Fabrik wird Museum

Gerhard Pfeisinger/Hans Hoffer Arbeit ist Kultur - Kultur als Arbeit Ein Zwiegespräch Gerhard Pfeisinger: Ich nehme an, daß der Anknüpfungspunkt deiner Mitarbeit am Museum Arbeitswelt die Ausstellung A EIOU in Stein 1985 ist. Was hat dich besonders an dem Projekt Steyr interessiert und wie bist du herangegangen? Hat dich das Thema ,, Industrielle Arbeitswelt" gereizt? Hans Hoffer: Da hat es verschiedene Wege gegeben, die zum Teil auch länger zurückliegen. Ein großer Anreiz war sicher der konkrete Ort, das Fabriksgebäude mit seinem interessanten Umfeld , dem Wehrgraben. Das hatte mich auch in Stein schon sehr interessiert, nicht in sterilen Ausstellungshallen zu arbeiten, sondern in anders belebten Räumen, mit all ihren Spuren vergangener Produktivität. Große Teile des sogenannten allt.äglichen Lebens und damit der Arbeitswelt bestimmen ja viel wesentlicher unsere Kultur als so manche Ausstellung in Galerien. Als ich die Hackwerke mit den vielen Maschinen aus ganz verschiedenen Zeiten zum erstenmal gesehen habe, war ich tief beeindruckt von der Gewalt und der optischen Geschlossenheit der ehemaligen Arbeitsräume. Daher kam auch mein erster Vorschlag, doch alles zu belassen, den „Tatort" zu konservieren und die Besucher in einem Glasgang in und durch das Innere dieses „Industriekörpers" zu führen, das wäre schon eine Art von Museum gewesen. Man sollte ja nicht nur Fresken und Skulpturen erhalten, sondern auch mit großer Genauigkeit jenen Spuren nachgehen, die ganz alltägliche Tätigkeiten und Lebensweisen hinterlassen. Die näherliegende Vergangenheit und Bereiche der Gegenwart mit demselben Interesse betrachten wie z. B. die Bronzezeit oder eine andere weit zurückliegende Geschichtsepoche. Als zweiten Anreiz für meine Arbeit möchte ich die beiden Pole: Arbeit - Kultur nennen, und zwar nicht im Sinne der Trennung, sondern als Untersuchung der Wechselwirkung. Arbeit, einmal nicht beschrieben über die Geschichte der Werkzeuge, eher an Hand der näheren Umgebung des arbeitenden Menschen, ja, der arbeitende Mensch, im Zentrum dieser Ausstellung! Meine Arbeit im Theater hat ja mehr fiktiven Charakter; kurzfristig werden Gedankenräume in erkennbare Kunsträume umgesetzt , die nach Ablauf der Vorstellungen wieder verschwinden. Was bleibt, sind höchstens Meinungen und Interpretationen. Das Projekt Steyr, als 50

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