Österreichisches Brucknerfest 1936

Den Gästen zum Gruß! Es ist nicht das erstemal, daß Oberösterreich, daß Linz Brucknerfeste veranstaltet. Das vorjährige erste österreichische Brucknerfest und das heurige tragen aber doch ein anderes Gesicht. Es wurde nicht allein der Versuch gemacht, im Im und Ausland für Bruckners noch zu wenig bekannte und gewürdigte Musik zu werben, sondern auch — was zum Verständnis seiner symphonischen Werke ungemein wertvoll ist — die Teilnehmer des Festes in die Umwelt, die Landschaft Bruckners, zu füh= ren. Und durch eine neue Idee unterscheiden sich die jüngsten österreichischen Brucknerfeste von den früheren: Kirchliche und weltliche Schaffens^ Produkte des Ansfeldener Meisters gelangen an jenen Stätten zur Aufführung, wo er wirkte und schuf. Durch die LIeranziehung der führenden Orchester Oesterreichs, der hervorragendsten Dirh genten ist die Gewähr gegeben, daß die Wieders gäbe der Werke dem Idealen nahe kommen. Wenn die Ausländer vor oder nach Anhörung Bruckners scher Kompositionen in das schöne Oberösters reich, in Wiesens, Walds und Hügelland hinauss fahren, zum schneebedeckten Hochland ihre Blicke richten, wenn sie unseren Donaustrom befahren oder unsere malerisch eingebetteten Seen, an den wildromantischen Flüssen entlang wandern, wenn sie die stillen Klosterhöfe, die prunkvollen Fassas den und Innenräume unserer Stifte bestaunen, in den barocken Gotteshäusern staunend stehen, wenn sie die Winkel aus alten Tagen in unseren Städten aufsuchen, dem fröhlichen Treiben des Landvolkes lauschen: dann haben sie die Stims mungsbilder in sich aufgenommen, wie solche in Bruckners Musik zum Klingen kommen. Als Landeshauptmann rufe ich allen Teilnehmern des österreichischen Brucknerfestes ein herzliches Willkommen zu! Möge es wieder viele Bruckner^ Gläubige begeistern, andere wieder in immer größerer Zahl zu tiefem BrucknersErlebnis führen. Dr. Heinrich Gleißner.

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