Österreichisches Brucknerfest 1936

Die heutige oberösterreichische Generation, aus deren Mitte ideale Vorkämpfer für die Bruckners Sache seit Jahren tätig sind, treten unentwegt für die Weltgeltung des leider noch in vielen Aus« landsstaaten unverstandenen Größten nach Beets hoven ein. Oesterreich, und besonders das in der Musikgeschichte seit je eine bedeutsame Rolle innehabende Oberösterreich, hat eine dankbare, erfolgsichere, aber auch noch mühselige Schurfs arbeit im Ausland für Bruckner zu leisten. Als eine solche sind die BrueknerfestsKonzerte des Landes und der Stadt zu werten. Die Heerrufe für den Besuch der Aufführungen der Brucknerwerke in bestmöglichster Auslegung durch die führenden österreichischen Orchester und Dirigenten sind in alle Weltteile ergangen. Durch die internationale Verbindung der „Ravag", ihre Uebertragungen, ist ein wertvoller Apparat gegeben. Das Interesse wird um so größer sein, als symphonische und kirchliche Standard« sowie Kleinwerke an jenen historischen Stätten erklingen werden, an denen der „Gottesmusikant" lebte, wirkte und schuf. Bruckners Musik sind ja Ausschnitte aus seinem Heimatlande, sind Selbstbekenntnisse seiner Gott« frömmigkeit, seiner Natur Schwärmerei. Er proji« ziert in seinen Symphonien Land und Leute, bringt das Leben und Weben des Hoch« und Waldlandes, wie es Adalbert Stifter so meisterlich poetisierte, zum Klingen, läßt das Jungvolk strampfen und singen. Dazu spinnt er sich ein in weltabgeschie« dene Betrachtungen, hält Zwiesprache mit der Gottheit, wird zum Träumer von stillerhabenem Erdenglück. Dann rüttelt die Wirklichkeit an seine Seele, mengen sich dunkle Erinnerungen in sein Sinnen — er stockt, macht Halt: Ein Wettern hebt an, ein Kämpfen, ein Sich«losringen«wollen. Heldenhaft reckt sich sein Genius. Aus Weh und Trauer erlöst ihn sein Gottvertrauen. In einer schlichten, zu Herzen gehenden Sprache, formt er vielstimmige Gebilde, die in zyklopischer Wucht aufgebaut sind. Da flammt es dann farbensprühend auf, spricht er wie mit Feuerzungen zu uns, ent« wirft er ein Wechselspiel zwischen Licht und Ein« sternis. Bruckner erschloß Neuland mit seiner mystischen Urmusik. F. G.

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