in die Stadt verwehrt; trotzdem aber mussten sie den kaiserlichen Gegenreformationskommissären ihre Tore öffnen. Sie wurden wegen Hartnäckigkeit, die protestantischen Kirchen zu sperren und die Prediger auszusagen, zu einer schweren Geldstrafe verurteilt. Auch die unter dem Rektor Georg Mauritius stehende Steyrer Lateinschule, die es zu höchstem Ansehen gebracht hatte, ging ein. Dagegen kann die vom Erzherzog Matthias den österreichischen Ständen aus politischen Rücksichten gewährte Glaubensfreiheit von 1609 nur als ein letztes Aufflackern des Protestantismus in Österreich bezeichnet werden, denn

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