Österreichisches Brucknerfest 1936

Triumph kündet. Eine Steigerung, wie sie außer Beethoven eben nur Bruckners Gestah tungs^ und Formenkraft schaffen konnte, bildet der korrespondierende Schlußsatz. Darin finden wir wieder — und das ist das typisch Brucknerische — den Choral eingeschoben, im Finale der VII. wohl nicht zur Apotheose ver« wendet, wie in der V., aber immerhin als reli= giöser, den Helden in seiner Zuversicht stüt= zenden Fmpfindungsfaktor. Wie auf den Beschauer der traumhafte „Hain des Friedens" von Rüdisühli in seinem Böck= linschen Farbenton wirkt, so löst eine ahm liehe Stimmung das weihevoll ergreifende Adagio der VII. in dem Hörer aus. Männ= licher Schmerz, ohne leidenschaftliche Klage= laute, losgelöst vom Irdischen, offenbart sich darin. Eine verklärte Stimme aus Walhalh Fand erzählt uns gleichsam des Helden ritters lieh Ringen und Streiten, sein Leiden, sein Fr^ löstwerden, seine Auferstehung im Sonnen« reich. Mit dem Zauber der Melodik, den Lichteffekten der Harmonik und der Bered« samkeit des Kontrapunktes nimmt Bruckner unsere Herzen ein. Seit Haydns mächtig auf« strahlendem Licht«C«Dur«Dreiklang in seiner „Schöpfung" hat kein Komponist mit diesem „reinsten" aller Akkorde eine so verklärend leuchtende Wirkung erzielt, wie Bruckner in diesem Adagio; nur beim Fintritt desselben er« tönt Beckenschlag und Triangel — einen Takt in der ganzen Symphonie. Eine zweitaktige Ueberleitung, dann stimmen die Tuben und Hörner die Trauermusik „Zum Andenken an das Hinscheiden des Meisters" (Richard Wag« ner) an. Die letzten 35 Takte schrieb Bruck« ner nach Wagners Tode und bezeichnete selbe auch, wie aus einem Briefe an Mottl hervor« geht, als Trauermusik. Wie als Adagio«Komponist, steht Bruckner auch als Scherzo«Komponist Beethoven am nächsten. Das Scherzo der VII. ist nicht so ein Dialekttanz, wie wir ihn bei Bruckner gewöhnt sind. Wohl behält er die Natur Stimmung bei, aber die Tänzer sind andere. Zottelbeinige Waldschrate, Moosweiblein, bockfüßige Faune 11

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