Manfred Brandl - Der Kanonist Joseph Valentin Eybel 1741-1805

Und am 18. März 1787 referierte Kaunitz dem Kaiser über die geschehene Ausweisung (Maaß II, Nr. 251). Der Nuntius hatte sich damit entschuldigt, daß er die Drucklegung der Bulle (Kaunitz spricht nicht von einem Breve!) nur für die ihm untergebenen Missionen in England und Holland vorgenommen habe. Es sei weder seine, noch des Papstes Absicht gewesen, das Breve in den österreichischen Niederlanden durch geheime Wege kundmachen zu lassen, erklärte Zondadari. Nachdem es nun aber bekannt geworden sei, ,,müße ... Seiner Heiligkeit sehr empfindlich fallen, daß dieses so hoch aufgenommen werde, da doch in den k.k. Staaten alles zu drucken und zu verbreiten erlaubt sey, was immer zur Verkleinerung des päbstlichen Stuhls und der Vorrechte des römischen Primats geschrieben wird." Für die Belgier waren die Vorkommnisse um den Nuntius Anlaß, die österreichische Regierung und die josephinischen Lehren49 noch entschiedener abzulehnen. Es waren aber nicht nur die nouvelles maximes und die doctrine qui est declaree proscrite, suspecte, temeraire, schimatique & heretique par l'Eglise Catholique, welche den Widerstand gegen Österreich auslöste. Flugblätter aus den Jahren seit 1787 - eine erstaunliche Menge von ihnen finden sich in der Wiener Stadtbibliothek - zeigen ja, daß es um ungleich mehr ging als Super soliditate oder gar Eybel, dessen Name nur am Rande manchmal erwähnt wird. Es ging um Freiheit, es ging gegen die esclavage. Was unter dem Kaiser geschehe, das sei nicht weniger als die totale Destruktion der Gesetze, sagten die Belgier. Pikant ist, daß die Wiener, bei Edlem von Kurzheck verlegte Ausgabe des Breve mit 1786 datiert ist. Man hat manchmal so getan, als sei Eybel indirekt ein auslösender Faktor der belgischen Unruhen gewesen. Das ist absurd . Die kurialen, antijosephinischen Kreise der österreichischen Niederlande brachten das Breve Super soliditate viel eher gegen Pehems Kirchenrecht in Anwendung als gegen Eybel, der ja keine offizielle Bedeutung mehr hatte. Das Breve wurde auch in Pistoja literarisch befehdet50 . Auch dort wollte man erstaunt sein darüber, wie denn der Papst sich herbeilassen konnte, ein Werk zu verurteilen, und das mit den schärfsten Zensuren, das doch nichts als die alte Lehre der Kirche bezüglich kirchlicher Hierarchie und besonders die Lehre der Konzilien von Konstanz und Basel enthalte51 • 49 Ne v. 24. 7. 1787, S. 118. 50 Ne v. 17. 4. 1789, S. 62; die Zitierung ist dort nicht genau, das Werk ist uns nicht erreid1bar. Der ablehnenden Prüfung des Breves in der Raccolta, 14. Bd., Piscoja 1787 ähnelt das Werk La voce della verita, 94 S., erwähne in Ne v. 17. 4. 1789, S. 62. 51 Eine der Blindheiten der ,Progressisten' von damals war ja, daß sie zwar Konstanz und Basel hochlobten, indes die Okumenizität des Florentinum und des Tridentinum ständig anzweifelten, weil ihnen diese Konzilien unbequem waren. 182

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