Fabrik wird Museum

Die Bildungsaufgabe der Museen wurde zunächst vielfach mit der Bildungsaufgabe der Schule korreliert und die musealisierten Objekte zum Anschauungsunterricht angeboten: Museumskurse, kunstgewerbliche Anregungen und Museumsführungen wurden eingeführt. Im Zusammenhang mit demokratischen Bildungsbestrebungen - vor allem nach dem 2. Weltkrieg - wurde die Diskrepanz zwischen den „wissenden" Museumswissenschaftlern und den „nichtwissenden" Museumsbesuchern immer deutlicher thematisiert. Besucheruntersuchungen zeigten schließlich auf, daß weite Bevölkerungsgruppen überhaupt keine Museen besuchen. Begriffe wie „Schwellenangst" und „Bildungsbarriere" sorgten für Unruhe und führten dazu, daß Begriffe wie „Museumspädagogik" und „Museumsdidaktik" zu Alltagsbegriffen in niederländischen, skandinavischen, englischen und vereinzelt auch in Museen der BRD wurden. „Museumspädagogische Dienste" wurden ins Leben gerufen, die nun Konzepte, Methoden und Vorgangsweisen erarbeiten sollten, um eine Brücke herzustellen zwischen den Bedürfnissen, Fragen und Wünschen der Besucher und den Inhalten der wissenschaftlichen Arbeit, der Organisation und der Gestaltung von Museen. Vielfach wurden sogenannte „Curricula" erstellt, um die Ausstellungs- und Sammlungsinhalte in Bezug zu Lehrplänen und schulischen Vermitt lungsformen zu setzen und Anregungen zur Unterrichtsgestaltung zu ermöglichen. Bald darauf kam es zu einer Wende in der Museumspädagogik. Man suchte nach neuen Möglichkeiten, das Museum demokratisch zu nutzen. Allen Schichten der Bevölkerung - auch den traditionell nicht zu den Museumsbesuchern zählenden Menschen - sollte eine Möglichkeit angeboten werden, das Museum nicht nur als Ort der ,,Geschichtsbewahrung", sondern auch als Ort der „Geschichtsaneignung" zu benutzen. Nicht die Museumsbestände allein, sondern die Lebens- und Kulturzusammenhänge sollten dargestellt und vor allem nachvollziehbar und anregend vermittelt werden. Es ging nicht nur darum, ,,Schwellenangst" und „Bildungsbarrieren" aufzuweichen. Bevölkerungsnahe Museumsarbeit bedeutete die Verschiebung einer Haltung den Museumsbesuchern gegenüber. Seine Rolle wurde nicht länger als „Konsument" gesehen, sondern als „aktiver Mitgestalter" für den Vermittlungsprozeß verstanden. Das bedeutete die Beteiligung von jeweils von einem Thema Betroffenen an dem Ausstellungsaufbau, die Mitbestimmung innerhalb der Museumshierarchie; vor allem aber eine intensive Auseinandersetzung von seiten der Museumspädagogen mit Lern-, Wahrnehmungs- und Erinnerungsvorgängen sowie den wissenschaftlich erarbeiteten Ausstellungsthemen, um Inhalte vermitteln zu können, die für heute relevante Fragen mögliche Antworten oder neue 42

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