Karl Eder - Glaubensspaltung und Landstände in Österreich ob der Enns

413 gefüllt mit Streitigkeiten über Kirchenvogteien 048 ) , über die Entfernung der Leichen protestantischer Adeligen aus katholischen Kirchen 540 ), über Klagen abgestifteter protestantischer Untertanen 550 ) und ähnlicher der Gegenreformation entspringenden Händel. Heggenmüller blieb Ver- weser bis 1604 und wurde von Hans Heim, Freiherrn von Reichenstein, abgelöst, der jedoch 1605 als Letzter seines Geschlechtes starb. Erst mit Georg Siegmund Freiherrn von Lamberg erhielt 1606 Österreich ob der Enns wieder einen Landeshauptmann 5 " 1 ). c) Aus b 1i c k und Ausk lan g. Mit Löbl war die starke Hand im Lande ob der Enns verschwun- den. Die Gewalttätigkeiten des Adels und der von ihm beeinflußten Bevölkerung gegen die katholische Kirche nahmen Formen an, daß sich der Kaiser mit dem Gedanken trug, die Religionskonzession in Öster- reich ob und unter der Enns zurückzuziehen. Ein Gutachten des Ge- 548 ) So erklärte z. B. Propst Hermann von Waldhausen Hofkirchen als Filiale von Saxen, über das e.r Lebensherr und Vogt war, während der Be- sitzer der Herrschaft Klamm vor dem Verweser der Landeshauptmannschaft Hof - kirchen a ls zu K lam gehörig bezeichnete. Von Klam aus sei Hofkirchen viele Jahre her mit Pfarrherren der A C besetzt worden. Da sich der Pfarrer zu Sa- xen (jetzt Erhard Pogner) und der Pfarrer von Hofkirchen (jetzt Herr Otto) gegenseitig aushalfen , sei möglicherweise der Pfarrer von Saxen in die Pfarr- kirche Hofkirchen gekommen. Landesarchiv, Neuerwerbungen 1930, Hs. 126, B I. 471' f. Wolf Hohenfelder verteidigte nach dem Tode seines Vaters Achaz von Hohenfeld die Lchenschaft über die Pfarren P e u erb ach und N a t t e r n- b ach. Ebenda, BI. 582- 588' . 549 ) Im Jahre 1600 begr ub Karl Ludwig Fernberger zu Eggenberg gewaltsam die Witwe seines Bruders in der Pfarrkirche Vor c h d o r f. Am 13. August 1600 be- fah l Löbl, auf Beschwerde Kremsmünsters, dem Fernberger die Ausgrabung und Wegschaffung der „unkatholischen Wittib". Neuerwerbungen im Landesarchiv H•30, Hs. 126, BI. 559-559'. Fernberger berief s ich darauf, daß am 4. November 15~3 der Nuntius Petrus Paulus Vergerius dem Johann Fernberger zu Eggenberg, kaiserlichem Rat, oberstem Sekretär und Vizedom in Osterreich ob der Enns, das Präsentationsrecht über Vorchdorf in den ungeraden päpstlichen Monaten übertrug, während es in den geraden Monaten weiter Kremsmiinster zustand. Ebenda, Bl. 552- 554'. Der Streit setzte sich fort. Am 2. Mai 1604 beteuerte Abt Al exander von Kremsmünster dem Hans Christoph Fernbe1·ger zu Eggenberg und Messenbach, Erbkämmerer in Osterreich ob der Enns, er könne wegen der hohen Strafen nicht erlauben, daß die verstorbene Fra11 seines Bruders Karl, Johanni),, geb. Geyrein von Ortenburg, in der Pfarrkirche von Vorchdorf begraben werde, da sie nicht katholisch war. Wenn er die Erlaubnis verantworten könn te, schlüge er sie l!'ewiß nicht ab. Ebenda, Bl. 557- -55i'. In der gleichen Angelegenheit fragte der Propst von Schlägl 1602 wegen der Sepultur Ulr ich Herleinspergers in der Kapelle dieses Geschlechtes in der Pfarrkirche Rohrbach an. Die Hofrefor- mationskanz lei in Linz erklärte sich am 22. Apr il 1602 in dieser rein geistlichen Sache für unzuständig. Ebenda, Bl. 560. A ls Propst Wenzel Heinrich Herleins- perger zu Bruck an der Aschach nach Passau verwies, stellte der Admin istrat•Jr Christoph Pöttinger am 27. April 1602 die Entscheidung Schlägl anheim. Ebenda, Bl. 561 f. und 563. 050 ) Vergl. z. B. die undatierte Eingabe Michael Meyrs, Eigentümers des Gutes zu Straß in der Pfarre A lkoven , gegen den Pfleger von Ebelsberg, Se- bastian Adlzhausen. Landesarchiv, Neuerwerbungen 1930, Hs. 126, Bl. 572-57i ". ü ber den Pfleger vergl. M. Rupertsberger, Ebelsberg, S. 174. •GI) Pritz, Bel . II, S. 608 .

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2