wickelten, der Verdickung und endlichen Lösung des Knotens, der spannendsten Kämpfe bis zur Siegerringung, ist Bruckners ureigenste Schöpfung. Der erste Satz bringt gleich zu Beginn in den Violen, Celli und Bäs^ sen das typische Hauptmotiv (charakteri^ stischer Sekundenschritt) und den scharfpunk? tierten Rhythmus. In der Gesangsgruppe fällt die Mischung des zweis und dreiteiligen Rhythmus auf. Die dritte Themengruppe meldet sich zuerst in den Hörnern. In großzügiger Architektonik, fesselnd durch orchestrale, pathetische Detailmalerei, zieht der erste Satz an unserem Ohr vorüber. Das Scherzo beginnt mit koboldartigem Geflüster der Violinen in Sextakkorden. Ungestüm tritt in den Violen und Celli das "kernig=vierschrö= tige, sogenannte MichehMotiv auf. In vermin« derten Septakkordfolgen bläht und steigert sich die Situation. Umkehrungen, Motivdeh« nungen, füllen den Mittelteil. Gegen den Ab« Schluß lichtet sich die Stimmung nach C«Dur. Das Trio trägt beschaulichen Charakter: Des deutschen Michels Sinnen und Träumen. Zur Hornmelodie mischen sich Harfenklänge. Das Gebet des Michels erklingt (Violen). Ein flam« mend, farbensprühender Aufschwung und träumerisch verklingt das Trio. Das Adagio, das Kleinod der Symphonie, der innigste, ge« mütstiefste Sang, der nach Beethoven ange« stimmt wurde: Von Schönheit und Andacht durchglüht, von höchstem Seelenadel des Aus« druckes. Von ergreifender Wirkung ist der Hymnus der fünf Tuben. Ein Glänzen und Leuchten im dritten Satzteil. In dumpfer Klage tönt er schmerzvoll erschütternd aus. Zu einer Riesenkuppel wölbt sich das Finale, das unter dem Eindrucke der Dreikaiserzu« sammenkunft (1884 in Skiernewicze) entstand. Ueberschäumende Erfindungskraft, geniale kontrapunktische Phantasie äußert sich darin. Ein Stück Militarismus klingt auf: Trompeten« Signale, Fanfarenklänge. Unerschöpflich an kühnen, thematischen Kombinationen, endet der Satz in den .vier Hauptthemen der vier Sätze. 13
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